Syndrom der blinden Schlinge

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 27. Oktober 2016
Symptomat.deKrankheiten Syndrom der blinden Schlinge

Das Syndrom der blinden Schlinge tritt vorwiegend nach operativen Eingriffen in bestimmten Abschnitten des Darmes auf. Es bezeichnet die gestörte Aufnahme von Nährstoffen. Selbige wird durch eine Stauung von Nährstoffresten und Bakterien in Ausstülpungen ausgelöst.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Syndrom der blinden Schlinge?

Die Erkrankung ist unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt. Neben Syndrom der blinden Schlinge wird das Krankheitsbild auch Blindsack-Syndrom oder Blind-loop-Syndrom genannt. Die Bezeichnung ergibt sich aus dem Ort, an dem die Probleme auftreten.

In der Regel ist das Syndrom der blinden Schlinge eine Folge von einer Stauung des Nahrungsbreis in einem blinden Abschnitt einer Darmschlinge, die beispielsweise für eine Seit-zu-Seit-Darmanastomose herangezogen wurde. Die aus der Stauung resultierende Keimbesiedlung stört die Darmflora und führt zu einer Reihe an Beschwerden.

Aus diesem Grund verbraucht der Körper eine größere Menge an Vitamin B12. Betroffene leiden demnach häufig an einem Vitamin-B12-Mangel, dessen Ursachen schnellstmöglich abgeklärt werden sollten, um weiterführende Komplikationen zu verhindern.

Ursachen

Die erwähnte Stauung tritt beim Blindsack-Syndrom in einer Passage des Darmes auf, der von dem üblichen Darmdurchgang abgeschnitten ist. Einer der Gründe für die Entstehung eines solchen Darmabschnittes sind Divertikel. Als solche werden Ausstülpungen der Darmwand bezeichnet. Eine noch häufigere Ursache allerdings sind Blinddarmoperationen, bei denen bestimmte Darmabschnitte entfernt werden mussten.

In einer sogenannten blinden Schlinge sammeln sich aufgrund des gestauten Darminhaltes Bakterien an. Selbige sind für Reizungen der Schleimhaut und andere Verdauungsstörungen verantwortlich. Oft werden die Symptome psychischem Stress oder einem Reizdarmsyndrom zugeordnet. Daher sollten Beschwerden gerade nach Operationen im Bereich des Dünndarms genauer untersucht werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome des Syndroms sind sehr unspezifisch und könnten auch auf verschiedene andere Erkrankungen des Darmtraktes hindeuten. Aus diesem Grund ist eine genaue Abklärung durch einen Arzt wichtig. Ein Symptom ist beispielsweise Durchfall.

Dieser tritt durch das bakterielle Ungleichgewicht und Dekonjugation von Gallensäure auf. Typisch sind außerdem Schmerzen, die einige Zeit nach dem Essen auftreten. Es kann zu Völlegefühl, Blähungen und Übelkeit kommen. Je nach Fall tritt allgemeines Unwohlsein und Erbrechen auf.

Durch die Malabsorption von Fetten ist außerdem oftmals Fettstuhl die Folge. Dieser äußert sich durch schaumigen und klebrigen Stuhlgang. In aller Regel wird er von einem unangenehmen, säuerlichen Geruch begleitet. Beim Fettstuhl wird am Tag bis zu zehn Gramm Fett ausgeschieden.

Allerdings tritt Fettstuhl nicht nur beim Syndrom der blinden Schlinge auf, sondern kann auch eine Folge von Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse sein. Tritt infolge des Syndroms der blinden Schlinge ein Nährstoffmangel auf, spricht der Mediziner von Malassimilationssyndrom.

Auftretender Vitamin-B12-Mangel äußert sich unter anderem in Erschöpfungszuständen, Nervenschädigungen, Blutarmut und psychischen Störungen. Häufig wird ein solcher Mangel erst spät erkannt. Daher sollte bei Verdacht auf das Syndrom der blinden Schlinge unbedingt der Nährstoffhaushalt des Körpers überprüft werden.

Vitamin B12 kann der Körper nicht selbst bilden. Daher ist er zwingend auf die Aufnahme desselben aus der Nahrung angewiesen. Kann es aufgrund einer Erkrankung nicht aufgenommen werden oder wird in großen Mengen verbraucht, kommt es zu Mangelerscheinungen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose kann der Patient selbstverständlich nicht selbst stellen. Allerdings ist es wichtig, dass er dem behandelnden Arzt alle Informationen zukommen lässt, die mit den Beschwerden zusammenhängen könnten. Über die Anamnese erfährt der Experte so beispielsweise von vorangegangenen Operationen.

Diese Information wird ihn auf das Syndrom der blinden Schlinge stoßen. Aus diesem Grund ist die Krankengeschichte des Patienten sehr wichtig für eine richtige Diagnosestellung. Bei einem Verdacht bringt unter anderem eine Blutuntersuchung Gewissheit. Hier wird der Mediziner Nährstoffmängel feststellen und bildgebende Verfahren anordnen.

Diese sind dazu gedacht, den Verdacht zu festigen. Wird das Syndrom der blinden Schlinge nicht erkannt und verläuft chronisch, kann sich ein Gewichtsverlust einstellen. Zudem führt der Vitamin-Mangel auf Dauer zu einer Blutarmut. Daneben kann eine funikuläre Myelose entstehen. Hierbei handelt es sich um eine neurologische Erkrankungen, die vor allem die Beine betreffen. Sie geht mit Schmerzen und Empfindungsstörungen einher.

Behandlung & Therapie

Therapiert wird das Syndrom der blinden Schlinge einerseits medikamentös und andererseits operativ. In der Regel kommt der Patient um eine weitere Operation nicht herum. Der Blindsack wird bei dem Eingriff zumeist abgetragen. Zur Bekämpfung der Symptome und der Keime werden Medikamente verabreicht.

Diese konservative Therapie wird normalerweise mit Antibiotika und gallensäurebindenden Medikamenten durchgeführt. Zum Einsatz kommen hier oftmals Tetrazykline und Colestyramin. Zusätzlich raten Ärzte in der Regel zu Nahrungsergänzungsmitteln, um Komplikationen zu verhindern.

Dazu gehört vor allem, dass der Patient Vitamin B12 bewusst und in größeren Mengen als bislang zu sich nimmt. Andernfalls können Spätfolgen aufgrund der Mangelerscheinungen auftreten.




Vorbeugung

Um dem Syndrom der blinden Schlinge vorzubeugen, sollte vor einer Operation genau abgewogen werden, wie sinnvoll der Eingriff ist. In der Regel wird bei gutartigen Erkrankungen auf Ausschaltungsoperationen verzichtet. Zusätzlich sollten Betroffene sich bei Bedenken vor allem an erfahrene Ärzte wenden und mögliche Komplikationen detailliert mit ihnen absprechen.

Hat der Patient Angst vor möglichen Folgen, sollte er dies dem Chirurg mitteilen. Zudem sollte nach dem operativen Eingriff eine sorgfältige Nachuntersuchung erfolgen. Ansonsten sollten Betroffene bei anhaltenden Beschwerden – besonders nach Operationen – schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen. Nur, wenn die Probleme schnellstmöglich abgeklärt werden, können spätere Probleme vermieden werden.

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