Thyreotroper Regelkreis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. März 2017
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Der thyreotrope Regelkreis ist ein Regelkreis zwischen Schilddrüse und Hypophyse. Mithilfe dieses Regelkreises wird die Konzentration von Schilddrüsenhormonen im Blut reguliert.

Inhaltsverzeichnis

Was der thyreotrope Regelkreis?

Der thyreotrope Regelkreis ist auch unter den Synonymen Hypophysen-Schilddrüsen-Regelkreis und Hypophysen-Schilddrüsen-Achse bekannt. Die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) produziert verschiedene Hormone, darunter auch das sogenannte TSH. TSH steht für Thyreotropin bzw. Thyreoidea-stimulierendes Hormon. Die Schilddrüse heißt in der medizinischen Fachsprache auch Thyreoidea. Das Hormon TSH stimuliert also die Schilddrüse zur Produktion von Hormonen. Gleichzeitig kontrolliert die Hypophyse auch den Hormonspiegel im Blut. Sind zu viele Hormone vorhanden, so fährt sie die TSH-Produktion zurück.

Funktion & Aufgabe

TSH ist ein Hormon, welches in den sogenannten thyreotropen Zellen des Hypophysenvorderlappens produziert wird. Es regt zum einen die Schilddrüse zum Wachstum an und zum anderen fördert es die Iodaufnahme in der Schulddrüse. Beide Mechanismen wirken sich positiv auf die Hormonbildung innerhalb der Schilddrüse aus.

Die Schilddrüse produziert zwei Hormone. Die Hormone Triiodthyronin (T3) und Thyroxin bzw. Tetraiodthyronin (T4) sind Iodverbindungen. Im Blut kursiert etwa dreimal so viel Thyroxin wie Triiodthyrinin. T4 ist gewissermaßen die Vorstufe des Triiodthyronins. T3 ist hingegen das wirksamere der beiden Hormone. Im Gegensatz zu T4 kann es aber nur 11 bis 19 Stunden im Blut verbleiben. Danach wird es vom Körper abgebaut. Die Schilddrüsenhormone übernehmen zahlreiche wichtige Aufgaben im Stoffwechsel. Sie sind beispielsweise an der Regulierung des Wärmehaushalts beteiligt oder fördern das Wachstum.

Die Produktion von T3 und T4 ist abhängig vom TSH. Die Hypophyse schüttet TSH aus. Dadurch wird die Schilddrüse stimuliert, mehr Schilddrüsenhormone zu produzieren. Umgekehrt können die Schilddrüsenhormone die Ausschüttung von TSH hemmen. Man spricht hier von einer negativen Rückkopplung.

Der thyreotrope Regelkreis ist ein Regelkreis zwischen Schilddrüse (Abbildung) und Hypophyse.

Die Schilddrüsenhormone binden sich an Rezeptoren auf den Thyreotropinzellen der Hypophyse. Dadurch wird die Synthese von TSH blockiert. Somit wird die Schilddrüse nicht mehr zur Produktion von weiteren Schilddrüsenhormonen angeregt.

Die TSH-Produktion wird zudem nicht nur durch diese negative Rückkopplungsschleife reguliert. Die Hypophyse ist dem Hypothalamus unterstellt. Dieser gibt den Sollwert von T3 und T4 im Blut vor. Zur Kontrolle misst er die tatsächlich vorhandene Konzentration. Sind zu wenig Schilddrüsenhormone im Blut vorhanden produziert er das Thyreotropin Releasing Hormon (TRH) und das Hormon Somatostatin. Je mehr dieser Hormone er ausschüttet, desto mehr TSH schüttet die Hypophyse aus. Folglich werden auch umso mehr Schilddrüsenhormone ins Blut abgegeben.

Neben diesem Hauptregelkreis gibt es zur Regulierung der Schilddrüsenhormone noch weitere Rückkopplungsmechanismen, etwa den Ultrashort-Feedback-Mechanismus des TSH, der die eigene Ausschüttung dessen kontrolliert. Zudem existiert ein Long-Feedback von T3 und T4 auf die Freisetzung des Thyreotroping Releasing Hormons.

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Krankheiten & Beschwerden

Eine normale Schilddrüsenfunktion wird als Euthyreose bezeichnet. Bei Störungen des thyreotropen Regelkreises kann es zu Schilddrüsenunterfunktionen oder Schilddrüsenüberfunktionen kommen.

Eine Hypothyreose (Unterfunktion) ist eine mangelnde Versorgung des Körpers mit T3 und T4. Bei einer primären Hypothyreose liegt die Ursache in der Schilddrüse selbst. Aufgrund von Jodmangel oder durch Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis ist die Schilddrüse nicht mehr in der Lage, ausreichend Schilddrüsenhormone zu produzieren.

Die Ursache liegt hier also nicht in einem gestörten Regelkreis. Der Regelkreis ist dennoch infolge der Erkrankung betroffen. Da nicht ausreichend Schilddrüsenhormone den Weg ins Blut finden, sind die TSH-Werte bei der primären Hypothyreose erhöht. Die Werte von T3 und T4 sind hingegen zu niedrig. Ursache der sekundären Hypothyreose ist ein Mangel an TSH. Hier sind also sowohl der TSH-Wert als auch die Werte für T3 und T4 erniedrigt. Ähnlich ist es bei der tertiären Hypothyreose. Diese entsteht durch einen Mangel an TRH. Bei diesem Erkrankungsbild sind TRH, TSH sowie T3 und T4 erniedrigt.

Die Hypothyreose äußert sich durch allgemeine Schwäche, Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Verstopfung. Die Betroffenen frieren leicht und können unter depressiver Stimmung und Konzentrationsschwäche leiden. Die Haut ist trocken und rau, die Sprache eher langsam. Bei Frauen kann es zu Zyklusstörungen, bei Männern zu Erektionsstörungen kommen. Bei Kindern kommt es zu Entwicklungsverzögerungen. Typisch für die Erkrankung sind Myxödeme. Dabei handelt es sich um eine teigige Verdickung der Haut aufgrund von Wassereinlagerungen.

Eine Hyperthyreose ist eine pathologische Überfunktion der Schilddrüse. Bei der primären Hyperthyreose findet sich die Ursache der Erkrankung in der Schilddrüse selbst. Ein Beispiel für eine primäre Hyperthyreose ist die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow. Beim Morbus Basedow produziert der Körper Antikörper (TRAK), die sich an die TSH-Rezeptoren der Schilddrüse binden. Infolge dessen produziert die Schilddrüse vollkommen unabhängig vom Regelkreis Hormone. T3 und T4 sind somit vermehrt im Blut zu finden, der TSH-Wert ist hingegen stark erniedrigt. Ursache der eher seltenen sekundären Hyperthyreose ist ioft ein TSH-produzierender Tumor der Schilddrüse. Es wird unkontrolliert TSH produziert, folglich kommt es zu einer vermehrten Produktion von T3 und T4.

Tertiäre Hyperthyreose, also Hyperthyreosen die durch eine Überproduktion von TRH hervorgerufen werden, wurden bisher nicht beobachtet. Denkbar wäre aber eine TRH-Überproduktion im Hypothalamus oder ein Tumor, der TRH bildet.

Typische Symptome einer Hyperthyreose sind Bluthochdruck, eine veränderte Herztätigkeit, Gewichtsverlust trotz Heißhunger, Haarausfall oder Zyklusstörungen. Die Betroffenen leiden zudem unter Wärmeintoleranz und Durchfällen.

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