Taubheit (Gehörlosigkeit)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. September 2017
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Wenn man von Taubheit oder Gehörlosigkeit spricht, so ist meist die Rede von einem extremen Form der Schwerhörigkeit oder dem kompletten Ausfall des Hörens bzw. des Hörsinns. Dabei hören die Betroffenen gar nichts oder nur sehr wenig. Manchmal werden auch Geräusche wahrgenommen, aber die Sprache oder Bedeutung der Töne bleibt dem Gehörlosen verborgen. Gehörlosigkeit kann mit Hilfe von Hörgeräten oder mit dem Erlernen der Gebärdensprache erleichert werden. Eine komplette Heilung der Taubheit (Gehörlosigkeit) ist bis zum jetzigen Stand der medizinischen Forschung leider noch nicht gelungen.

Inhaltsverzeichnis

Definition Taubheit (Gehörlosigkeit)

In Deutschland sind etwa 0,1 Prozent (80.000 Menschen) der Bevölkerung gehörlos. Eine Taubheit (Gehörlosigkeit) liegt vor, wenn Geräusche und Töne nicht oder nur stark eingeschränkt wahrgenommen werden. Die Laute dringen zwar in das Ohr, diese kann das Hörorgan jedoch nicht verarbeiten oder weiterleiten. Als Schwerhörigkeit wird hingegen ein reduziertes Hörvermögen bezeichnet.

Der Hörverlust sowie eine Taubheit (Gehörlosigkeit) können ein oder beide Ohren betreffen. In der Medizin wird zwischen der absoluten und der praktischen Taubheit (Gehörlosigkeit) unterschieden. Bei erster Form hören die Betroffenen grundsätzlich keinen Laut. Liegt dagegen eine praktische Taubheit vor, nehmen die Patienten noch einzelne Geräusche wahr, können allerdings die Sprache nicht mehr verstehen. Des Weiteren wird Gehörlosigkeit unterteilt in angeborene oder erworbene Taubheit. Bezüglich der erworbenen Taubheit unterscheiden Mediziner nochmals zwischen der prälingualen und der postlingualen Form. Bei letzterer tritt die Taubheit (Gehörlosigkeit) nach erfolgter Sprachentwicklung auf.

Weil gehörlose Menschen Geräusche nicht wahrnehmen können, sind sie nicht in der Lage entsprechend zu reagieren. Dies erschwert die Kommunikation mit dem sprechenden und hörenden Umfeld erheblich. Zudem ist das Hören Grundvoraussetzung zum Spracherwerb. Bei Gehörlosen treten sehr oft Sprech- und Sprachstörungen auf und beeinträchtigen meist das Berufsleben und die sozialen Kontakte.

Ursachen

Eine Taubheit (Gehörlosigkeit) kann durch angeborene oder erworbene Schädigungen entstehen. Angeborene Hörschäden sind meist erblich bedingt oder werden durch gewisse Einflüsse in der Schwangerschaft hervorgerufen. Zu den häufigsten auslösenden Faktoren einer erworbenen Taubheit (Gehörlosigkeit) zählen Ohrinfektionen durch Borreliose, Hirnhautentzündung und Mittelohrentzündung sowie Mumps. Aber auch Blutungen oder Verletzungen im Innenohr können zu einer schweren Hörschädigung führen. Zudem kann ein Schädel-Hirn-Trauma eine Taubheit (Gehörlosigkeit) auslösen.

Die vererbte Taubheit (Gehörlosigkeit) ist relativ selten. Etwa fünf Prozent der Gehörlosen sind Kinder von ebenfalls gehörlosen Eltern. Eine angeborene Taubheit (Gehörlosigkeit) kann jedoch durch eine Schädigung des Ungeborenen bereits im Mutterleib verursacht werden. Das ist zum Beispiel der Fall durch Infektionen wie Röteln sowie bei Alkohol-, Drogen- und Nikotinkonsum in der Schwangerschaft. Letztendlich kann auch ein Sauerstoffmangel oder ein Trauma während der Geburt für Hörschäden oder Taubheit (Gehörlosigkeit) verantwortlich sein.

Komplikationen

Gehörlosigkeit kann in seltenen Fällen und auf ganz unterschiedliche Weisen zu Komplikationen führen. So kann es vor allem bei erworbener Taubheit - wie bei allen erworbenen Sinnesverlusten - bei Betroffenen zu Depressionen kommen, da die neue Situation sie in eine gefühlte Hilflosigkeit, Wut oder Trauer versetzt. Gleiches gilt für eine auftretende erschwerte Kommunikation mit Menschen, die über keine Kenntnisse der Gebärdensprache verfügen.

Zudem ist das Risiko für Unfälle bei gehörlosen Menschen oftmals erhöht. Dies gilt insbesondere für befahrene Straßen und ähnliche Situationen. Entsprechend sind im Alltag Vorsichtsmaßnahmen relevanter. Es kann ein eingesetztes Cochlea-Implantat beim Einsetzen oder darüber hinaus zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Die Operation birgt geringe Risiken, den Hörnerv (und damit im weitesten Sinne auch den Geschmacksnerv) zu schädigen, kann Wunden hinterlassen, die sich entzünden, kann zu einer Hirnhautentzündung führen oder für Betroffene einen dauerhaften Tinnitusauslöser bedeuten.

Auch Operationen, die eine ursächliche Gewebeschädigung korrigieren sollen, bergen die üblichen Risiken für Komplikationen. Es kann sich hierbei etwa um Operationen an den Gehörknöchelchen oder am Gehörgang handelt. Ansonsten sind andere Komplikationen von möglichen, zugrunde liegenden Erkrankungen (verschleppte Mittelohrentzündung) abhängig und individuell zu betrachten.

Behandlung & Therapie

Hörgeräte gibt es in verschiedenen Bauformen. Gängigste Modelle sind meist analoge Hinter-dem-Ohr-Geräte. Hörverluste und Schwerhörigkeit können damit ausgeglichen werden. Sie erleichtern den Alltag Hörgeschädigter enorm.

Ohne eine entsprechende Therapie wird sich eine Taubheit (Gehörlosigkeit) nicht bessern. Insbesondere bei der angeborenen Form oder einer hochgradigen Schwerhörigkeit wirkt sich eine frühe Diagnose und Behandlung positiv auf die Sprachentwicklung aus. Bei Kindern steht die Frühförderung in Form von Sprech-und Spracherziehung und der Besuch spezieller Schulen für Gehörlose im Vordergrund.

Das Ziel einer Therapie besteht grundsätzlich darin die Fähigkeiten der Patienten im Alltag zu verbessern. So kommen speziell angepasste Hörgeräte zum Einsatz, wenn noch ein Rest-Hörvermögen vorhanden ist. Bei einer hochgradigen Schwerhörigkeit oder einer vollständigen Taubheit (Gehörlosigkeit) kann durch ein Cochlea-Implantat die Hörfunktion ersetzt werden.

Ist eine Therapie weder durch Hörgeräte noch durch operative Maßnahmen möglich, müssen die Patienten lernen mit der Diagnose Taubheit (Gehörlosigkeit) zu leben. Hierbei werden andere Kommunikationswege wie zum Beispiel das Lippenablesen oder die Gebärdensprache erlernt.

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Vorbeugung

Eine erblich bedingte Taubheit und Gehörlosigkeit kann grundsätzlich nicht vorgebeugt werden. Ein Teil der auslösenden Faktoren lässt sich allerdings durch eine entsprechende Vorbeugung vermeiden. Zudem können Schwangere verschiedene Maßnahmen ergreifen und das Gehör des Kindes vor schädigenden Einflüssen schützen. Risikofaktoren wie Virusinfektionen können durch Schutzimpfungen ausgeschalten werden.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt in der Vorbeugung ist das Meiden einer großen Lärmbelastung. Ein Gehörschutz schafft hierbei Abhilfe. Besonders in der Schwangerschaft sollte auf bestimmte Medikamente, Alkohol und Nikotin verzichtet werden. Abschließend ist zu empfehlen bei Ohrinfektionen und Hörstörungen unverzüglich einen Arzt aufzusuchen um eine Taubheit (Gehörlosigkeit) zu verhindern.

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Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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