Tilidin

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 29. November 2016Geprüfte Qualität
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Bei Tilidin handelt es sich um ein Schmerzmittel. Es zählt zu den Opioiden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Tilidin?

Tilidin gehört der Gruppe der Opioid-Analgetika an. Opioide verfügen über schmerzstillende Eigenschaften. Sie weisen allerdings den Nachteil auf, dass von ihnen eine potentielle Abhängigkeitsgefahr ausgeht. Um einer solchen Abhängigkeit sowie unerwünschten Nebeneffekten entgegenzuwirken, findet zumeist eine Kombination zwischen Tilidin und dessen Gegenspieler Naloxon statt.

Die Entwicklung des synthetischen Arzneistoffes Tilidin fand Ende der 1960er Jahre durch das deutsche Pharmaunternehmen Gödecke statt, das heute dem Pfizer-Konzern angehört. Zunächst wurde der Wirkstoff in Form von Tropfen auf den Markt gebracht. So ließ sich das Schmerzmittel durch die Tropfen besser dosieren.

Im Laufe der Zeit stellte sich jedoch heraus, dass Tilidin Abhängigkeiten bei den Patienten hervorrufen kann. Aus diesem Grund kam das Medikament nicht mehr bei Personen zur Anwendung, bei denen eine Drogensucht bestand. Zur Vorbeugung der Suchtgefahr erfolgte schließlich die Beigabe von Naloxon. So stellt Naloxon einen Opioid-Antagonisten dar, der den Wirkeffekt der Opioide aufhebt. Er verfügt über die Fähigkeit, sich an die gleichen Rezeptoren wie Tilidin zu binden, ohne allerdings einen entsprechenden Effekt auszulösen. Auf diese Weise eignet sich Naloxon auch zur Behandlung einer Opiatvergiftung.

Pharmakologische Wirkung

Die Wirkungsweise von Tilidin beruht darauf, dass es die Opioid-Rezeptoren innerhalb des Organismus aktiviert. Auch die körpereigenen Endorphine, die ebenfalls als Schmerzmittel wirken, binden sich an diese Rezeptoren. Aufgrund des Aktivierens der Rezeptoren durch Tilidin kommt es zu einer indirekten Hemmung der neuronalen Systeme, von denen Schmerzen im Körper übermittelt werden.

Es dauert ungefähr 15 Minuten, bis die schmerzstillende Wirkung von Tilidin einsetzt. In diesem Zeitraum erfolgt innerhalb der Leber die Umwandlung des Wirkstoffs in Nortilidin, das eigentlich für den schmerzstillenden Effekt des Medikaments verantwortlich ist. Insgesamt wirkt Tilidin etwa 3 bis 5 Stunden.

Tilidin bewirkt nicht nur das Lindern von Schmerzen, sondern hat auch Einfluss auf deren Wahrnehmung. Aus diesem Grund empfindet der Patient Schmerzen weniger intensiv und wird in eine positivere Stimmung versetzt. So ähnelt die Wirkungsweise von Tilidin dem Morphin, das als wichtigster Vertreter der Opioide gilt.

Durch die Kombination von Tilidin und Naloxon soll der Missbrauch des Schmerzmittels durch eine zu hohe Dosierung oder durch das Spritzen in den Arm unterbunden werden. Ihre positiven Eigenschaften kann die Wirkstoffkombination nur dann entfalten, wenn sie über Tropfen, Kapseln oder Tabletten in den Magen-Darm-Trakt gelangt. So kommt es im Magen zu einer weitgehenden Inaktivierung von Naloxon, sodass lediglich die Wirkung von Tilidin übrig bleibt. Bei einer Injektion in den Arm, wie es bei Drogensüchtigen oft üblich ist, unterbleibt die euphorisierende Wirkung von Tilidin, da diese Eigenschaft von Naloxon unterbunden wird.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Bei Tilidin handelt es sich um ein Schmerzmittel. Es zählt zu den Opioiden.

Zur Anwendung gelangt Tilidin zur Therapie von mittelschweren bis schweren Schmerzen. Dabei ist der Zeitraum der Anwendung begrenzt, um eine Gewöhnung an das Opioid zu verhindern, was jedoch nicht immer möglich ist. So sind vor allem Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, oft längere Zeit auf Tilidin angewiesen.

Zu den häufigsten Indikationen von Tilidin gehören Schmerzen bei Krebserkrankungen, Schmerzen nach operativen Eingriffen, Unfallschmerzen sowie Schmerzen nach einem Herzinfarkt. Auch zur Behandlung von entzündlich-rheumatischen Krankheiten ist der Wirkstoff geeignet. Sinnvoll kann zudem eine vorbeugende Einnahme von Tilidin sein, wenn bereits eine starke Schmerzbelastung zu erwarten ist.

In Deutschland erfolgt die Einnahme von Tilidin durch Retardtabletten und Tropfen sowie in Kombination mit Naloxon. In dieser Kombination fällt das Schmerzmittel hierzulande nicht unter die Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV), da sich auf diese Weise dem Abhängigkeits- und Missbrauchspotential vorbeugen lässt.

Für Tilidinpräparate, bei denen der Wirkstoff sofort freigesetzt wird, gilt allerdings seit 2013 die BtMVV. Erhältlich ist die Kombination Tilidin + Naloxon auch als Generikum. Da Tilidin der Verschreibungspflicht unterliegt, lässt es sich nur durch ein spezielles ärztliches BTM-Rezept erhalten.

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Risiken & Nebenwirkungen

Die Einnahme von Tilidin kann verschiedene Nebenwirkungen aufweisen. So kommt es häufig beim Einsatz von Retardtabletten zu Übelkeit und Erbrechen. In manchen Fällen sind auch Benommenheit, Müdigkeit, Schwindelgefühle, Kopfschmerzen, verstärktes Schwitzen, Bauchschmerzen und Durchfall möglich. Auch bei der Einnahme von Tropfen können Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit und Schwindel auftreten.

Besonders zu Beginn der Therapie zeigen sich die unerwünschten Nebeneffekte. Je länger die Behandlung dauert, in desto größerem Umfang nehmen die Nebenwirkungen jedoch ab. Zur Vorbeugung von Nebeneffekten wird dem Patienten empfohlen, körperliche Belastungen zu vermeiden.

Gar nicht erst eingenommen werden darf Tilidin im Falle einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff. Auch Menschen, die von Opiaten abhängig sind, müssen auf Tilidin + Naloxon verzichten, da das Naloxon schwerwiegende Entzugserscheinungen zur Folge haben kann. Weitere Kontraindikationen gegen Tilidin sind Funktionsstörungen der Leber sowie eine Leberzirrhose.

Eine Einnahme von Tilidin in der Schwangerschaft und Stillzeit sollte nur nach einer gründlichen Abwägung von Risiken und Nutzen durch den Arzt erfolgen. Für Kinder ist Tilidin ab einem Alter von zwei Jahren geeignet.

Durch eine gleichzeitige Einnahme von Tilidin mit Beruhigungsmitteln oder Alkohol kann sich die Wirkung des Schmerzmittels noch verstärken. Dabei besteht sogar das Risiko eines Atemstillstands. Aufgrund schwer einzuschätzender Wechselwirkungen ist auf die zeitgleiche Gabe von Tilidin und anderen Opioiden zu verzichten.

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