Tonischer Labyrinthreflex

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 15. November 2016
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Der Tonische Labyrinthreflex (TLR) hat Einfluss auf alle auditiven, visuellen und motorischen Abläufe beim Menschen. Dazu zählen die Körperhaltung, das Gleichgewicht, die Orientierung, die Wahrnehmung und die Augenmuskelfunktion.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der tonische Labyrinthreflex?

Der Tonische Labyrinthreflex, kurz TLR genannt, ist Bestandteil der frühkindlichen Reflexe. Im Mutterleib ist der TLR wichtig, damit sich das ungeborene Kind in die Strecklage bringt, damit es den Geburtskanal passieren kann. In den ersten drei Monaten ist der Reflex physiologisch ausgeprägt. Er bewirkt bei Neugeborenen die Streckung aus der fötalen Haltung in die Gerade entgegen der Schwerkraft. Nach einigen Monaten wird der TLR mehr und mehr gehemmt.

Es wird unterschieden zwischen dem TLR vorwärts und rückwärts. Beim vorwärts gerichteten TLR beugt das Neugeborene den Kopf nach vorne, worauf eine Beugung des ganzen Körpers folgt. Beim rückwärts gerichteten TLR streckt das Kind den Kopf nach hinten, was zu einer Streckung des gesamten Körpers führt.

Liegt das Neugeborene auf dem Bauch, bleiben Kopf und Wirbelsäule gestreckt. Es erfolgt keine automatische Kopfdrehung. Die Beine werden dabei durch seitliches Heranführen unter den Rumpf gezogen. Somit beeinflusst der Tonische Labyrinthreflex vom Kopf an abwärts den Muskeltonus im gesamten Körper. Es werden also zentrale Kreisläufe der Reizaufnahme und -verarbeitung berührt.

Funktion & Aufgabe

Der Tonische Labyrinthreflex wirkt sich auf viele Funktionsbereiche im menschlichen Organismus aus. Er ist verantwortlich für die Kopfkontrolle und den Muskeltonus sowie die visuelle Figur-Grund-Wahrnehmung. Aber auch die räumliche und akustische Wahrnehmung und die Herstellung und Aufrechterhaltung des Gleichgewichts werden von ihm gesteuert.

Wie gut oder schlecht das spätere Zeitgefühl ausgeprägt ist, wird ebenfalls von ihm gesteuert. Auch die Tatsache, wie gut oder schlecht wir sehen, liegt in seinem Einflussbereich. Ebenso die visuelle Unterscheidungsfähigkeit beispielsweise zwischen b und d, 32 und 23 oder linker und rechter Seite sind ihm zugehörig. Daher wird auch das Erlernen der Zeigeruhr und das zeitliche Orientierungsvermögen diesen Zusammenhängen zugeordnet.

Vom TLR vorwärts hängt es ab, wie sich die Körperhaltung entwickelt und darstellt. Auch die elementar wichtige Muskelspannung, das Interesse an aktiver Bewegung, vor allem in Form von Sport, aber auch das menschliche Zeitgefühl und die räumliche Orientierung, damit sich der Mensch ohne Hilfe Dritter zurechtfindet, sind vom TLR vorwärts abhängig und geprägt.

Vom Tonischen Labyrinthreflex rückwärts hängt es ab, ob eine körperliche Steifheit oder die Neigung zum Zehenspitzengang vorliegt. Das Gleiche gilt für die körperliche Balance und Bewegungskoordination. Der TLR rückwärts beeinflusst auch, ob die Streckmuskeln einen stärkeren Einfluss haben als die Beugemuskeln und ob es zu steifen ruckartigen Bewegungen kommt. Der Nutzen des TLR liegt somit in seiner Bedeutung für einen reibungslosen Funktionsablauf aller Sinne.

Jeder dieser aktiven Funktionsbereiche ist in seiner ihm zugeteilten Funktion mit einem Alleinstellungsmerkmal versehen. Es ist für den Menschen daher von großer Bedeutung, das für seine auditiven, visuellen und motorischen Möglichkeiten alle Prozesse funktionieren. Nur so ist die uneingeschränkte Wahrnehmung über die menschlichen Sinne und die manuelle Ausübung aller Tätigkeiten inklusive der Körperbeherrschung möglich.




Krankheiten & Beschwerden

Ein unzureichender Muskeltonus, eine Störung der visuellen Figur-Grund-Wahrnehmung sowie eine mäßig ausgeprägte Kopfkontrolle können unter Umständen dem fortgesetzten Einfluss des TLR zugeschrieben werden. Auch Gleichgewichtsprobleme, eine gestörte räumliche Wahrnehmung sowie eine Störung der Hörverarbeitung und serielle Fehlleistungen bzw. ein schlecht ausgeprägtes Zeitgefühl sind bekannt. Ebenso sind Probleme in der Handlungs- und Bewegungsplanung (Dyspraxie) nachgewiesen. Letztlich können sich sogar leichte bis gravierende Rechenprobleme ergeben.

Liegen Tonusstörungen in der Mundregion vor, kann es zu Kieferfehlstellungen sowie einer gestörten Sprachentwicklung kommen. Auch Kau- und Schluckbeschwerden können sich einstellen. Ein starker Speichelfluss (Hypersalivation) ist zudem häufig zu beobachten.

Erfolgt keine korrekte Hemmung des TLR, können bei nach vorne geneigtem Kopf die Auswirkungen gravierend sein. Angefangen von der eingeschränkten Möglichkeit auf Händen und Knien zu krabbeln können ein Rundrücken, hochgezogene Schultern, gebeugte Beine, ausgleichenden Bewegungen der Arme und Beine sowie Schwindelgefühl mit oder ohne Desorientierung auftreten.

Der TLR rückwärts ist oft nicht voll ausgereift, wenn der normale Geburtsprozess gestört ist. Es kann bereits dann von Problemen bei der Hemmung des TLR ausgegangen werden. Zu den Defiziten, die bei nach hinten geneigtem Kopf auftreten, gehören im Einzelnen:

  • ein mehr oder weniger ausgeprägtes Hohlkreuz
  • zunehmende Körperspannung bis hin zum Gehen auf den Zehenspitzen oder Fußballen
  • Ausgleichende Armbewegungen
  • Schwindelattacken mit oder ohne Desorientierung

Bestehen Restreaktionen des TLR weiterhin, wird vermehrt auf ein mäßiges Organisationsvermögen und Reiseübelkeit hingewiesen. Ein nicht ausgereifter Kopfstellreflex kann eine Beeinträchtigung der Augenfunktion und weitergehend eine Störung des Zusammenspiels von Augen, Ohren und Körperbewegungsempfindung zur Folge haben. Auch bestimmte Bearbeitungszentren im Gehirn wie der Gleichgewichtssinn können gestört sein. Dadurch wiederum können häufig fehldiagnostizierte Leistungsminderungen oder Leistungsstörungen hervorgerufen werden.

Häufig ist auch die auditive und/oder visuelle Wahrnehmung eingeschränkt. Vielfach ist eine ausgeprägte Abneigung gegen sportliche Aktivitäten zu verzeichnen. Nicht selten ist auch das Erkennen und Einhalten von Zahlenfolgen nur eingeschränkt möglich.

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