Toter Zahn

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. November 2017
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Zahnschmerzen, die plötzlich aufhören? Zahnverfärbungen, kein Kältereiz, jedoch Aufbissempfindlichkeiten? Typische Anzeichen, die für einen toten Zahn sprechen. Wichtig ist, dass der tote Zahn nicht ignoriert, sondern von einem Zahnarzt behandelt wird. Nur so kann er vor der Extraktion gerettet werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein toter Zahn?

Stellt der Zahnarzt zu tiefe Löcher im Zahn und sehr weit fortgeschrittenes Karies fest, bleiben ihm kaum Möglichkeiten, hier noch aktiv dafür zu sorgen, dass der Zahn am Leben bleibt. Der Zahn - besser gesagt die Pulpa - stirbt in weiterer Folge ab. Die Pulpa ist ein Bündel von Blutgefäßen und Nerven, das den Zahn versorgt.

Ein toter Zahn muss aber nicht auf der Stelle ausfallen; mitunter kann er auch lange unbemerkt bleiben. Einerseits, weil ein Zahn, der keinen Nerv hat, keine Beschwerden verursacht und andererseits, weil der Zahnschmelz auch dann noch stabil bleibt, selbst wenn die Blutversorgung ausbleibt.

Der Zahn verfärbt sich jedoch; im Laufe der Zeit wird er dunkel. Mitunter klagt der Betroffene über eine Aufbissempfindlichkeit und einem ständigen Abbrechen von Zahnsubstanz. Im schlimmsten Fall kommt es zu Schwellungen und starken Schmerzen.

Ursachen

Im Regelfall ist eine Entzündung der Pulpa, die sogenannte Pulpitis, für das Absterben des Gewebes verantwortlich. Eine Pulpitis entsteht, wenn Erreger - aufgrund der tiefen Löcher, verursacht durch Karies - bis zum Zahnnerv gelangen. Die Pulpitis verursacht extreme Schmerzen, kann aber andererseits auch ohne Beschwerden verlaufen.

Liegt eine Entzündung des Zahnnervs vor, zerstört diese in weiterer Folge die gesamte Pulpa. Klagt der Betroffene über starke Zahnschmerzen, die jedoch nach einigen Tagen von selbst aufhören, ist keine Spontanheilung eingetreten, sondern der Zahnnerv abgestorben. Die akute Pulpitis hat sich zu einer chronischen Pulpitis entwickelt. Aus diesem Grund ist es wichtig, rechtzeitig einen Zahnarzt aufzusuchen. In seltenen Fällen kommt es zu einer direkten Beschädigung der Pulpa. Mitunter können Unfälle, durch welche der Zahn ausgeschlagen wird oder bricht, direkte Schäden an der Pulpa verursachen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein toter Zahn muss nicht unbedingt Schmerzen verursachen. Ein typisches Anzeichen, dass es sich bereits um einen abgestorbenen Zahn handelt, ist die Unempfindlichkeit gegenüber Kälte. Optisch stellt der Betroffene eine dunkle Verfärbung fest. Mitunter kommt es auch zu starken Zahnschmerzen; lässt der Zahnschmerz nach einigen Tagen nach und verschwindet, sodass es zu einer plötzlich eintretenden Schmerzfreiheit kommt, ist der Zahn abgestorben.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Mediziner überprüft vor der Behandlung, ob es sich um einen vitalen oder toten Zahn handelt. Dabei besprüht er einen Wattebausch mit dem Kältespray, den er danach auf den Zahn legt. Mitunter genügt aber auch ein kurzer Luftstoß aus einer Wasser-Luft-Pistole, um Gewissheit zu erlangen, ob der Zahn abgestorben ist oder nicht.

Nimmt der Patient den Kältereiz wahr, handelt es sich um eine positive Vitalitätsprüfung - der Zahn lebt. Bei einer negativen Vitalitätsprüfung muss der Zahnarzt davon ausgehen, dass der Zahn bereits abgestorben ist. Jedoch müssen dahingehend weitere Untersuchungen vorgenommen werden, da Füllungen oder Kronen die Vitalitätsprüfung beeinträchtigen können.

Mittels Perkussionstestung kann der Mediziner ebenfalls testen, ob der Zahn bereits abgestorben ist oder nicht. Reagiert der Patient auf ein Klopfen, das direkt am Zahn erfolgt, liegt eine Entzündung im Kieferknochen vor. Dabei spricht der Mediziner von der Wurzelspitzenentzündung.

Der Patient leidet im Regelfall unter Kieferschmerzen; der tote Zahn verursacht keine Schmerzen. Im Zweifel kann der Zahnarzt ein Röntgenbild anfertigen lassen. Auf dem Bild erkennt der Mediziner eine kreisrunde Veränderung, die direkt an der Wurzelspitze entstanden ist und darauf schließen lässt, dass es zu einer Wurzelspitzenentzündung gekommen ist.

Die abgestorbene Pulpa ist natürlich der perfekte Nährboden für unzählige Bakterien. Jene kommen direkt aus der Mundhöhle und können problemlos in den Zahn wandern. Die Bakterien haben es zudem noch leichter, wenn sich bereits Karies gebildet hat. Aufgrund der Tatsache, dass Bakterien eintreten, beginnt das tote Gewebe zu verfaulen.

Es bilden sich aggressive Entzündungen, sogenannte Gangrän, die sich vor allem durch einen äußerst üblen Geruch bemerkbar machen. Die Erreger, die sich im ganzen Kiefer aufhalten können, sorgen für nicht ungefährliche Folgeentzündungen. Bricht nämlich die Entzündung durch, also befällt sie das umliegende Gewebe neben der Wurzelspitze, kommt es zum Abszess. Ein Umstand, der sofort an der „dicken Backe“ zu erkennen ist.

Komplikationen

Ein toter Zahn muss nicht zwingend gezogen werden, kann aber, wenn er nicht zahnmedizinisch behandelt wird, problematisch werden, weil Bakterien aus dem Mundraum in die abgestorbene Pulpa eindringen und dafür sorgen können, dass das Gewebe verfault und eine Entzündung verursacht. Meistens ist sie an einem fauligen Mundgeruch zu erkennen.

Häufig fängt der Zahn an zu pochen und wird sehr druckempfindlich, weil der Druck aufgrund der Fäulnisgase nicht entweichen kann. Es ist gefährlich, wenn die Entzündung nicht fachgerecht behandelt wird, weil sie sich über die Wurzelspitze im ganzen Kiefer ausbreiten kann. Wenn Eiter in das benachbarte Gewebe fließt, kommt es zur dicken Backe, wie der Volksmund sagt.

Über den Kiefer können die Bakterien in den Blutkreislauf gelangen und in anderen Körperregionen gesundheitliche Probleme verursachen, unter anderen eine Herzmuskelentzündung, die man auf den ersten Blick gar nicht im Zusammenhang mit dem toten Zahn sehen würde. Das Tückische ist, dass abgestorbene Zähne sich nicht immer durch Schmerzen bemerkbar machen.

Oft sterben sie einfach ab und die Bakterien können sich ungehindert über einen längeren Zeitraum vermehren, ohne dass es die Betroffenen merken. Daher ist es wichtig, so einen toten Zahn frühzeitig zu behandeln, damit er nicht zum Bakterienherd wird.

Behandlung & Therapie

Ein toter Zahn muss unbedingt vom Zahnarzt behandelt werden. Wird der abgestorbene Zahn ignoriert, kommt es in weiterer Folge zu chronischen Entzündungen. Am Ende kann der Mediziner nur noch den Zahn entfernen. Reagiert der Patient rechtzeitig, kann der Zahnarzt versuchen, den Zahn noch irgendwie zu retten.

Er führt dabei eine Wurzelkanalbehandlung durch. Dabei wird der Wurzelkanal gereinigt und in weiterer Folge mit einer Füllung verschlossen. Kann der Zahnarzt den Zahn aber nicht mehr retten, da dieser bereits zu brüchig, viel zu locker oder dauerhaft infiziert ist, kann er diesen nur entfernen. Es folgt eine Extraktion. Die entstandene Zahnlücke kann danach mit einer Brücke, einem herausnehmbaren Zahnersatz oder einem Implantat verschlossen werden.

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Vorbeugung

Ein toter Zahn kann definitiv vorgebeugt werden. Regelmäßige Zahnpflege, Mundhygiene und Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt - allesamt Faktoren, die dazu führen, dass sich kein Karies bildet. Wer unter Zahnschmerzen leidet, sollte so schnell wie möglich einen Zahnarzt aufsuchen; mitunter reicht bereits eine Füllung aus, um weitere Probleme zu verhindern.

Bücher über Zahnschmerzen

Quellen

  • Gängler, P., et al.: Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Hausamen, J.-E., et al.: Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Springer, Heidelberg 2012
  • Ott, R., Vollmer, H.P., Krug, W.: Klinik- und Praxisführer Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2003

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