Swan-Ganz-Katheter

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. Dezember 2016
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Als Swan-Ganz-Katheter ist ein Herzkatheter zur Rechtsherzkatheteruntersuchung bekannt, der neben einer Druckmessung auch das Herzminutenvolumen bestimmt. Der Ballonkatheter wird über einen zentralnervösen Zugang in die rechte Herzkammer und die Arteria pulmonalis eingeführt. Angewandt wird er vor allem in der intensivmedizinischen Überwachung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Swan-Ganz-Katheter?

Der Swan-Ganz-Katheter wurde 1970 von den Kardiologen W. Ganz und H. J. Swan entwickelt. Es handelt sich dabei um einen Herzkatheter für die rechte Herzkammer, der in der Druckmessung und zur Bestimmung des Herzminutenvolumens Verwendung findet.

Die Untersuchungen mit dem Swan-Ganz-Katheter werden auch als Rechtsherzkatheteruntersuchung bezeichnet. Diese Untersuchung findet vorwiegend zur Überwachung der Herz-Kreislaufsituation bei Intensivpatienten oder während der Anästhesie statt.

Die Verlegung des Katheters erfolgt perkutan über einen zentralnervösen Zugang. Durch den rechten Vorhof des Herzens erreicht der Katheter die rechte Herzkammer und wird in den Stamm der Arteria pulmonalis vorgeschoben. Der Einsatz ist mit zahlreichen Risiken verbunden, die jedoch eher selten eintreten. Dennoch wird der Patient zuvor über das Risiko der Nervenverletzungen, verletzter Herzstrukturen, Gefäßschädigungen, der Thrombosierung und Embolie aufgeklärt.

Formen, Arten & Typen

Der Swan-Ganz-Katheter ist in der Regel ein Ballonkatheter. Diese werden vor allem in der Angioplastie oder der Harnblasenkatheterisierung eingesetzt. Bei Ballonkathetern handelt es sich um einen Kunststoffkatheter, der an der Spitze einen Ballon mit Druckluft oder Flüssigkeit trägt. Der Ballon kann sich entfalten und wird auch als Okklusionsballon bezeichnet.

Wenn zusätzlich zum Druck das Herzminutenvolumen gemessen werden soll, wird ein Thermistorkatheter verwendet. Ein solcher misst die Temperaturverdünnungskurve im Herzen und berechnet daraus das Volumen, das das Herz pro Minute auswirft. Wie der Ballonkatheter ist auch der Thermistorkatheters ein dreilumiger Katheter. Die einzelnen Lumina sind voneinander getrennt.

Als Herzkatheter zählt der Swan-Ganz-Katheter in allen Formen zu den Rechtsherzkathetern. Für Rechtsherzkatheter wird meist eine Vene der Leistenbeuge punktiert. Die Punktion ermöglicht die Einführung einer Kanüle und einer Führungssonde. Über die Führungssonde wird die Kanüle wieder entfernt und der Herzkatheter kann eingeführt werden.

Aufbau & Funktionsweise

Der Swan-Ganz-Katheter ist aus mehreren Einzeleinheiten aufgebaut. Neben einem Ballon umfasst er einen doppellumigen Katheter mit Röngtenmarkierungen, einen Druckmesschip und eine Spritze für den Ballon. Mittels des aufpumpbaren Ballons lässt sich das Lumen der Struktur ausdehnen oder verschließen. Während eines Eingriffs lässt sich so zum Beispiel der Blutstrom momentan unterbrechen.

In der Regel wird der Ballon über die Spritze mit einem Milliliter Luft aufgepumpt. Der Ballon bewegt sich daraufhin durch den Herzschlag in die Wedge-Position. Er ist so in einem Ast der Pulmonalarterie fixiert. Über verschiedene Anschlüsse wird der Katheter mit den einzelnen Messgeräten verbunden. Die Druckmessung findet mittels des Druckchips im rechten Vorhof, in der rechten Herzkammer und Arteria pulmonalis statt. Durch diese Druckmessung werden Rückschlüsse auf die Funktion der Herzhöhlen gezogen.

Auch bezüglich der Lungenfunktion und des körpereigenen Wasserhaushalts lassen sich so Informationen sammeln. Daher wird der Pulmonaliskatheter vor allem in der Anästhesie und bei Patienten mit Herzschwäche oder bei herz- und gefäßchirurgischen Operationen verwendet.

Die Intensivmedizin nutzt den Katheter außerdem bei Patienten in Schockzuständen. Solche Schockzustände können kardiogene Schocks, septische Schocks oder polytraumatisch hypovolämische Schocks sein. Die Messgeräte werten die Informationen des Druckchips aus und geben Druckwerte an. Durch diese Werte kann der Intensivmediziner idealerweise die Ursache eines Schockzustands bestimmten und sich auf diese Weise für eine bestimmte Behandlung entscheiden. Er kann so zum Beispiel aufklären, ob eine medikamentöse Behandlung ausreicht oder ob ein operativer Eingriff wie eine Punktion des Herzbeutels erforderlich ist.

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Medizinischer & gesundheitlicher Nutzen

Durch den Swan-Ganz-Katheter lassen sich verschiedene Druckzustände im Herzen und den nahegelegenen Strukturen bestimmen. Die Pulmonalarterie lässt sich durch den Ballon des Katheters zum Beispiel verschließen. Der so entstehende Druck wird als Pulmonalarterienverschlussdruck bezeichnet und ist auch als Wedge-Druck bekannt. Dieser Druck dient indirekt der Bestimmung von enddiastolischen Druckzuständen im linken Herzventrikel. Eine solche Bestimmung kann bei Indikationen zur Pulmonalisangiographie erforderlich sein. Zu solchen Indikationen zählen die Lungenembolie, eine arteriovenöse Lungenfistel, eine Pulmonalklappeninsuffizienz oder ein geplanter Mitral- oder Aortenklappenersatz.

Auch die Indikation zur Dextrokardiographie kann den Swan-Ganz-Katheter erforderlich machen. Eine solche Indikation stellt sich mit Störungen der Trikuspidal- und Pulmonalklappe, mit Rechts-Links-Shuntvitien oder Vorhofseptumdefekten und Fehleinmündungen der Lungenvene ein. Daneben können linksventrikuläre Funktionsstörungen die beschriebene Druckmessung erforderlich machen. Zu solchen Störungen kommt es zum Beispiel durch eine Linksherzinsuffizienz, in Rahmen einer pulmonalen Hypertonie oder durch einen Cor pulmonale.

Da durch den Swan-Ganz-Katheter auch das Herzminutenvolumen bestimmt werden kann, kommt ihm außerdem medizinischer Nutzen bei Bradykardien, ausgeprägten Tachykardien, strukturell ischämischen Herzveränderungen oder veränderten Herzlasten zu. Ebenso viel kann er bei Klappenschädigungen, Füllungsbehinderungen, Perikardtamponaden und Thoraxdeformitäten nutzen.

Neben seiner Funktion als Überwachungsinstrument kommt dem Swan-Ganz-Katheter auch eine Funktion als Diagnostikinstrument zur Therapieplanung zu. Trotz der assoziierten Risiken hat ein Katheter einen entsprechend hohen medizinischen Nutzen und wird daher gerade an schwerkranken Patienten häufig angewandt.

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