Tibiakopffraktur

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. September 2017
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Die Knochen sind auf der Grundlage ihrer äußerst bemerkenswerten Struktur extrem belastbar und sogar in einem gewissen Umfang biegsam. Dafür sorgen die eingelagerten organischen und anorganischen Substanzen und die balkenartige Beschaffenheit der Knochen. Dennoch schützen diese Vorteile nicht immer vor einer Tibiakopffraktur bzw. vor einem Schienbeinbruch.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Tibiakopffraktur?

Der medizinische Begriff Tibiakopffraktur setzt sich aus mehreren Wortteilen zusammen. Die Tibia ist das Schienbein, welches sich an der Vorderseite des Unterschenkels befindet. Eine Fraktur bezieht sich hierbei auf einen Knochenbruch.

Der Tibiakopf ist ein spezieller anatomischer Bereich der Tibia, welcher verdickt ist und den Übergang zum Gelenk darstellt. Der Schienbeinkopf wird in der exakten medizinischen Fachsprache auch als Caput tibiae bezeichnet.

Bei einer Schienbeinfraktur liegt daher in der Regel eine Verletzung vor. Die Tibiakopffraktur ist ein recht häufig auftretendes Trauma, welches einer intensiven Behandlung bedarf und unter Umständen Folgeschäden sowie Komplikationen verursachen kann.

Ursachen

Die Ursachen einer Tibiakopffraktur liegen meist in einer Einwirkung mechanischer Kräfte, welche vorrangig plötzlich und unerwartet auftreten. Dies sind hauptsächlich Stürze und das Auftreffen der Beine aus einer großen Höhe auf einem nicht nachgiebigen Untergrund.

Eine Tibiakopffraktur kann zudem durch innere Auslöser verursacht werden. Diese beziehen sich auf eine Vorschädigung der Knochenstruktur durch die Infiltration eines Tumors in die damit verbundene Schwächung der Knochensubstanz sowie auf eine bestehende Osteoporose. Dabei verliert der Knochen seine Stabilität und eine Tibiakopffraktur kann die Folge sein.

Kommt es durch eine permanente Überbelastung, ist eine Tibiakopffraktur ebenfalls nicht ausgeschlossen. Tibiakopffrakturen treten überwiegend als Sport- oder Unfallverletzungen auf oder entstehen auch bei ungesicherten Tätigkeiten im privaten Haushalt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Da eine Tibiakopffraktur in unterschiedlichen Arealen des Unterschenkels auftreten kann, werden auch variierende Symptome wahrgenommen. Der Tibiakopffraktur in allen Schienbeinbereichen ist jedoch gleich, dass enorme schmerzhafte Beschwerden auftreten.

Die Betroffenen bemerken eine Tibiakopffraktur außerdem durch ein Anschwellen des Schienbeins. Ein eigenständiges Aufstehen nach einer Tibiakopffraktur ist nicht realisierbar. Darüber hinaus hat das Schienbein nach einer Tibiakopffraktur seine komplette Belastbarkeit verloren. Der Unterschenkel weist eine abnorme Gestalt an. Blutergüsse und Verdrehungen sowie Formabweichungen stehen für eine Schienbeinfraktur.

Die Diagnostik und Differentialdiagnostik bei einer Tibiakopffraktur beinhalten eine Abtastung und eine Bewegungsprüfung durch den Arzt. Angesagt sind zudem eine Computertomografie oder eine Magnetresonanztomografie sowie eine Röntgenaufnahme. Zum Einsatz kommt bei einem Verdacht auf eine Tibiakopffraktur außerdem eine Doppler-Sonografie.

Komplikationen

Aufgrund einer Fraktur des Schienbeinkopfes können unterschiedliche Komplikationen entstehen. So ist der Bruch häufig mit Beeinträchtigungen von Kreuzband, Innenband oder Außenband im Knie verbunden. Auch der Meniskus wird nicht selten in Mitleidenschaft gezogen, was durch abgesplitterte Knochenteile erfolgt. Noch Jahre nach der Verletzung droht eine Arthrose des Kniegelenks.

Um dieser unangenehmen Folgeerscheinung entgegenzuwirken, findet in der Regel eine operative Behandlung statt. Ebenfalls zu den möglichen Komplikationen der Tibiakopffraktur zählen Verletzungen an der Arteria politea, der Arterie der Kniekehle, was zumeist bei einem Trümmerbruch der Fall ist. Beteiligungen der Nerven treten hingegen nur selten auf.

Möglich ist allerdings eine Schädigung des Nervus fibularis bei einer begleitenden Fibulaköpfchenfraktur. Eine Trümmerfraktur oder eine Impressionsfraktur (Eindrückungsbruch) sind oft auch für eine Kniearthrose verantwortlich. Die Arthose entsteht aufgrund einer ungenauen Gelenkflächenreposition.

Zu den denkbaren Auswirkungen des Schienbeinkopfbruches zählt ferner das Kompartmentsyndrom. Durch die Verletzung schwillt die Muskulatur an. Innerhalb des Unterschenkels lagern sich die Muskeln in mehreren Kompartimenten oder Faszien an. Tritt innerhalb dieser geschlossenen Bereiche eine Schwellung auf, haben die Muskeln keinen Platz mehr für ihre Ausdehnung. Dies hat das Abklemmen der Blutversorgung zur Folge.

Weil das Gewebe nur noch unzureichend durchblutet wird, droht es abzusterben. Nach einer operativen Therapie der Tibiakopffraktur kann es zu Wundheilungsstörungen kommen. Besonders hoch ist dieses Risiko bei einem zu frühen Eingriff. Des Weiteren ist eine Infektion möglich, die die Heilung des Bruches erschwert.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer Tibiakopffraktur umfasst eine konservative Therapie ohne operativen Eingriff oder ein chirurgisches Richten des Bruches. Bei der ersten Variante der Behandlung einer Tibiakopffraktur kommt es zu einer Zurückverlegung der Frakturbereiche in die natürliche Position (Reponieren) und zu einer Stabilisierung durch einen Gipsverband, einen externen Fixateur oder eine feste Schiene.

Um einen Muskelschwund durch eine länger anhaltende Ruhigstellung zu vermeiden, kann nach einer gewissen Zeit eine krankengymnastisches Therapie erfolgen.

Weist die Tibikopffraktur ein kompliziertes Bild auf, wird eine operative Methodik angewandt. Diese beinhaltet das Einführen eines Marknagels und das Einbringen spezieller Halteplatten. Bewährt haben sich bei der operativen Behandlung ebenfalls die Querbolzen oder Verriegelungssysteme. Diese werden dann ausgewählt, wenn es sich um sogenannte Trümmer und Verdrehungsbrüche handelt oder wenn sich die Fraktur in der unmittelbaren Nähe des Gelenks befindet.

Auch bei Spalt- und Kompressionsfrakturen werden jeweils andere Komponenten ausgewählt. Diese Stabilisierungen sind körperverträglich und können über eine längere Zeit am Knochen verbleiben. Bei einer operativen Behandlung einer Tibiakopffraktur muss nicht in jedem Fall eine Vollnarkose gegeben werden.

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Vorbeugung

Um eine Tibiakopffraktur und deren Folgen zu vermeiden, ist es sinnvoll, eine übermäßige Belastung der unteren Extremitäten rechtzeitig zu erkennen, um das Risiko eines Übermüdungsbruchs auszuschalten. Bei allen praktischen Tätigkeiten in großer Höhe sollte immer für eine ausreichende Sicherheit gesorgt werden, um bei Stürzen keine Knochenbrüche zu erleiden. Da sich Tibiakopffrakturen häufig beim Sport ereignen, muss eine entsprechende Erwärmung der Muskulatur vorgenommen werden, um das Bruchrisiko zu reduzieren.

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Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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