Tetanie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Oktober 2017
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Bei einer Tetanie kommt es zu einer Übererregbarkeit der Muskeln und Nerven. Das kann sich in krampfartigen Störungen der Motorik bis hin zum sehr schmerzhaften Muskelkrampf hin äußern, in leichteren Fällen aber auch nur durch ein Kribbeln zeigen. Meistens sind von der Tetanie entweder das Gesicht, und zwar hier der Nervus facialis, oder aber die Arme und Beine betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Tetanie?

Unter einer Tetanie versteht man die Übererregbarkeit von Nerven und Muskeln, was sich vom leichten Kribbeln über Störungen der Motorik bis hin zu sehr schmerzhaften Muskelkrämpfen zeigen kann. Meistens sind Arme, Beine oder Gesicht von der Tetanie betroffen. Als Ursachen kommen sowohl die hypokalzämische Tetanie als auch die normokalzämische Tetanie in Frage.

In beiden Fällen sinkt, allerdings aus unterschiedlichen Gründen, der Serumkalziumspiegel im Blut ab. Als Symptom kommt es dann zum tetanischen Anfall, meistens im Gesicht, den Armen oder Beinen, in seltenen Fällen aber auch in der Harnblase, dem Darm oder der Atemmuskulatur. Bei der Diagnose der Tetanie ist es wichtig, die genaue Ursache zu finden, denn nur so kann die Tetanie, die nur ein Symptom darstellt, auch richtig behandelt werden.

Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen, die eine Tetanie hervorrufen. Eine der Ursachen ist die hypokalzämische Tetanie. In diesem Fall ist der Serumkalziumspiegel erniedrigt. Gründe dafür können Vitamin-D-Mangel, Nierenschwäche, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, aber auch eine Nahrungsmittelunverträglichkeit gegen Gluten oder aber eine Kalziumresorptionsstörung sein.

Deshalb verändert sich die elektrische Leitfähigkeit der Nerven-Muskelübertragung und es kommt so zu einer erhöhten Erregbarkeit der Muskelzellen. Eine andere Ursache ist die normokalzämische Tetanie. In diesem Fall wird zu viel Kalzium gebunden, so dass deshalb das freie Serumkalzium sinkt. Gründe für die Form der Tetanie können Magnesiummangel, aber auch Hyperventilation oder ein Schädelhirntrauma sowie starkes Erbrechen sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Als Symptom für eine Tetanie kann der tetanische Anfall angesehen werden. Dieser Anfall beginnt häufig mit einem Kribbeln der entsprechenden Körperregion. Auch psychische Symptome wie Reizbarkeit, Unruhe oder sogar Angst können hinzukommen. Meistens kommt es dann zu den typischen Muskelkrämpfen im Gesicht, den Armen oder Beinen.

Im Gesicht kann dabei die sogenannte Fischmaulstellung auftreten. Sind die Arme betroffen, werden oft die Hände zur Pfötchenstellung verkrampft. Tritt der Muskelkrampf in den Beinen auf, ist die Spitzfußstellung ein typisches Zeichen für eine Tetanie. Eher selten können auch Harnblase, Darm oder die Atemmuskulatur betroffen sein.

Harndrang, Durchfall und Atemnot sind dann meistens die Folge. Die meisten tetanischen Anfälle dauern nur Minuten. Es kann aber vorkommen, dass solche Anfälle zuweilen bis zu mehreren Stunden andauern können. In solchen Fällen hilft meistens eine Kalziumspritze von einem Arzt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Tetanie an sich ist nur ein Symptom. Bei der Diagnose kommt es dann darauf an, die genaue Ursache dafür herauszufinden. Häufig hilft bereits eine Blutuntersuchung. Hier wird die Konzentration der Elektrolyte sowie Kalzium an sich, aber auch von Vitamin D und Parathormon ermittelt. Es kann weiterhin Sinn machen, die Nierenwerte zu bestimmen, um Nierenerkrankungen zu finden.

Möglicherweise muss untersucht werden, ob eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder eine Unterfunktion der Nebenschilddrüse vorliegen. Auch kann es Sinn machen, den Patienten dahingehend zu untersuchen, ob eine Glutenunverträglichkeit vorliegt. Ob die Tetanie durch Hyperventilation hervorgerufen wurde, lässt sich durch eine Untersuchung der Blutgase ermitteln.

Komplikationen

Bleibt die Tetanie unbehandelt, können schwerwiegende Komplikationen auftreten. In Folge der Erkrankung wird zunächst die Niere geschädigt. Im schlimmsten Fall kann es zum Versagen des Organs oder einer Dysfunktion kommen. Letzteres ist mit Beschwerden Harnwegsinfekten, Schmerzen und Sepsis verbunden. Auch andere Organe werden im Verlauf eines tetanischen Anfalls geschädigt – es kommt etwa zu Beschwerden an Leber, Galle und Hirn.

Im Falle des Hirns kann die Erkrankung dauerhafte Schäden verursachen und damit einhergehend auch zu neurologischen und geistigen Ausfällen führen. Im weiteren Verlauf kann die Tetanie Lähmungen hervorrufen, verbunden meist mit psychischen Beschwerden wie Angststörungen oder Depressionen. In letzter Konsequenz führt die Übererregbarkeit der Muskeln schließlich zur Bewusstlosigkeit und zum Tod des Patienten.

In weniger schweren Fällen treten Komplikationen wie Harndrang und Inkontinenz sowie Atembeschwerden auf. Begleitend dazu kann es zu Dehydration und Mangelerscheinungen kommen, die unbehandelt ebenfalls zu neurologischen Ausfällen und anderweitigen Beschwerden führen können. Bei der Behandlung der Tetanie gehen die Risiken hauptsächlich von der fehlerhaften Anwendung von Medikamenten aus. So können Entwässerungs- und Abführmittel die Beschwerden noch verstärken.

Behandlung & Therapie

Generell ist es bei einer Tetanie wichtig, die Grunderkrankung herauszufinden und entsprechend zu behandeln. Falls der tetanische Anfall durch Hyperventilation hervorgerufen wird, ist es hilfreich, die Patienten in eine Plastiktüte atmen zu lassen, denn so gelangt zu viel abgeatmetes Kohlendioxid in den Blutkreislauf zurück. Bei schlimmen tetanischen Krampfanfällen, die zuweilen Stunden dauern können, ist eine Kalziumspritze hilfreich.

Es ist weiterhin wichtig zu wissen, dass es bei der Behandlung auch nicht zu einer Überdosierung mit Kalzium kommen sollte. Sollten Kalzium- oder Magnesiummangel durch eine falsche Ernährung bedingt sein, hilft eine Ernährungsberatung. Auch die fehlerhafte Anwendung von Medikamenten wie Entwässerungs- oder Abführmitteln kann zu Störungen der Elektrolytwerte und somit zur Tetanie führen. Auch hier ist eine gründliche Aufklärung durch den behandelnden Arzt erforderlich.

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Vorbeugung

In den Fällen, in denen die Tetanie nicht durch eine schwere Grunderkrankung ausgelöst wird, die dann in jedem Fall behandelt werden muss, können tetanische Anfälle durch Störungen des Elektrolythaushalts oft durch eine insgesamt gesunde Lebensweise und Ernährung vermieden werden. Vitamin D wird in erster Linie dadurch gebildet, dass sich der Mensch ausreichend lange bei Tageslicht draußen aufhält.

Besonders in der dunklen Jahreszeit ist es deshalb wichtig, für Spaziergänge oder Sport in der freien Natur die Stunden zu nutzen, in denen genug Tageslicht vorhanden ist. Die Nahrung sollte sowohl genug Kalzium als auch Magnesium enthalten. Wer sich vollwertig ernährt, wird normalerweise bei der Ernährung keinen Kalzium- oder Magnesiummangel bekommen.

Zu viel Alkohol wirkt entwässernd und kann ebenfalls zu viele Elektrolyte aus dem Körper ziehen. Das gleiche gilt für Entwässerungs- und Abführmittel. Deshalb ist es wichtig, vorsichtig mit zu viel Alkohol sowie bei der Anwendung besagter Medikamente zu sein.

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Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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