Testikuläre Spermienextraktion

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. November 2016
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Die testikuläre Spermienextraktion ist die Spermagewinnung mittels einer Biopsie der Hoden. Für Männer mit nicht obstruktiver Azoospermie ist dieses reproduktionsmedizinische Verfahren die einzige Möglichkeit für ein eigenes Kind. Das Sperma wird später im Rahmen einer ICSI in weibliche Eizellen injiziert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Testikuläre Spermienextraktion?

Unter der testikulären Spermienextraktion versteht der Reproduktionsmediziner den ersten Schritt einer Fertilitätsbehandlung. Kurz wird das Verfahren auch TESE genannt. Dem Mann werden im Rahmen dieser Behandlung Spermien aus den Hoden entnommen, die für die künstliche Befruchtung einer Eizelle benutzt werden.

Die TESE entspricht im Grunde einer Spermiengewinnung im Rahmen einer Hodenbiopsie. Das Verfahren wird seit 1993 angewandt und findet in der Regel in Kombination mit einer kombinierten Fertilitätsbehandlung statt. Am häufigsten schließt sich an die TESE eine ICSI an, also eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion.

Bei dieser Methode werden die Samenzellen des Mannes direkt in eine Eizelle gespritzt. Für alle fortpflanzungsrelevanten Behandlungen ist die sogenannte Reproduktionsmedizin zuständig, die sich seit dem 20. Jahrhundert als eigene Medizinrichtung etabliert hat. Das Ziel der meisten reproduktionsmedizinischen Behandlungen ist die Wiederherstellung der Fruchtbarkeit und somit die Erfüllung eines bislang unerfüllten Kinderwunsches.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die TESE wendet sich vor allem an unfruchtbare Männer mit Azoospermie. Bei diesem Phänomen befinden sich im Ejakulat keine Samenzellen. Auf natürlichem Weg kann der Mann die Eizelle seiner Frau also nicht befruchten. Die TESE macht die Befruchtung möglich und erfüllt einem Paar so trotz Azoospermie einen bestehenden Kinderwunsch. Bei rund 15 Prozent aller kinderlosen Paare ist Azoospermie für den unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich.

Die TESE findet in der Reproduktionsmedizin dementsprechend häufig statt. Der Arzt unterscheidet zwei verschiedene Formen der Azoospermie: eine obstruktive und eine nicht obstruktive Art. Bei der obstruktiven Form verhindert ein Verschluss in den Samenwegen das Vordringen von Samenzellen bis ins Ejakulat. Da diese Form der Azoospermie allerdings meist auf eine Vasektomie zurückgeht, behandelt die Reproduktionsmedizin die Betroffenen in diesem Fall eher mit einer Refertilisierungsoperation als mit der TESE. Die nicht obstruktive Azoospermie ist dagegen eine Störung der Spermienproduktion. Häufig liegen bei dieser Erscheinung direkt in den Hoden Samenzellen vor, die aufgrund ihrer geringen Dichtigkeit oder eingeschränkten Bewegungsfähigkeit aber nicht ins Ejakulat vordringen können.

Dem Mann werden im Rahmen dieser Behandlung Spermien aus den Hoden entnommen, die für die künstliche Befruchtung einer Eizelle benutzt werden.

Für Männer mit einer nicht obstruktiven Azoospermie ist die TESE dementsprechend die einzig sinnvolle reproduktionsmedizinische Behandlung. In der Regel findet die TESE ambulant statt und erfolgt entweder in Teil- oder Vollnarkose. Der allgemeine psychische Zustand des Patienten und die Befunde entscheiden im Einzelfall über die Narkoseform. Die Biopsie kann einseitig oder auf beiden Seiten durchgeführt werden. Auch darüber entscheidet im Einzelfall der Befund. Über einen kleinen Schnitt im Hodensack legt der Reproduktionsmediziner im Rahmen der TESE den Hoden frei. Der Hodensack und seine Leitungswege werden daraufhin inspiziert, bevor der Operationsarzt die Hodenkapsel einschneidet. Nach der Entnahme einer winzigen Gewebeprobe untersucht das Team dieses Gewebe auf Spermien.

Abhängig von den Befunden entscheidet sich das weitere Vorgehen. Bei genügend Spermien wird ein Teil der Gewebeprobe eingefroren. Dieser Schritt ist auch als Kryokonservierung bekannt und erhält die Spermien am Leben, bis sie im Rahmen einer ICSI in eine Eizelle injiziert werden können. In der Regel vernäht der Arzt die Einschnitte abschließend mit einem selbst auflösenden Faden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die entnommene Gewebeprobe im Rahmen einer TESE ist relativ klein. Das Risiko für bleibende Beeinträchtigungen des Patienten ist dementsprechend gering. Nach rund zwei Wochen ist der Operationsbereich komplett abgeheilt. Schon zwei Tage nach der Operation ist Duschen wieder erlaubt. Nach etwa zehn Tagen darf der Patient wieder baden oder die Sauna besuchen.

Bis der biopsierte Bereich komplett abgeheilt ist, sollten allerdings keine engen Kleidungsstücke getragen werden. Schwere körperliche Arbeit und Sport sind für rund drei Wochen nicht erlaubt. Etwa einen Monat lang sollte der Patient außerdem sexuelle Aktivitäten unterlassen. Büroarbeiten lassen sich dagegen schon drei Tage nach der Operation wieder aufnehmen. Da bei der TESE selbst auflösende Fäden zur Naht benutzt werden, müssen keine Fäden gezogen werden. Das Risiko für Komplikationen ist bei dieser Operation äußerst gering. In nur seltenen Fällen kommen Infektionen oder Blutungen vor. Manchmal tritt ein Bluterguss am Hodensack auf, der sich allerdings alsbald von selbst zurückbildet.

Leichte Schmerzen oder ein Ziehen im Bereich der Nähte können vorkommen, halten in der Regel aber nicht lange an. Das allgemeine Risiko der Operation wird als gering eingeschätzt. Etwa gleichzeitig mit der TESE werden der Frau Eizellen entnommen. Diese Eizellen werden mittels Injektion mit den entnommenen Spermien befruchtet. Die eingeschränkte Dichte oder Fließgeschwindigkeit des Spermas spielt für diese Methode keine Rolle. Später werden der Frau rund drei der so befruchteten Eizellen wieder eingesetzt.

Die Frau erlebt also trotz oder in diesem Fall dank künstlicher Befruchtung eine Schwangerschaft. Die Reproduktionsmedizin kann allerdings keine Garantie für das Funktionieren ihrer Methoden geben. Wenn eine reproduktionsmedizinische Behandlung im Sand verläuft, wirkt sich das oft belastend auf die Psyche der Patienten aus. Manche Paare trennen sich nach einer missglückten Behandlung sogar.

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