Taurin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. November 2016
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Taurin ist eine organische Säure, die besonders in Verbindung mit trendigen Energy-Drinks bekannt geworden ist, deren positive und negative Auswirkungen für Trubel gesorgt haben. Mit der Stärke eines Stieres soll es wirken, so die Werbeslogans. Dazu soll es als ein Abkömmling von Aminosäuren gerüchteweise aus Stierhoden gewonnen sein, aufputschend wirken und die Kraftreserven mobilisieren, was jedoch nicht ganz den Tatsachen entspricht.

Tatsächlich dient es zur Aufrechterhaltung von Zell- und Organfunktionen im menschlichen Körper und ist auch Bestandteil in komplex zusammengesetzten Nahrungsergänzungsmitteln. Durch sein natürliches Vorkommen im Körper hat es viele physiologische Effekte, kann aber in Verbindung mit anderen Wirkstoffen auch zu Nebenwirkungen führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Taurin?

Taurin ist das Abbauprodukt aus den Schwefel enthaltenden Aminosäuren Methionin und Cystein. Es handelt sich nicht um eine Aminosäure, sondern um eine Aminosulfonsäure.

Sie wurde das erste Mal als organische Säure im 19. Jahrhundert der Ochsengalle entnommen, weshalb sie auch die Bezeichnung „Taurin“ erhielt. Das Wort leitet sich von der griechischen Bezeichnung „Tauros“ ab und bedeutet „der Stier“. Die Chemiker Leopold Gmelin und Friedrich Tiedemann untersuchten zu dieser Zeit hauptsächlich die Vorgänge der Verdauung, konnten Taurin aus der Galle isolieren und entdeckten nebenbei auch das Cholesterin. Taurin kommt in der Galle als Taurocholsäure vor und wird dort durch Hydrolyse freigesetzt. Es dient der Bildung der Gallensäuren und ist damit ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Organismus.

Funktion, Wirkung & Aufgaben

Taurin ist auch in Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln vorhanden und wird in der Medizin als Infusion zur künstlichen Ernährung verwendet. Solche erhalten z. B. Neugeborene, da ihr Körper Taurin noch nicht selbst bilden kann. Durch Taurin werden z. B. die Nervenzellen und die Augennetzhaut des Embryos gebildet.

Der menschliche erwachsene Körper stellt diese Verbindungen eigens her und benötigt im Grunde keine zusätzliche Zufuhr von Taurin. Dennoch kann es unter bestimmten Umständen trotzdem zu einem Taurin-Mangel kommen. Säuglinge beziehen Taurin z. B. über die Muttermilch. Taurin kommt, neben dem körpereigenen Bestand, auch in Lebensmitteln vor, darunter in Milchprodukten, Fleisch und Fisch. Im Organismus selbst ist der Stoff im Gewebe enthalten, dient der Stabilisierung der Zellen, deren Membranen und der Bindung freier Radikale.

Bildung, Vorkommen, Eigenschaften & optimale Werte

Im Stoffwechsel bildet sich Taurin aus dem Eiweißbaustein Cystein, der in Zwischenschritten im Körper oxidiert wird. Ebenso entsteht Taurin beim Abbau des Coenzyms A. Es ist dabei Bestandteil von Verbindungen der Gallensäuren und fördert die Fettverdauung. Die Gallensäuren, die sich in der Leber bilden, werden durch Taurin besser gelöst.

Die Verbindungen werden dann in der Gallenblase zwischengelagert und gelangen in den Dünndarm, wo sie erneut zerlegt werden. Aus diesem Vorgang entstehen freie Gallensäuren, die die Nahrungsfette verarbeiten, spalten und in das Blut leiten.

Daneben wird der Flüssigkeitsgehalt in den Zellen durch Taurin stabilisiert und es spielt eine Rolle für die Reizübertragung im Gehirn und für bestimmte Nervenfunktionen. Ebenso hat es Einfluss auf den Herzrhythmus. Taurin kann beispielsweise die Blut-Hirn-Schranke im Organismus überwinden und dient der Signalübertragung der Hirnzellen. Es stimuliert die Membranbindung an Calcium und die Bewegung von Kalium und Natrium durch die Zellmembranen. Das wiederum bewirkt einen stabilen Herzschlag und einen positiven Effekt auf den Herzmuskel. Auch ist Taurin ein Antioxidans und schützt so das Gewebe vor Schädigungen.

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Krankheiten & Störungen

Besteht im Körper ein Mangel an Taurin, kann es zu Störungen im Immunsystem und zu Nierenversagen kommen. Da Taurin entzündungshemmend wirkt, sind gerade Geweberegionen auf dieses angewiesen.

Dass Taurin dagegen die Leistung, Ausdauer und Konzentration steigern kann, ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Der Energy-Drink wird meistens in Verbindung mit Koffein zum Aufputschmittel und selbst in dieser Hinsicht ist die Wirkung mehr eine Art Placebo-Effekt als wirklich vorhanden.

Ob sich bei verstärkter Taurin-Zufuhr Nebenwirkungen bemerkbar machen, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Wenn die maximale Tagesdosis eingehalten wird, ist die Einnahme von Taurin relativ unbedenklich. Das gilt allerdings für den gesunden Menschen. Nieren- oder Kreislaufbeschwerden, aber auch Leberschäden werden durch Taurin verstärkt.

Taurin gibt es als Infusionslösung, als Stoff in Getränken, als Pulver oder Kapsel. Nebenwirkungen treten erst bei einer zu hohen Dosis auf. Festgelegt wurde die tägliche Einnahme von bis zu tausend Milligramm pro Kilogramm an Körpergewicht. Ansonsten kommt es, besonders in Verbindung mit Koffein, zu Unruhezuständen, Übelkeit, sogar zu Herzrasen, Krämpfen und Herzrhythmusstörungen. Schwangere, Stillende und Kinder sollten grundsätzlich auf Energy-Drinks verzichten.

Insbesondere in Verbindung mit Alkohol kann Taurin gefährlich werden. In den Diskotheken werden Energy-Drinks als Mixgetränk in Verbindung mit Wodka oder ähnlichen Spirituosen ausgeschenkt und erfreuen sich einer großen Beliebtheit. Dieser Genuss ist allerdings nicht ungefährlich, gerade aufgrund der Kombination von Taurin, Koffein und Alkohol. Die Nebenwirkungen entsprechen den genannten, können aber auch schwerwiegender werden, zu einem Kreislaufkollaps, zu Nierenversagen und zum Herzstillstand führen.

Auch in Verbindung mit sportlicher Aktivität ist der aufputschende Energy-Drink, ganz im Gegenteil zu der angeblich muskel- und konzentrationsstärkenden Tendenz, nicht zu empfehlen. Die als hypertonisch bezeichneten Getränke verbessern weder die Mineralstoffzufuhr noch haben sie eine positive Wirkung auf den Flüssigkeitshaushalt des Körpers. Bedenklich sind auch Energy-Shots, die eine so hohe Dosis an Koffein und Taurin in sehr geringer Flüssigkeitsmenge aufweisen, dass Gefahr für eine Überdosis besteht.

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