Tietze-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. Oktober 2017
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Bei starken Schmerzen in der Brust, die bis in den linken Arm ausstrahlen, denken viele sofort an einen Herzinfarkt. Doch diese Beschwerden können auch ganz andere Ursachen haben. Eine davon ist das Tietze-Syndrom, das erstmals 1921 von Alexander Tietze (1864 bis 1927) in seiner in der „Berliner klassischen Wochenschrift“ in seiner Arbeit „Über eine eigenartige Häufung von Fällen mit Dystrophie der Rippenknorpel“ beschrieben hat.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Tietze-Syndrom?

Beim Tietze-Syndrom, welches im medizinischen Sprachgebrauch auch Chondropathia tuberosa, Costochondritis oder Morbus Tietze genannt wird, handelt es sich um eine schmerzhafte Schwellung der Knorpelansätze des Brustbeins bzw. der Rippen. Oft können die Ursachen dafür nicht eindeutig geklärt werden. Die Beschwerden verschwinden in einigen Fällen nach einiger Zeit von selbst.

In der Regel klagen die Betroffenen über einseitige, unspezifische Schmerzen im Bereich der Brust und des Brustbeins, meist linksseitig. Die Schmerzen, die sich beim tiefen Einatmen oft noch verstärken, sind teilweise so heftig, dass sie unter Umständen einen Herzinfarkt vortäuschen können. Bei Beschwerdezunahme strahlen die Schmerzen bis in den Arm oder in die Halsseite aus.

Auch wenn dies auf den ersten Blick vermutet werden könnte, liegt dem Tietze-Syndrom meist keine Entzündung zugrunde. Da die Beschwerden ähnlich denen von anderen Erkrankungen wie Herzbeschwerden sind, sollten diese durch eine umfassende Untersuchung ausgeschlossen werden.

Ursachen

Häufig treten die Beschwerden beim Tietze-Syndrom ohne erkennbaren Auslöser auf. Medizinische Untersuchungen bleiben oftmals ohne Befund. Die Vermutung geht dahin, dass bestimmte Faktoren das Auftreten von Morbus Tietze begünstigen können.

Hierzu gehören z. B. Mikrobrüche der betroffenen Knochen, die durch Überbelastung oder Ermüdung entstehen könne. Ein vorheriger operativer Eingriff, bei dem der Brustkorb geöffnet wurde, kann ebenfalls ursächlich für das spätere Auftreten des Tietze-Syndroms sein.

Oft handelt es sich bei den Betroffenen um Menschen zwischen dem 30. und dem 40. Lebensjahr. Dabei können sich die Beschwerden in zunehmendem Alter noch verstärken. Auch bei Kindern ist das Auftreten von Morbus Tietze nicht ausgeschlossen. Bei Frauen tritt dieses Syndrom, Statistiken zufolge, deutlich häufiger auf als Männer.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

In vielen Fällen erfolgt die Diagnose des Tietze-Syndroms nach einer Einlieferung des Betroffenen in eine Klinik. In vielen Fällen wird die Erkrankung zunächst aufgrund der ähnlichen Symptome für eine Angina pectoris oder einen Herzinfarkt gehalten. Diese Verwechselbarkeit machte eine umfassende medizinische Untersuchung zum Ausschluss anderer gefährlicher Erkrankungen unabdingbar.

Morbus Tietze ist trotz der teilweise starken Schmerzen und der Belastung für den Betroffenen nicht lebensbedrohlich. Es gibt einzelne Fälle, bei denen außer den Schwellungen keine weiteren Symptome auftreten. Bei anderen Patienten kommt es zu einem beschleunigten Puls und einem übersteigerten, mit einem schmerzhaften Brennen einhergehenden Hitzegefühl.

Da viele Symptome des Tietze-Syndroms zunächst unspezifisch sind, kann eine konkrete Diagnose ausschließlich durch einen Fachmediziner erfolgen. Dieser kann meist die Erkrankung nach einer regulären Untersuchung des Patienten diagnostizieren, zum Beispiel durch einen Drucktest auf die betroffenen Areale. Bei der Diagnose kann ein ausführliches Gespräch hilfreich sein.

Komplikationen

Morbus Tietze hat im Normalfall keine größeren Komplikationen zur Folge. Die typischen Symptome – also Brustschmerzen, Probleme beim Atmen und Schwellungen im Rippenbereich – können unter Umständen jedoch weitere Beschwerden hervorrufen. Leidet die betroffene Person beispielsweise an chronischen Atembeschwerden, so kann das Tietze-Syndrom Atemnot nach sich ziehen.

Begleitend dazu können Panikattacken auftreten, die meist auch Auswirkungen auf die psychische Verfassung des Betroffenen haben. Auch die typischen Brustschmerzen können mit anderen Leiden korrelieren und ein starkes Unwohlsein hervorrufen. In Einzelfällen ruft das Tietze-Syndrom außerdem Blutdrunkschwankungen hervor, die meist mit einem schmerzhaften Brennen und einem Hitzegefühl in Brust und rechtem Arm verbunden sind.

Behandelt werden die Beschwerden meist mit Antirheumatika und Schmerzmitteln – Medikamente, die immer mit Nebenwirkungen einhergehen. Auch alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur oder Wärme- und Kältetherapie bergen Risiken. Im Fall einer Akupunktur können Infektionen, Blutergüsse und selten auch Kreislaufprobleme auftreten.

Die Kryotherapie kann zu kleineren Erfrierungen führen und das Gewebe unter Umständen dauerhaft schädigen. Auch allergische Reaktionen auf die verwendeten Mittel und Materialien sind bei der Behandlung von Morbus Tietze nicht grundsätzlich auszuschließen.

Behandlung & Therapie

Im besten Fall verschwindet das Tietze-Syndrom mit all seinen Beschwerden nach einigen Monaten von allein. Die während der Erkrankung auftretenden, teilweise starken Schmerzen werden meist durch eine entsprechende Schmerztherapie (Tabletten, örtlich wirkende Salben) behandelt.

Welche Wirkstoffe im Einzelfall verabreicht werden, ist von der Stärke der auftretenden Schmerzen abhängig. Bei einigen Betroffenen genügt die Gabe leichter Schmerztabletten bzw. Antirheumatika. In ganz schweren Fällen können die Symptome nur durch die Einspritzung des Wirkstoffes ins Rückenmark gelindert werden.

Muskelentspannende Medikamente können beim Tietze-Syndrom ebenfalls zur Eindämmung der Beschwerden zum Einsatz kommen. Teilweise werden auch Antidepressiva eingesetzt, da die fortwährenden Schmerzen sich negativ auf das seelische Befinden des Betroffenen auswirken können.

Auch alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur können bei Morbus Tietze Anwendung finden. Häufig wird auch Krankengymnastik verordnet, um die Muskeln zu lockern und die Beweglichkeit des Patienten zu erhalten. Je nach Einzelfall können auch Wärme- oder Kältetherapien unterstützend eingesetzt werden.

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Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen gegen das Tietze-Syndrom können kaum ergriffen werden, da die Beschwerden oftmals ohne einen bekannten Auslöser ganz spontan auftreten. Beim Auftreten von auf Morbus Tietze hindeutenden Symptomen sollte jedoch möglichst bald ein Arzt aufgesucht werden. Auch hier gilt, wie bei den meisten Erkrankungen, dass die Chance, die Krankheit einzudämmen, um so größer ist, je früher eine geeignete Therapie eingeleitet wird.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Steffen, H.-M. et al.: Internistische Differenzialdiagnostik. Schattauer, Stuttgart 2008

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