Sulfonylharnstoffe

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Unter dem Begriff Sulfonylharnstoff werden verschiedene Medikamente zusammengefasst, die im Rahmen einer Therapie von Diabetes mellitus eingesetzt werden. Sulfonylharnstoffe werden bei der Bekämpfung vom Typ 2 der Erkrankung als Blutzuckersenker verwendet. Dieses Wirkprofil erzielen die Medikamente, indem sie eine gesteigerte Sekretion von Insulin bewirken. Bei Sulfonylharnstoffen handelt es sich folglich um Antidiabetika.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Sulfonylharnstoffe?

Sulfonylharnstoffe sind wichtige Antidiabetika, die zur Bekämpfung von Diabetes mellitus Typ 2 (im Volksmund oft Zuckererkrankung genannt) eingesetzt werden. Eine Verwendung bei Typ 1 ist nicht angezeigt. Die Medikamente sind von der Gruppe der Glinide abzugrenzen. Diese verfügen zwar über einen ähnlichen Wirkmechanismus wie Sulfonylharnstoffe, weisen allerdings wesentliche Unterschiede hinsichtlich des Wirkungsprofils auf. In der Pharmakologie und Chemie können Sulfonylharnstoffe durch die Summenformel C 24 - H 3 - N 4 - O 5 - S beschrieben werden.

Das standardmäßige Einsatzgebiet von Sulfonylharnstoffen stellt die Regulierung des Blutzuckerspiegels dar. Die Medikamente nehmen nach der Einnahme Einfluss auf den Insulingehalt, sodass eine relevante Senkung des Blutzuckers erreicht wird.

Da Sulfonylharnstoffe ausschließlich oral eingenommen werden, gelten sie als orale Antidiabetika. Sie nehmen eine wichtige Rolle im Zuge der Therapie ein. In der Bundesrepublik Deutschland und anderen EU-Ländern unterliegen die Arzneien der Apotheken- und Rezeptpflicht. Ein Erwerb ist damit nur nach vorheriger Verordnung durch den Arzt möglich.

Pharmakologische Wirkung auf Körper & Organe

Sulfonylharnstoffe wirken, indem sie die Kaliumkanäle der Betazellen der Bauchspeicheldrüse stimulieren, was deren Aktivität steigert. Durch diese Erregung kommt es zu einer gesteigerten Produktion von Insulin. Wegen der erhöhten Insulinfreisetzung steigt der Insulingehalt im Blut, was zu einer spürbaren Absenkung des Blutzuckers führt.

Sulfonylharnstoffe gelten aufgrund ihres Einflusses auf den Kaliumkanal als Kaliumkanalblocker. Die Effekte werden durch eine Nachahmung einer gesteigerten Konzentration von ATP erreicht. Da Sulfonylharnstoff lediglich die körpereigene Produktion von Insulin steigert, setzt die Therapie eine funktionsfähige Bauchspeicheldrüse voraus. Der Behandelte muss noch in der Lage sein, hinreichende Mengen Insulin zu produzieren.

Da es sich bei dem Ausdruck Sulfonylharnstoff um einen Sammelbegriff handelt, unter dem diverse Wirkstoffe zusammengefasst werden, bestehen einige Unterschiede zwischen den einzelnen Substanzen. Die Unterschiede erschöpfen sich jedoch in Geschwindigkeit und Dauer des Wirkungseintritts.

Zu den häufigsten Sulfonylharnstoffen zählen die Arzneistoffe Gliclazid, Tolbutamid, Glimepirid, Glibenclamid und Glibornurid. Welcher Wirkstoff zur Anwendung gelangt, bestimmt sich nach den individuellen Besonderheiten des Einzelfalls.

Medizinische Anwendung & Verwendung zur Behandlung & Vorbeugung

Der Einsatz von Sulfonylharnstoffen hat sich in der Humanmedizin zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2 bewehrt. Erste Präparate kamen bereits 1956 auf den Markt. Heute werden Sulfonylharnstoffe vorrangig in Monopräparaten verwendet. Hierbei handelt es sich um Arzneimittel, die ausschließlich oder vorrangig auf einen Wirkstoff setzen. Es ist jedoch auch eine Kombination mit anderen Wirkstoffen wie Metformin möglich.

Die Verschreibung folgt lediglich zur Therapie von Diabetes Typ 2. Voraussetzung ist allerdings stets, dass die Funktionsfähigkeit der Bauchspeicheldrüse gesichert ist. Andernfalls müssen andere Präparate verabreicht werden.

Sulfonylharnstoffe werden oral in Form von Filmtabletten eingenommen. In der Europäischen Union sind verschiedene Präparate auf dem Markt. Sämtliche Sulfonylharnstoffe unterliegen wegen der Gefahr von Nebenwirkungen der Apotheken- und Verschreibungspflicht. Ein Erwerb ist demzufolge ausschließlich nach vorheriger Ausstellung eines Rezepts in einer lizensierten Apotheke gestattet.

Auf die ärztlichen Hinweise ist bei der Einnahme zwingend zu achten. So kann es insbesondere notwendig sein, die Einnahme der Präparate auf die täglichen Mahlzeiten abzustimmen.

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Risiken & Nebenwirkungen

Sulfonylharnstoffe sind nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen. Die Anwendungssicherheit ist allerdings gewährleistet, sofern keine Gegenanzeige besteht. Das ist etwa während der Schwangerschaft und Stillzeit der Fall. Die Einnahme hat dann zu unterbleiben. Selbiges gilt für Patienten mit schweren Leber- oder Nierenschäden. Bei Diabetes mellitus Typ 1 besteht aufgrund fehlender Wirksamkeit ebenfalls eine Kontraindikation.

Da Sulfonylharnstoffe Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel haben, sind Wechselwirkungen mit anderen Arzneien zu beachten. Der behandelnde Arzt ist stets über sämtliche eingenommenen Präparate zu informieren. So sind unerwünschte Wechselwirkungen etwa mit oralen Kontrazeptiva oder Schilddrüsenhormonen möglich. Bei diesen kommt es zu einer verminderten Wirksamkeit.

Die Wirkung von Sulfonylharnstoffen kann außerdem durch die Einnahme von Betablockern oder Insulin verstärkt werden. Weiterhin sind Wechselwirkungen mit Thiaziddiruretika, MAO-Hemmern, Salicylaten und Sulfonamiden möglich.

Ferner ist auf Nebenwirkungen zu achten. Hier ist vorrangig auf die Möglichkeit einer durch das Insulin bedingten Hypoglykämie hinzuweisen. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens dieser Nebenwirkung ist bei Substanzen mit langer Wirkungsdauer wie etwa Glibenclamid größer als bei Wirkstoffen mit geringer Wirkungsdauer wie etwa Tolbutamid.

Zu den weiteren Nebenwirkungen von Sulfonylharnstoffen zählen eine Alkoholunverträglichkeit, Beschwerden des Magen-Darm-Trakts (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall), ein allgemeines Unwohlbefinden und Anämie.

Darüber hinaus kommt es durch die Behandlung mit Sulfonylharnstoffen in der Regel zu einer Gewichtszunahme von etwa 2 kg.

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