Thanatophore Dysplasie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. Oktober 2017
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Die thanatophore Dysplasie ist eine Entwicklungs- und Wachstumsstörung, die tödlich verläuft. Sie gehört mit einer Prävalenz von 1:50000 zu den seltenen Erkrankungen. Unterschieden werden zwei Typen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine thanatophore Dysplasie?

Die thanatophore Dysplasie ist eine Erkrankung, die durch ein gestörtes Knorpel- und Knochenwachstum gekennzeichnet ist. Somit handelt es sich bei der Krankheit um eine Osteochondrodysplasie. Pro 20000 bis 50000 Geburten tritt ein Fall von thanatophorer Dysplasie auf. Die Erkrankung ist allerdings von der Platyspondolytischen Dysplasie Typ Torrance abzugrenzen.

Die Symptome sind zwar ähnlich, bei der Platyspondylitischen Dysplasie Typ Torrance handelt es sich aber um eine Skelettdysplasie mit einer typischen Platyspondylie. Kinder, die mit einer thanatophoren Dysplasie geboren werden, sind kleiner als normal. Die Knochen sind gebogen oder verkürzt und das Gehirn kann Fehlbildungen aufweisen. Schon in der Schwangerschaft werden die Wachstumsstörungen in den Vorsorgeuntersuchungen sichtbar.

Eine Heilung der Erkrankung ist bisher nicht möglich. Die meisten Kinder sterben in dem Zeitraum zwischen der 22. Schwangerschaftswoche und dem 7. Tag nach der Geburt. Dieser Zeitraum wird auch als Perinatalperiode bezeichnet. Es gibt aber auch Berichte über Langzeitüberlebende, die bis zu neun Jahre alt wurden.

Ursachen

Die thanatophore Dysplasie ist eine Erbkrankheit, die einem autosomal-dominanten Vererbungsmuster folgt. Bei der autosomal-dominanten Vererbung liegt das spezifische Allel auf einem der 22 Autosomen. Ein Partner-Allel ist ausreichend, damit sich die genetische Information im Phänotyp zeigt. Das bedeutet, dass es reicht, wenn ein Elternteil das defekte Allel weitervererbt. Die Mutation liegt im Bereich FGFR3 auf dem Chromosom 4 im Abschnitt p15.3.

Der Bereich FGFR3 ist der Rezeptor 3 des sogenannten Fibroblasten-Wachstumsfaktors. Infolge der Mutation ist das Knochenwachstum der betroffenen Kinder gestört. Die Knorpelzellen erhalten wachstumshemmende Signale. Bereits während der Schwangerschaft kommt es durch Störungen in der Bildung des Knochengewebes beim ungeborenen Kind zu Fehlbildungen des Knochengerüsts. Es entstehen die charakteristischen körperlichen Auffälligkeiten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Kinder mit thanatophorer Dysplasie sind kleiner als gesunde Kinder. Im Vergleich zum Körper erscheint der Kopf sehr groß. Dies liegt jedoch daran, dass der Körper zu klein ist. Die vermeintliche Übergröße des Kopfes wird deshalb auch als Pseudo-Makrozephalie bezeichnet. Bei Kindern mit dem Erkrankungstyp I weist der Kopf eine deutliche Kleeblattform auf.

Das bedeutet, dass der Schädel an beiden Seiten im Bereich der Schläfe und auf der Oberseite stark vorgewölbt ist. Dadurch werden die Ohren in Richtung der Schultern verlagert. Durch die Flachheit der Augenhöhle bildet sich ein Exophthalmus aus. Dadurch wird der Lidschluss möglicherweise beeinträchtigt oder verhindert, sodass es zu Ulzerationen auf der Hornhaut kommen kann.

Bei thanatophorer Dysplasie vom Typ II findet sich diese Fehlbildung seltener. Die meisten Kinder mit thanatophorer Dysplasie haben eine vorgewölbte Stirn und eine eingesunkene Nasenwurzel. Der Thorax (Brustkorb) ist nicht richtig ausgebildet und deshalb sehr schmal und eng. Die Rippenknochen sind zu kurz. Die langen Röhrenknochen des Körpers sind ebenfalls verkürzt und zudem verbogen.

Dies führt zu einer Mikromelie. Als Mikromelie wird eine angeborene Verkürzung von Extremitäten bezeichnet. Beim Typ II ist der Oberschenkelknochen frei von Biegungen. Dafür sind die Hände im Vergleich zu kurz. Die erblich bedingte Fehlbildung der Finger wird Kurzfingrigkeit oder Brachydaktylie genannt. Je nach Schweregrad können Fehlbildungen des Gehirns in unterschiedliche Ausprägung auftreten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die ersten Auffälligkeiten zeigen sich bei den betroffenen Kindern bereits in den Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft. Es können Wachstumsstörungen diagnostiziert werden, eventuell wird im Ultraschall ein Kleeblattschädel sichtbar. Der Nacken zeigt im Ultraschallbild zudem eine ausgeprägte Transparenz.

Die Nackentransparenz wird durch eine Flüssigkeitsansammlung unter der Haut im Nackenbereich des Babys hervorgerufen. Häufig findet sich auch ein Polyhydramnion. Bei einer Polyhydramnie liegt überdurchschnittlich viel Fruchtwasser vor. Den Schwangeren fällt meistens auf, dass sich das Kind kaum bewegt. Die erste Verdachtsdiagnose wird in der Regel schon durch die Ultraschallbilder gestellt.

Im Rahmen der Amniozentese wird die Fruchtblase punktiert. Anschließend werden zur Sicherung der Diagnose die fetalen Zellen untersucht. Bei einer thanatophoren Dysplasie finden sich die Mutationen im FGFR3-Gen auf dem vierten Chromosom. Beim Typ I sind die transmembranären Rezeptorproteine betroffen, die den Fibroblasten-Wachstumsfaktor binden. Beim Typ II sind die Domänen der Tyrosinkinase betroffen.

Komplikationen

Eine thanatophore Dysplasie endet stets tödlich. Sehr oft kommt es bereits während der Schwangerschaft zu Wachstumsstörungen und der Ausbildung eines Kleeblattschädels beim Embryo. Letzterer stirbt nicht selten schon im Mutterleib ab. Im Fall einer Lebendgeburt entwickeln die Betroffenen aufgrund des deformierten Brustkorbs fast immer eine respiratorische Insuffizienz, die mit akuter Atemnot einhergeht und oft bereits während der ersten vierzehn Tage zum Tod führt.

Die wenigsten Kinder erreichen das erste Lebensjahr, ein höheres Lebensalter als zehn Jahre wurde bei einem Patienten mit thanatophorer Dysplasie bisher nicht dokumentiert. Aufgrund der enormen emotionalen Belastung benötigen die Eltern und andere Familienangehörige nicht selten psychotherapeutische Betreuung, um das Trauma zu verarbeiten.

Therapie & Behandlung

Eine Heilung der Erkrankung ist nicht möglich. Normalerweise versterben die Kinder schon im Mutterleib oder spätestens eine Woche nach der Geburt. Es gibt nur sehr wenige Langzeitüberlebende. Der älteste Patient mit thanatophorer Dysplasie wurde zehn Jahre alt. Die Lunge der kleinen Patienten kann sich aufgrund des zu schmalen und engen Brustkorbs nicht richtig entwickeln und entfalten, sodass die Kinder eine respiratorische Insuffizienz entwickeln.

Die Ventilation der Lunge ist stark eingeschränkt. Die Kinder leiden unter Luftnot und sterben in der Regel durch ein Versagen der Atemtätigkeit. Dieses Versagen wird durch eine Schädigung des Atemzentrums noch unterstützt. Aufgrund des zu kleinen Durchmessers des Hinterhauptlochs wird der Hirnstamm mit dem Atemzentrum komprimiert.

Dieser Vorgang kann nicht aufgehalten werden, sodass allenfalls eine symptomatische Therapie erfolgt. Die Eltern verbleiben mit ihrem Neugeborenen im Krankenhaus und erhalten seelsorgerische Unterstützung. Eventuell werden dem Kind schmerzlindernde und beruhigende Medikamente verabreicht.

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Vorbeugung

Die thanatophore Dysplasie ist eine Erbkrankheit. Derzeit ist keine wirkungsvolle Prävention der Erkrankung möglich.

Bücher über Erbkrankheiten

Quellen

  • Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik. Thieme, Stuttgart 2011
  • Niethardt, F.U.: Kinderorthopädie. Thieme, Stuttgart 2009
  • Sohn, C. et al.: Ultraschall in Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2012

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