Tendinosis calcarea

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. Oktober 2017
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Tendinosis calcarea ist die medizinische Fachbezeichnung für eine Sehnenverkalkung. Am häufigsten zeigt sich diese in der Schulter.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Tendinosis calcarea?

Von einer Tendinosis calcarea ist die Rede, wenn eine Verkalkung von unterschiedlichen Sehnen vorliegt. Sie kommt durch das Ablagern von Kalziumkristallen zustande. Prinzipiell kann eine Tendinosis calcarea an jeder Körpersehne auftreten, in den meisten Fällen zeigt sie sich jedoch an den Schultersehnen wie an der Supraspinatussehne des Musculus supraspinatus. Mediziner sprechen dann von einer Kalkschulter.

Mitunter entsteht eine Tendinosis calcarea aber auch an der Patellarsehne des Knies oder an der Achillessehne. Gelegentlich ist zudem die Rotatorenmanschette von einer Sehnenverkalkung betroffen. In den meisten Fällen tritt eine Tendinosis calcarea im Alter zwischen 40 und 50 Jahren auf. Frauen haben etwas häufiger unter Sehnenverkalkungen zu leiden als Männer. Schätzungen zufolge ist eine Tendinosis calcarea bei zwei bis drei von einhundert Menschen zu verzeichnen.

Ursachen

Auf welche Weise eine Tendinosis calcarea entsteht, ist bislang nicht bekannt. Vermutet werden degenerative Sehnenveränderungen. So wird der Druck auf die betroffenen Sehnen durch Abnutzungserscheinungen erhöht, für die der natürliche Alterungsprozess sowie eine schwächere Durchblutung verantwortlich sind. Infolgedessen lagern sich im Gewebe vermehrt Kalziumkristalle ein, durch dies es zu schmerzhaften Beschwerden beim Ausführen von Bewegungen kommt.

Am Schultergelenk rufen die Kristalle eine Verdickung der Sehne hervor, was dazu führt, dass sie beim Anheben des betroffenen Arms zwischen Schulterdach und Schultergelenk eingeklemmt wird, wodurch sich wiederum Schmerzen zeigen. Im weiteren Verlauf der Tendinosis calcarea entsendet das Abwehrsystem des Körpers Makrophagen. Dabei handelt es sich um spezielle Immunzellen, die die Kristalle abbauen sollen. Dies führt dazu, dass das Gewebe vernarbt und sich die Verdickung der Sehne fortsetzt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Welche Beschwerden bei einer Tendinosis calcarea zu verzeichnen sind, richtet sich danach, an welcher Sehne sie auftritt. Zeigt sich die Verkalkung an der Schulter, kommt es beim Anheben des Arms zu Schmerzen. Gleiches gilt, wenn sich die betroffene Person auf die Seite legt.

Im manchen Fällen ist sogar überhaupt keine Armbewegung mehr möglich, was als Pseudoparalyse bezeichnet wird. Je länger die Tendinosis calcarea andauert, desto mehr verschlimmern sich die Beschwerden. So droht im weiteren Krankheitsverlauf ein Übergang der Sehnenverkalkung in das Schultergelenk. Die Folge davon sind Entzündungen an den Schleimbeuteln, die mit ausgeprägten Schmerzen einhergehen.

Außerdem kommt es zu Rötungen und einem überwärmten Gelenk. Schmerzfreie Bewegungen sind zumeist nur noch beim Abspreizen des Arms durchführbar, wenn er nach außen oder innen gedreht wird. Es können auch sekundäre Beschwerden durch die Tendinosis calcarea auftreten wie Nackenverspannungen oder Kopfschmerzen.

So kommt es durch schmerzvermeidende umständliche Bewegungen oft zu einer verspannten Nackenmuskulatur. Mitunter sind die Beschwerden im Nacken derart intensiv, dass die Tendinosis calcarea nicht mehr registriert wird. Bei manchen Menschen ruft die Sehnenverkalkung aber auch gar keine Beschwerden hervor, sodass ihre Diagnose rein zufällig erfolgt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht Verdacht auf eine Tendinosis calcarea, sollte sich der Patient an einen Orthopäden wenden, der auf Beschwerden dieser Art spezialisiert ist. Der Nachweis der Sehnenverkalkung ist in der Regel schon durch eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) möglich. So ruft der Kalkherd eine Schallauslöschung hervor, die sich im Rahmen der Untersuchung ermitteln lässt.

Außerdem kann mit der Sonographie die präzise Position des Kalkdepots festgestellt werden. Dadurch kommt der Arzt dem Kalkherd leichter auf die Spur, was sich positiv auf die Planung eines chirurgischen Eingriffs auswirkt. Bei einer Tendinosis calcarea besteht die Verdickung stets in der Sehnenmitte.

Als weitere Diagnosemethode kommt eine Röntgenuntersuchung infrage. Auf den Röntgenbildern sind die Sehnenverkalkungen normalerweise gut erkennbar. Um den Kalkherd genau zu bestimmen, bedarf es allerdings Aufnahmen aus mehreren Winkeln. Der Verlauf der Tendinosis calcarea ist individuell unterschiedlich. So besteht die Möglichkeit, dass sich die Schmerzen rasch verstärken.

Komplikationen

Ebenso können sie aber auch für einen längeren Zeitraum geringfügig ausfallen. Nicht selten kommt es zu schmerzhaften Entzündungen aufgrund von Kalkablagerungen, durch die der Kalk jedoch abgebaut wird. Bei einigen Patienten bildet sich die Sehnenverkalkung aufgrund des Selbstheilungsprozesses des Körpers selbstständig wieder zurück, während bei anderen eine Operation erfolgen muss.

Eine Tendinosis calcarea kann, abhängig davon, an welcher Sehne sie sich zeigt, unterschiedliche Komplikationen hervorrufen. Tritt die Verkalkung an der Schulter auf, kommt es bei Bewegungen des Arms zu Schmerzen. In schweren Fällen kann der Arm überhaupt nicht mehr bewegt werden. Diese Pseudoparalyse verschlimmert sich im Verlauf der Erkrankung und kann schließlich zu einer vollständigen Sehnenverkalkung im Schultergelenk führen.

Eine mögliche Folge davon sind Schleimbeutel-Entzündungen, die immer mit starken Schmerzen und der Gefahr weiterer Infektionen verbunden sind. Außerdem treten Rötungen und Überwärmungen im betroffenen Gelenk auf. In Einzelfällen leiden die Betroffenen unter Kopfschmerzen und Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich. Die Behandlung einer Tendinosis calcarea birgt ebenfalls Risiken. Gelegentlich treten nach der Einnahme von schmerzstillenden Medikamenten Neben- und Wechselwirkungen auf.

Patienten, die bereits an einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems oder des Immunsystems leiden, sind besonders anfällig für akute Beschwerden und Spätfolgen. Typische Komplikationen sind beispielsweise Magen-Darm-Beschwerden, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Hautirritationen und Muskelschwäche. Langfristig kann es zu Schäden an Herz, Nieren und Leber kommen. Im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs sind die üblichen Komplikationen denkbar: Blutungen, Nervenverletzungen, Infektionen und Wundheilstörungen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer Tendinosis calcarea kann sowohl konservativ als auch operativ erfolgen. Im Rahmen der konservativen Behandlung erhält der Patient schmerzstillende Medikamente wie nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR). Auf sportliche Aktivitäten oder gymnastische Übungen sollte besser verzichtet werden, weil sie die Schmerzen verschlimmern.

Der Orthopäde verfügt zudem über die Möglichkeit, lokale schmerzstillende Mittel unmittelbar in die betroffene Körperregion zu injizieren.Eine Therapieoption bei einer Kalkschulter stellt die Stoßwellenbehandlung dar. Bei diesem Verfahren wird ein kurzer intensiver Druckimpuls abgegeben, der zu einer besseren Durchblutung des Gewebes führt. Außerdem bilden sich neue Blutgefäße und das Kalkdepot löst sich auf. Da der Spannungsdruck absinkt, gehen die Schmerzen zurück.

Halten die Beschwerden trotz der konservativen Behandlung unvermindert an, muss eine Operation erfolgen, was jedoch aufgrund der hohen Spontanheilungsrate eher selten der Fall ist. Dabei entfernt der Chirurg die Kalkdepots und erweitert den subakromialen Raum. Der Eingriff findet normalerweise durch eine minimal-invasive Arthroskopie statt. Nach der Operation muss der Patient sich etwa drei Wochen schonen.

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Vorbeugung

Um einer Tendinosis calcarea vorzubeugen, empfehlen Ärzte eine magnesiumreiche Ernährungsweise. Zu magnesiumhaltigen Lebensmitteln zählen vor allem Nüsse und Vollkornprodukte.

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Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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