Syndaktylie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Syndaktylie

Menschen mit Syndaktylie weisen eine angeborene Fehlbildung an Händen und Füßen auf. Auffällig sind zusammengewachsene Finger und Zehen. Syndaktylie kann alleine auftreten oder auch in Verbindung mit weiteren Erbkrankheiten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Syndaktylie?

Bei der Syndaktylie kommt es in der embryonalen Entwicklungsphase zu einer Fehlbildung Hände oder Füße. Die Trennung der Zehen und Finger, die zwischen der 5. Und 7. Entwicklungswoche des Embryos stattfindet, ist gestört.

Die Syndaktylie gehört zu den häufigsten Handfehlbildungen, denn die einfache Syndaktylie betrifft etwa eines von 3000 Neugeborenen. Der Begriff stammt aus dem Griechischen: „Syn“ bedeutet zusammen und „daktylos“ Finger, die demzufolge zusammengewachsen sind. Im Extremfall gilt dies für alle Finger einer Hand. Die dritte Zwischenfingerfalte ist am häufigsten an der Hand und die zweite Zwischenzehenfalte an den Füßen betroffen.

Einzelne Zehen- und Fingerglieder teilen sich also nicht vollständig. Die Syndaktylie kommt relativ häufig vor. Aufgrund der Erkrankung ist die Beweglichkeit der Finger eingeschränkt. Sind alle Finger betroffen, ist die normale Greiffunktion nicht möglich. Dies wird als so genannte Löffelhand bezeichnet. Bei dieser Fehlbildung handelt es sich häufig um eine genetische Erkrankung (Apert– Syndrom).

Unter den Fehlbildungen der Hand ist sie die am häufigsten verbreitete. Unterschieden wird die Syndaktylie nach dem Grad der betroffenen Glieder: So kann es als kutane Syndaktylie zu einer Verbindung nur der Haut zwischen den betroffenen Gliedern kommen. Bei der ossären Syndaktylie verschmelzen hingegen Teile der Knochen. Die Trennung ist in den meisten Fällen der Syndaktylie möglich und wird nach Möglichkeit vor Beendigung des 3. Lebensjahres durchgeführt.

Ursachen

Die Ursache der Syndaktylie liegt im genetischen Bereich. Die Betroffenen verfügen über ein dominantes Gen, dass diese Erbkrankheit verursachte. Die Häufigkeit einer Vererbung ist zwischen 10 bis 40 Prozent familiär bedingt.

Durch den Defekt trennen sich die Gliedabschnitte nicht in der dafür vorgesehenen Entwicklungsphase des Embryos. Syndaktylie tritt nicht nur als Einzelerkrankung auf. Sie ist in vielen Fällen ein Begleitsymptom anderer genetisch bedingter Erkrankungen. Allen ist gemeinsam, dass sie Einfluss auf die normale Entwicklung des Embryos haben.

Syndaktylien werden nur zu einem sehr geringen Anteil in der späteren Lebenszeit entwickelt. In diesen Fällen sind es exogene Syndaktylien. Zumeist gehen sie auf eine Verletzung oder ein Unfallgeschehen zurück, in dessen Folge die Abheilung der Haut oder der Knochen nicht medizinisch korrekt versorgt wurde oder versorgt werden konnte.

Typische Symptome & Anzeichen

Die Anzeichen der Syndaktylie sind die zusammengewachsenen Finger und Zehen, die ein Bewegen und Greifen erschweren oder je nach Ausmaß der Erkrankung sogar unmöglich machen. An der Hand kann es vor allem dann zu einer dauerhaften Beeinträchtigung der Beweglichkeit kommen, wenn zwischen den Fingern auch knöcherne Verbindungen bestehen.

Das Gleiche gilt bei ungleich langen Fingern oder der so genannten Akrosyndatylie, bei der es sich um ein Loch in der Hautbrücke handelt. Im Bereich der Zehenglieder ist die Syndaktylie meist eher ein ästhetisches Problem, denn es beeinflusst die Entwicklung des Kindes nicht.

Diagnose & Verlauf

Die Syndaktylie ist nach der Geburt bereits durch die Sichtuntersuchung feststellbar. Durch bildgebende Verfahren wird in der Folge bestimmt, welche Form der Syndaktylie vorliegt. Auf diese Weise lassen sich bei der ossären Syndaktylie die verbindenden Knochenbrücken genauer bestimmen.

Zumeist ist schon pränatal die Syndaktylie bei den Vorsorgeuntersuchungen der Schwangeren zu erkennen. Dadurch können sich die Kindeseltern und die behandelnden Ärzte schon frühzeitig auf die Syndaktylie einstellen. Im Bereich der Zehenglieder handelt es sich in den meisten Fällen um ein ästhetisches Problem, das keinerlei Einfluss auf die Entwicklung des Kindes hat.

Anders stellt sich der Verlauf bei einer Syndaktylie an den Fingergliedern dar. Kinder benötigen die Fähigkeit zu greifen, um sich altersgerecht entwickeln zu können. Die unbehandelte Syndaktylie an den Händen kann zu Entwicklungsstörungen führen.

Komplikationen

Bei einer Syndaktylie rufen in erster Linie die zusammengewachsenen Finger und Zehen Komplikationen hervor. Je nachdem wie schwer die Fehlbildung ausfällt, gelingt es den betroffenen Kindern ohne fremde Hilfe nicht, die alltäglichen Aufgaben zu bewältigen. Dies kann dazu führen, dass die Betroffenen sich wesentlich langsamer als Gleichaltrige entwickeln und erst spät im Leben wirklich selbstständig werden.

Wird dem Kind nicht geholfen, kann dies zu Entwicklungsstörungen führen, da Feinmotorik und Tastsinn nicht ausreichend gefördert werden. Oft leiden die Betroffenen auch unter den kosmetischen Auffälligkeiten, die mit einer Syndaktylie verbunden sind und ziehen sich bereits früh aus dem sozialen Leben zurück. Auch Hänseleien und Mobbing sind nicht auszuschließen. Eine operative Behandlung der Fehlbildung kann immer Komplikationen hervorrufen.

So kommt es im Rahmen von chirurgischen Eingriffen gelegentlich zu Nervenverletzungen, Infektionen und Blutungen. Nach einem Eingriff können Wundheilungsstörungen und Nachblutungen auftreten. Aufgrund der Narbenbildung ist die ästhetische Beeinträchtigung unter Umständen noch auffälliger als zuvor. Zuletzt bergen auch die verordneten Medikamente ein gewisses Risiko. Gerade bei Kindern kann eine Fehldosierung oder eine unerkannte Vorerkrankung schnell zu unerwarteten Neben- oder Wechselwirkungen führen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Syndaktylie besteht in operativen Eingriffen, um die zusammengewachsenen Glieder zu trennen. Dies betrifft hauptsächlich die Fingerglieder, da die Trennung dort über eine ästhetische Korrektur hinaus geht.

Die Operation erfolgt bereits sehr früh. Ist die Syndaktylie nur kutan wie eine Schwimmhaut ausgeprägt, ist eine Operation sehr unproblematisch. Schwieriger ist es, wenn die Verschmelzung der Knochen so stark ausgeprägt ist, dass sich zwei Glieder mit gleicher Knochenanlage nicht bestimmen lassen. Bei der Trennungsoperation muss ebenso berücksichtigt werden, dass die Veränderungen meist ebenso die Nerven und Gefäße (Arterien und Venen) betreffen.

Daher ist eine sorgsame Trennung erforderlich. Bei einer Syndaktylie der Zehenglieder wird häufig auf eine Behandlung verzichtet und die Entscheidung dem Betroffenen selbst überlassen. Viele Menschen mit Syndaktylie der Zehenglieder verzichten ganz darauf, diese chirurgisch beheben zu lassen. Sie empfinden die zusammengewachsenen Glieder nicht als störend.

Je nach Grad der Syndaktylie ist von einer Operation auch abzuraten, da die ästhetische Beeinträchtigung durch die Narbenbildung noch auffälliger sein kann als die zuvor bestehende Deformation.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Eine Vorbeugung gegen die Syndaktylie ist nicht möglich. Es ist eine genetisch bedingte Deformation, die bereits beim Embryo angelegt ist. Auch bei pränataler Diagnose besteht allerdings für die Kindeseltern kein Grund zu erhöhter Sorge, wenn weitere Erkrankungen ausgeschlossen wurden. Die Syndaktylie an den Füßen ist eine optische Beeinträchtigung, die für die Kinder keine Folgen hat. An den Fingergliedern ist die operative Behandlung der Syndaktylie auch im Säuglingsalter gut durchführbar.

Bücher über Syndaktylie

Quellen

  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Niethardt, F.U.: Kinderorthopädie. Thieme, Stuttgart 2009
  • Witkowski R., Prokop O., Ullrich E.: Lexikon der Syndrome und Fehlbildungen. Springer, Berlin 2003

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: