Thymom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Thymom

Ein Thymom ist ein seltener Tumor des Mediastinums, der vom Thymus ausgeht und in den meisten Fällen benign ist. Männer und Frauen sind gleichermaßen häufig von einem Thymom betroffen. Der Tumor ist in der Regel gut therapierbar, wobei ein Thymom meistens im Rahmen einer Resektion chirurgisch entfernt wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Thymom?

Als Thymom wird eine seltene Tumorerkrankung des Thymus bezeichnet, die in den meisten Fällen (zu etwa 75 Prozent) als benign (gutartig) einzustufen ist. Der Thymus befindet sich in Herznähe, im vorderen Bereich des Mediastinums und ist als primäres Organ des lymphatischen Systems bedeutend für die Entwicklung und Differenzierung bestimmter T-Lymphozyten im Kindesalter.

Die für ein Thymom charakteristischen Symptome wie Husten, Druckgefühl, Dysphagie (Schluckbeschwerden), Funktionsstörungen des Herzens, Heiserkeit oder Atemnot manifestieren sich meistens erst im späteren Erkrankungsstadium, wenn das Thymom durch seine Größe Nachbarstrukturen, insbesondere Speise- und Luftröhre, einengt und schädigt.

Ursachen

Die Ursachen eines malignen (bösartigen) Thymoms bzw. Thymuskarzinome konnten bislang nicht geklärt werden. Sicher ist nur, dass der Tumor aus einer entarteten Zelle entsteht, die sich vermehrt und die umliegenden Strukturen durch ihr Wachstum schädigt.

Als Auslöser für diesen Entartungsprozess werden neben genetischen Faktoren auch bestimmte Umweltfaktoren wie Schad- und Giftstoffe sowie Bestrahlungen diskutiert. Dagegen werden benigne Thymome in vielen Fällen mit bestimmten Erkrankungen assoziiert. So tritt in etwa 20 bis 40 Prozent der Fälle eine Myasthenia gravis (autoimmune Erkrankung) zusammen mit einem Thymom auf, wobei der genaue Zusammenhang zwischen diesen Erkrankungen nicht geklärt ist.

Vermutet wird, dass die fehlregulierten Antikörper, die bei einer Myasthenia gravis körpereigene Muskelzellen angreifen, vom Thymus stammen könnten. Daneben werden Blutarmut (Pur Red Cell Aplasie), Hypogammaglobulinämie (Mangel an Antikörpern), Polymyositis (Entzündung der Skelettmuskulatur), Thyreoiditis (Entzündung der Schilddrüse) sowie Sjögren-Syndrom (Autoimmunerkrankung) mit einem benignen Thymom assoziiert.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose eines Thymoms erfolgt anhand der charakteristischen Symptome im Rahmen einer Anamnese und körperlichen Untersuchung. Abgesichert wird die Diagnose durch bildgebende Verfahren wie eine Röntgenuntersuchung, ein MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie).

Durch bildgebende Verfahren können darüber hinaus Aussagen über Lokalisierung, Größe, Stadium sowie Beeinträchtigung der umliegenden Gewebestrukturen getroffen werden. Eine Biopsie mit anschließender histologischer (feingeweblicher) Analyse, die der Differenzierung zwischen malignem oder benignem Thymom dient, wird in der Regel erst im Rahmen einer chirurgischen Tumorresektion (Entfernung des Tumors) durchgeführt, da der Thymus ungünstig und schwer zugänglich liegt.

In der Regel sind Verlauf und Prognose sowohl bei einem benignen als auch malignen Thymom in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Diagnose und Stadium der Tumorerkrankung gut und etwa 90 Prozent der Betroffenen sind fünf Jahre nach Diagnosestellung noch am Leben.

Komplikationen

Tumorerkrankungen des Thymus sind in etwa drei Viertel aller Fälle gutartig. Bei zeitnaher Behandlung sind in der Regel keine Komplikationen zu erwarten. Allerdings ist ein Wiederauftreten nicht ausgeschlossen. Da es sich bei Thymomen um langsam wachsende Tumore handelt, kann es nach einer erfolgreich scheinenden Behandlung bis zu zehn Jahre dauern, bis der Tumor zurückkehrt. Die Patienten müssen deshalb über lange Zeiträume regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen.

Wird der Tumor nicht rechtzeitig behandelt, nehmen die typischen Symptome wie Atemnot, Brustschmerzen und Herzbeschwerden häufig sehr schwere Formen an und beeinträchtigen die Lebensqualität des Patienten beträchtlich. Wird der Tumor zu spät entdeckt, ist es außerdem nicht selten erforderlich, dass dessen Größe mittels einer Chemotherapie reduziert wird, bevor ein operativer Eingriff erfolgen kann.

Die Chemotherapie geht häufig mit einer Reihe sehr unangenehmer Nebenwirkungen, insbesondere Übelkeit, Erbrechen und dem Verlust der Kopfhaare einher. Eine Bestrahlung kann in Einzelfällen Herz oder Lunge schädigen. Des Weiteren können Komplikationen auftreten, wenn der Tumor in umgebende Organe einwächst oder sich Metastasen bilden.

Letzteres ist besonders bei den eher seltenen bösartigen Thymomen gefährlich. In diesen Fällen wird fast immer eine Chemo- oder Strahlentherapie erforderlich. Todesfälle sind selten, aber nicht völlig auszuschließen.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen hängen bei einem Thymom vom Stadium der Erkrankung ab. Liegt ein kleines, auf den Thymus begrenztes Thymom vor, wird der Tumor mit den umliegenden auffälligen Lymphknoten sowie das angrenzende Binde- und Fettgewebe chirurgisch entfernt (Resektion).

In den fortgeschritteneren Stadien eines Thymoms werden zur Vermeidung von Rezidiven (Wiederauftreten des Tumors) zusätzlich strahlentherapeutische Maßnahmen angewandt. In einigen Fällen wie bei vorliegender Metastasierung (9 Prozent der Fälle) oder sehr schlechtem Allgemeinzustand des Betroffenen kommen darüber hinaus chemotherapeutische Maßnahmen zum Einsatz.

Auch bei großen Thymomen kann der Tumor zuerst im Rahmen einer Chemotherapie verkleinert werden, bevor er operativ entfernt wird. Bei Betroffenen, bei denen eine Resektion ausgeschlossen ist und chemo- und/oder strahlentherapeutischen Maßnahmen erfolglos geblieben sind, ist in manchen Fällen eine Kombinationstherapie mit einem Somatostatin-Analogon (synthetisiertes Wachstumshormon), das in die Tumorentwicklung eingreift und dessen Wachstum verzögert, und Cortison angezeigt.

Dieser Therapieansatz wird allerdings noch im Rahmen klinischer Tests erforscht. Regelmäßige Nachsorge- und Kontrolluntersuchungen mit Hilfe bildgebender Verfahren sowie Blutuntersuchungen zur frühzeitigen Feststellung und Behandlung von Rezidiven sind wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Thymom-Therapie, da Thymome eine hohe Lokalrezidivrate besitzen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Da die Ursachen für ein Thymom nicht geklärt sind, existieren bislang keine vorbeugenden Maßnahmen. Betroffene von Erkrankungen, mit denen ein Thymom assoziiert wird (v.a. Myasthenia gravis), sollten sich frühzeitig auf ein zugrunde liegendes Thymom kontrollieren lassen.

Bücher über Tumor- & Krebserkrankungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: