Tibialis-posterior-Reflex

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. März 2017
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Der Tibialis-posterior-Reflex ist ein Eigenreflex des Musculus tibialis posterior (hinterer Schienbeinmuskel), der für die Supination, die Hebung des inneren Fußrandes, verantwortlich ist. Der Reflex wird durch einen kleinen Schlag mit dem Reflexhammer direkt oberhalb oder unterhalb des Innenknöchels ausgelöst. Der Reflexbogen wird über den Nervus tibialis gesteuert, einem Hauptast des Ischiasnervs. Der Ausfall des Reflexes kann auf Probleme im Bereich des L5-Wirbels hindeuten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Tibialis-posterior-Reflex?

Der Tibialis-posterior-Reflex ist ein Eigenreflex, der nach Auslösung ein seitliches Abkippen der Fußsohle nach innen bewirkt. Der innere Fußrand wird nach oben gezogen und gleichzeitig bewegt sich der äußere Rand des Fußes nach unten, eine typische Kippbewegung nach innen (Supination), die in überdehnender Form auch beim sogenannten Umknicken des Fußes entsteht.

Da es sich um einen Eigenreflex handelt, der von demselben Organ ausgelöst wird, an dem der Reiz eintrifft, sind die Reaktionszeiten extrem kurz. Die nervliche Verschaltung und Steuerung des Reflexes verläuft nur über ein oder wenige Spinalganglien.

Ausgelöst wird der Tibialis-posterior-Reflex durch einen kleinen Schlag mit dem Reflexhammer auf die Sehne des Musculus tibialis posterior, dem hinteren Schienbeinmuskel, direkt oberhalb oder unterhalb des Innenknöchels. Der Muskel meldet die schlagartige Dehnung über afferente Fasern des Nervus tibialis ins Rückenmark. Der Impuls wird direkt verarbeitet und die reflexartige Kontraktion des Muskels über efferente motorische Fasern des Nervs veranlasst.

Die künstliche Auslösung des Reflexes dient hauptsächlich dem Funktionsnachweis der Nervenübertrittsstellen im Bereich des L5 der Wirbelsäule.

Funktion & Aufgabe

Der Tibialis-posterior-Reflex ist ein Dehnungsreflex, der zu der Gruppe der Eigenreflexe gezählt wird, weil das betroffene Organ – in diesem Fall der Musculus tibialis posterior – die Dehnungsmeldung selbst über afferente Fasern an das Spinalganglion im Rückenmark sendet und postwendend über efferente motorische Fasern die unwillkürliche kurzzeitige Kontraktion des Muskels auslöst. Dehnungsreflexe sind unwillkürliche Muskelreflexe, die willentlich nicht steuerbar sind und - anders als Fremdreflexe - nicht wegtrainiert oder modifiziert werden können.

Da die Verarbeitung der sensorischen Wahrnehmung der Muskeldehnung durch die Muskelspindeln direkt im Spinalganglion im Rückenmark erfolgt und mit dem entsprechenden Kontraktionsbefehl beantwortet wird, ist der Reflex extrem schnell. Die Zeit vom Auslösereiz des Reflexes bis zum ankommenden motorischen Signal zur Muskelkontraktion beträgt nur etwa 30 bis 50 Millisekunden (ms). Eine vorherige Verarbeitung in den motorischen Zentren des zentralen Nervensystems (ZNS) würde deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Der Tibialis-posterior-Reflex ist ein Eigenreflex des Musculus tibialis posterior (hinterer Schienbeinmuskel), der für die Supination, die Hebung des inneren Fußrandes, verantwortlich ist.

Der kurze Reflexbogen vom auslösenden Reiz bis zur Aktion dient dem Schutz des Muskels vor Überdehnung. Allerdings wird die reflexauslösende sensorische Meldung nicht nur an das Spinalganglion gesendet, sondern parallel (kollateral) auch an den antagonistischen Muskel. So wird sichergestellt, dass dieser gehemmt wird und sich nicht gleichzeitig anspannen kann.

Der auslösende Schlag mit dem Reflexhammer auf die Sehne des hinteren Schienbeinmuskels, unmittelbar oberhalb oder unterhalb des Knöchels, führt zu einer nur geringen, dafür aber um so schnelleren Dehnung des gesamten Muskels, so dass praktisch alle Muskelspindeln die schnelle Dehnung des Muskels als sensorische Meldung an das Spinalganglion melden. Das Spinalganglion reagiert sofort und sendet den Kontraktionsbefehl zum Schutz des Muskels, ohne vorherige Rücksprache mit dem ZNS.

Dem Vorteil der schnellen Reaktionszeit steht der Nachteil gegenüber, dass der Reflex willentlich nicht beeinflusst werden kann. Der Tibialis-posterior-Reflex funktioniert auch nach vielen schnellen Wiederholungen. Er nutzt sich, wie auch alle anderen Muskeldehnreflexe, nicht ab. Es handelt sich daher um einen angeborenen, nicht veränderbaren, unbedingten Reflex.

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Krankheiten & Beschwerden

Die häufigsten Probleme und Beschwerden, die im Zusammenhang mit muskulären Eigenreflexen und dem Tibialis-posterior-Reflex auftreten, entstehen durch Beeinträchtigungen der Nervenleitfähigkeit. Dadurch wird nicht nur der Reflex abgeschwächt oder fällt gänzlich aus, sondern es sind auch meist sensorische und motorische Probleme an bestimmten Körperregionen vorhanden. Die künstliche Auslösung des Tibialis-posterior-Reflexes mit dem Reflexhammer kann bei abgeschwächtem oder nicht aktivierbarem Reflex einen Hinweis auf Probleme im Bereich des Lendenwirbels L5 geben. Häufig werden Probleme mit der Nervenleitfähigkeit durch mechanische Kräfte verursacht, die auf die Nerven einwirken.

Prädestiniert für derartige mechanische Nervenschäden sind die Übertrittsstellen der Nerven an der Wirbelsäule im Bereich der Bandscheiben. Ein verminderter Muskelreflex kann dann einen ersten Verdacht auf Vorliegen eines Bandscheibenschadens an einem bestimmten Wirbel liefern.

Im Fall des Tibialis-posterior-Reflexes ist allerdings Vorsicht geboten, da der Reflex auch bei gesunden Menschen z. T. nur schwach ausgeprägt und bei manchen Personen nicht vorhanden ist. Deshalb ist es wichtig, den Reflex an beiden Füßen durchzuführen, um einen Vergleich vornehmen zu können. Grundsätzlich weisen Muskelreflexe mit einseitiger Abschwächung oder Verstärkung meist auf eine Nervenschädigung hin. Nach einem Schlaganfall lässt sich an einem gelähmten Muskel häufig ein verstärkter Muskelreflex feststellen. In seltenen Fällen tritt nach einem Schlaganfall ein Klonus auf. Es handelt sich dabei um ein rhytmisches Zucken des Muskels nach nur einmaligem Reiz. Die Kontraktionen werden offensichtlich durch motorische Nerven ausgelöst, die aus dem ZNS kommen.

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