Torasemid

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. Mai 2017
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Der Arzneistoff Torasemid gehört zu den Schleifendiuretika und wird vorwiegend zur Entwässerung eingesetzt. Zu den möglichen Indikationen gehören neben Wasseransammlungen auch Bluthochdruck und Herzinsuffizienz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Torasemid?

Torasemid ist ein Schleifendiuretikum. Diese Gruppe der harntreibenden Medikamente (Diuretika) entfaltet seine Wirkung direkt im harnbildenden System der Nieren.

Aufgrund ihrer recht linearen Wirkungs-Konzentrationsbeziehung werden Schleifendiuretika wie Torasemid den high-ceiling-Diuretika zugerechnet. Je nach Flüssigkeitsgabe kann mithilfe des Schleifendiuretikums eine Harnmenge von bis zu 45 Litern pro Tag erreicht werden.

Pharmakologische Wirkung

Die Niere filtert Stoffwechselendprodukte aus dem Blut und scheidet diese aus. Dazu produziert sie zunächst täglich bis zu 200 Liter Primärharn. Dieser wird in einem komplexen System aus sogenannten Tubuli, der Henle-Schleife und Sammelrohren konzentriert. Dazu wird Wasser rückresorbiert, sodass schlussendlich zwischen einem und anderthalb Litern Sekundärharn übrig bleiben.

Der aufsteigende Teil der Henle-Schleife ist der Wirkort von Torasemid. Hier gelangen bis zu 25 Prozent des zunächst gefilterten Natriums wieder ins Blut. Für die Wiederaufnahme des Natriums ist ein Transportprotein nötig. Torasemid hemmt dieses Protein. Das Natrium kann dann nicht mehr rückresorbiert werden. Damit steigt auch die Wasserausscheidung.

Zeitgleich kommt es zu einer Steigerung der sogenannten glomerulären Filtrationsrate. Das bedeutet, dass die Nierenkörperchen mehr Urin filtern und produzieren.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Schleifendiuretika wie Torasemid werden hauptsächlich in der Behandlung des akuten Lungenödems eingesetzt. Hier sammelt sich infolge einer Herzkrankheit Flüssigkeit in den Lungenbläschen oder im Lungengewebe. Die Folge sind lebensbedrohliche Atemstörungen. Torasemid kann die Ausscheidung der überschüssigen Flüssigkeit aus dem Körper unterstützen.

Auch Wasseransammlungen in anderen Organen wie im Bauchraum oder in den Extremitäten werden mit Torasemid behandelt. Solche Ödeme können sich im Rahmen einer Herz-, Leber- oder Niereninsuffizienz entwickeln und die Organtätigkeit stark beeinträchtigen. Bei einem akuten Nierenversagen kann Torasemid dabei helfen, den Wasserhaushalt zumindest für eine gewisse Zeit zu kontrollieren.

Da durch das Schleifendiuretikum nicht nur vermehrt Wasser, sondern auch Elektrolyte ausgeschieden werden, kann Torasemid auch zur Behandlung einer Hyperkalzämie genutzt werden. Bei einer Hyperkalzämie befindet sich zu viel Kalzium im Blut. Typische Ursachen sind bösartige Tumore oder Erkrankungen des Hormonsystems. Schleifendiuretika waschen neben Kalzium auch Kalium aus. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist deshalb eine Hyperkaliämie, wie sie beispielsweise bei Erkrankungen der Nieren oder der Nebennieren auftreten kann.

Früher wurde Torasemid zudem zur forcierten Ausscheidung bei Vergiftungen mit Bromid, Fluorid und Iodid sowie bei der Rhabdomyolyse, einer Auflösung quergestreifter Muskelfasern, eingesetzt. Um Störungen im Elektrolythaushalt vorzubeugen, ist allerdings eine gleichzeitige Zufuhr von Natrium, Wasser und Chlorid erforderlich.

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Risiken & Nebenwirkungen

Schleifendiuretika wie Torasemid weisen eine hohe Wirksamkeit auf und müssen deshalb vorsichtig eingesetzt werden. Insbesondere bei Patienten mit einem gestörten Elektrolyt- oder Säure-Basen-Gleichgewicht ist eine engmaschige Bilanzierung des Wasserhaushaltes sowie eine angemessene Substitution von Elektrolyten unabdingbar.

Aufgrund der vermehrten Ausscheidung von Elektrolyten darf Torasemid nicht bei Natrium- und Kaliummangel eingesetzt werden. Auch bei komplettem Harnverhalt ist die Anwendung kontraindiziert. Ebenso darf der Arzneistoff nicht in der Stillzeit eingesetzt werden. Falls die Anwendung des Medikaments lebensnotwendig ist, muss vorher abgestillt werden.

Bei einer Langzeitanwendung kann es aufgrund einer zu starken Entwässerung zu einer sogenannten Hypovolämie kommen. Bei einer Hypovolämie ist das zirkulierende Blutvolumen vermindert. Dies äußert sich durch Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen und Hypotonie. In schweren Fällen können die Patienten austrocknen.

Die erhöhte Ausscheidung von Kalium und Protonen kann zu einer hypokalämischen Übersäuerung führen. In seltenen Fällen können die Patienten zudem einen verminderten Natriumspiegel im Blut aufweisen.

Durch eine verstärkte Resorption von Harnsäure kann sich ferner eine Hyperurikämie entwickeln, die zu Gichtanfällen führen kann. Einige Patienten entwickeln unter der Behandlung mit Torasemid Hörschäden in den hohen Frequenzen bis hin zur kompletten Taubheit. Allerdings tritt dieser Effekt meist nur während der Behandlung auf, bleibende Schäden sind sehr selten.

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