Thrombozytopathie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 27. Oktober 2016
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Thrombozyten - auch Blutplättchen genannt- übernehmen im menschlichen Körper eine wichtige Aufgabe. Sie regeln die Blutgerinnung und sorgen dafür, dass Wunden nicht fortwährend bluten und somit kein Blutverlust entsteht. Es gibt unterschiedliche Krankheiten, die Einfluss auf die Eigenschaften oder die Anzahl der Thrombozyten haben. Diese werden unter dem Begriff Thrombozytopathie zusammengefasst.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Thrombozytopathie?

Unter Thrombozytopathie verstehen Wissenschaftler alle Krankheitsbilder, die eine Funktionsstörung der Blutplättchen hervorrufen. Das bedeutet, die Thrombozyten können ihre normale Funktion - die Hilfe bei der Gerinnung von Blut - nicht wie gewohnt ausüben. Die führt dazu, dass Blutungen nicht mehr so schnell gestoppt werden, sondern länger andauern. Zudem treten gehäuft Blutungen auf.

Die Anzahl der Thrombozyten bleibt dabei unverändert. Es gibt zwei Formen der Thrombozytopathie: die vererbte und die erworbene Form. Bei den meisten diagnostizierten Thrombozytopathien handelt es sich um die erworbene Form.

Erblich bedingte Thrombozytopathien sind auf verschiedene Syndrome zurückzuführen. Bekannt sind unter anderem das Bernard-Soulier-Syndrom oder Willebrand-Jürgens-Syndrom. Eine weitere seltene Erkrankung ist die Glanzmann Thrombastenie. Allen Krankheitsbildern ist gemein, dass sie einen Gendefekt zur Folge haben, der die Thrombozyten daran hindert, ihrer natürlichen Funktion nachzugehen.

Ursachen

Die Ursachen für eine erworbene Thrombozytopathie sind vielseitig. Sie treten beispielsweise auf, wenn das Immunsystem durch einen Infekt geschwächt ist. Bei Beeinträchtigung der Nieren, zum Beispiel bei einer Niereninsuffizienz, kann die Funktionsstörung der Blutplättchen eine Begleiterkrankung sein. Auch Lebererkrankungen können zu einem derartigen Krankheitsbild führen. Zudem sind Patienten, die an Leukämie leiden, manchmal von einer Thrombozytopathie betroffen.

Sehr häufig tritt die Funktionsstörung in Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten auf. Vor allem Schmerzmittel (zum Beispiel Aspirin) und entzündungshemmende Arzneimittel wie Diclofenac sind hier zu nennen. Bestimmte Antibiotika, wie Penicillin, sind ebenfalls als Ursache identifiziert worden. Der Einfluss durch Medikamente ist erheblich. Dies müssen Ärzte bei anstehenden Operationen berücksichtigen.

Denn hier kann eine schlecht funktionierende Blutgerinnung fatale Folgen haben. Daher sind derartige Substanzen vor dem geplanten Eingriff in einem ausreichenden Zeitraum vorher abzusetzen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Krankheitsbild der Thrombozytopathie weist verschiedene Symptome auf. Sehr häufig leiden Patienten unter vermehrtem Nasenbluten. Auch Zahnfleischbluten ist ein typisches Merkmal. Innere Blutungen, zum Beispiel des Magen-Darm-Trakts, die sich als Blut im Stuhl zeigen, können ebenfalls ein Indiz sein. Personen, die an Ihrem Körper überdurchschnittlich viele Hämatom (blaue Flecken) entdecken, sollten ebenso einen Arzt aufsuchen.

Bei Frauen macht sich eine Thrombozytopathie durch eine ungewöhnlich lang andauernde Regelblutung bemerkbar. Nach kleineren operativen Eingriffen oder dem Ziehen eines Zahns, kann ein längeres Nachbluten ein Anzeichen für die Gerinnungsstörung sein.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Treten eine oder mehrere der zuvor beschriebenen Symptome auf, ist ein Arzt zu konsultieren. Bei der Diagnosestellung sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Zunächst findet eine allgemeine Befragung des Patienten statt. Hier interessieren den Arzt aufgetretene Blutungsereignisse sowie entsprechende Vorkommnisse bei Verwandten. Nach dieser Anamnese stellt der Arzt Fragen zu einem möglichen Medikamentenkonsum, da dies, wie bereits beschrieben, die Hauptursache für eine Thrombozytopathie darstellt.

Wir der Verdacht einer Erkrankung bestärkt, ermittelt der Arzt die Gerinnungszeit durch einen sogenannten Suchtest. Hier bestimmt er nach einem leichten Schnitt die Zeitspanne bis zur Gerinnung. Eine abschließende Laboruntersuchung liefert die letzte Bestätigung für eine gesicherte Diagnose.

Therapie & Behandlung

Um eine Thrombozytopathie behandeln zu können, ist in erster Linie die Ursache zu identifizieren. Ist die Krankheit durch die Einnahme von Medikamenten bedingt, erfolgt - wenn möglich - ein Absetzen derer. Um die ursächliche Erkrankung weiter zu therapieren, wird der Arzt ein alternatives Arzneimittel verschreiben. Soll aktiv gegen die Gerinnungsstörung vorgegangen werden, bietet sich die Verabreichung von sogenannten DDAVP(1-Desamino-8-D-Arginin-Vasopressin)-Substanzen an.

Diese helfen, die natürliche Funktion der Blutplättchen wiederherzustellen. Als Darreichungsform sind ein Nasenspray oder eine Infusion üblich. Ob die Behandlung mit der Substanz erfolgreich war, stellt der Arzt durch Testanwendungen fest. Im Notfall erhalten betroffene Patienten eine Transfusion. Dies kann im Rahmen einer Operation notwendig sein, wenn eine bestehende Thrombozytopathie vorher nicht diagnostiziert wurde.

Dabei werden von einem gesunden Spender Thrombozyten in den Blutkreislauf der kranken Person gebracht. Ein Risiko ist hierbei, dass der Empfänger die Transfusion nicht verträgt und es zur Abstoßung der verabreichten Blutplättchen kommt.




Vorbeugung

Ist eine Blutgerinnungsstörung vor einem anstehenden Eingriff hinreichend bekannt, sind vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Neben dem beschriebenen Absetzen der verursachenden Präparate kann der behandelnde Arzt das Hormon Desmopressin verabreichen. Dies bewirkt, dass sich die Thrombozyten besser an der verletzten Stelle anheften und somit die den Gerinnungsprozess wieder beschleunigen. Je nachdem, um welche Art von Eingriff es sich handelt, hat der Arzt die Wahl zwischen der Verabreichung als Nasenspray (zum Beispiel im Falle einer Zahnentfernung) oder über die Vene (bei Operationen).

Kinder und Jugendliche, die an der angeborenen Variante der Thrombozytopathie erkrankt sind, erhalten ebenfalls zahlreiche vorbeugende Maßnahmen, um eine Verschlechterung des Zustands zu vermeiden. Hierzu zählen die regelmäßige Gabe von Thrombozyt-Konzentraten, die die Funktion der beeinträchtigen Blutplättchen übernehmen. Zudem bekommen betroffene Kinder spezielle Medikamente, die zu einer vermehrten Bildung von Gerinnungsfaktoren führen.

Mädchen, die unter der Krankheit leiden, nehmen während der Regelblutung unterstützende Hormone. Da Lebererkrankungen eine Ursache für die Gerinnungsstörung sind, ist eine Impfung gegen Hepatitis A und Hepatitis B ratsam.

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