Subependymales Riesenzellastrozytom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. November 2017
Startseite » Krankheiten » Subependymales Riesenzellastrozytom

Bei einem subependymalen Riesenzellastrozytom handelt es sich um einen gutartigen Hirntumor. Er tritt häufig in Zusammenhang mit einer tuberösen Sklerose auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein subependymales Riesenzellastrozytom (SEGA)?

Als subependymales Riesenzellastrozytom (SEGA) wird ein gutartiger Gehirntumor bezeichnet, der nur selten vorkommt. Er entsteht unter dem Ependym und gilt gemäß der WHO-Gesundheitsklassifikation als Tumor Grad I. Unter Riesenzellastrozytomen werden größere Tumore verstanden, bei denen eine Verkalkung besteht. Abgesehen von Astrozyten, bei denen es sich um sternförmige kleine Zellen handelt, kommen in den Riesenzellastrozytomen auch umfangreiche Nervenzellen vor.

Diese zeigen sich ausschließlich bei dieser Art von Tumor. Dadurch lassen sie sich gut von rasch wachsenden isolierten Astrozytomen unterscheiden. Letztere gelten als bösartige Hirntumore und stehen auch nicht im Zusammenhang mit der tuberösen Sklerose (TSC), wie dies bei dem subependymalen Riesenzellastrozytom der Fall ist. Darüber hinaus verläuft das Wachstum von Riesenzellastrozytomen erheblich langsamer.

Ursachen

Die genauen Ursachen eines subependymalen Riesenzellastrozytoms sind nicht bekannt. Sie kommen in erster Linie bei Kindern sowie jungen Erwachsenen vor. Der Altersgipfel der Erkrankung ist unter 20 Jahren. Nicht selten besteht ein Zusammenhang zwischen der Ausprägung eines Riesenzellastrozytoms und der tuberösen Sklerose. So entsteht bei rund 15 Prozent aller Patienten, die an der tuberösen Sklerose erkrankt sind, ein subependymales Riesenzellastrozytom.

Mitunter stellt der Tumor auch das erste Anzeichen der tuberösen Sklerose dar. Bei der tuberösen Sklerose handelt es sich um eine Erbkrankheit, die autosomal-dominant weitergegeben wird und mit unterschiedlichen Symptomen verbunden ist. Das Auftreten eines subependymalen Riesenzellastrozytoms gilt als wichtiges Kriterium bei der Diagnosestellung der tuberösen Sklerose.

Das subependymale Riesenzellastrozytom siedelt sich in der Regel beinahe ausschließlich in der Region des Foramen Monroi an. An den Tumoren sind umfangreiche Verkalkungsherde zu finden. Nicht selten werden sie von Scheidewänden durchzogen und sind zystisch transformiert. Zu den weiteren typischen Merkmalen des subependymalen Riesenzellastrozytoms gehören relativ wenige Mitosen sowie umfangreiche vielkernige Zellen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zur Entstehung eines subependymalen Riesenzellastrozytoms kommt es fast immer an der Hirnkammerwandauskleidung, die sich im Inneren des Gehirns befindet. Schreitet das Wachstum des Tumors voran und wird er größer, kann er erhebliche Beschwerden verursachen. Dazu gehört, dass er den Abfluss des Hirnwassers (Liquor) aus den Hirnkammern hinaus behindert. Dadurch entsteht wiederum Druck auf das Hirngewebe.

Normalerweise kann das Hirnwasser, welches sich in den Ventrikeln bildet, in die äußeren Liquorräume ungehindert abfließen. Auf diese Weise wird das Gehirn sowohl von der äußeren als auch von der inneren Seite mit Hirnwasser umspült, wodurch eine Polsterung zu den Schädelwänden zustande kommt. Durch eine Abflussbehinderung aufgrund eines subependymalen Riesenzellastrozytoms kommt es jedoch zum Ansammeln des Hirnwassers innerhalb der Hirnkammer, was Mediziner als Hydrozephalus (Wasserkopf) bezeichnen.

Weil sich der Druck auf das Gewebe des Gehirns aufgrund der Abflussbehinderung verstärkt, leiden die Betroffenen unter Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, verminderter Sehschärfe und Gesichtsfeldausfällen. Ebenso sind epileptische Anfälle und Bewusstseinsstörungen möglich. Im schlimmsten Fall kann der Patient sogar ins Koma fallen.

Liegt dagegen ein kleineres subependymales Riesenzellastrozytom vor, führt dies in der Regel nicht zu Beschwerden. Oft werden die kleinen Tumore im Rahmen von Routineuntersuchungen durch bildgebende Verfahren entdeckt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht Verdacht auf ein subependymales Riesenzellastrozytom, wird in der Regel eine Magnetresonanztomographie (MRT) vorgenommen. So lassen sich die kleinen Tumore mittels einer Kernspintomographie gut darstellen. Um Verkalkungen festzustellen, gilt eine Computertomographie (CT) als sinnvoll. So werden die Verkalkungsherde innerhalb einer Tumormasse angezeigt, welche sich an der Wand des 3. Ventrikels befindet.

Als wichtige Hinweise gelten die Lage des Astrozytoms, das Alter des Erkrankten sowie die radiologischen tumorspezifischen Besonderheiten. Histologisch lässt sich die Diagnose SEGA durch eine Gewebeentnahme (Biopsie) oder eine histopathologische Untersuchung stellen.

Der Verlauf eines subependymalen Riesenzellastrozytoms richtet sich danach, ob eine Grunderkrankung vorhanden ist. Dabei spielt besonders die tuberöse Sklerose eine Rolle. Ohne die Behandlung eines Verschluss-Hydrozephalus besteht das Risiko einer dauerhaften Schädigung des Nervengewebes aufgrund des anhaltenden Drucks. Nicht selten wird das Riesenzellastrozytom operativ entfernt.

Komplikationen

Ein subependymales Riesenzellastrozytom kann eine Reihe von Komplikationen hervorrufen. Durch den zunehmenden Druck auf das Gehirngewebe kommt es zunächst zu Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen, die im weiteren Verlauf der Erkrankung an Intensität und Dauer zunehmen. Zudem treten Sehstörungen wie Gesichtsfeldausfälle, eine verminderte Sehschärfe und Doppelbilder auf, die den Betroffenen in seinem Alltag erheblich einschränken und zu Unfällen führen können.

Auch epileptische Anfälle und Bewusstseinsstörungen sind denkbar und ihrerseits mit ernsten Komplikationen verbunden. Im schlimmsten Fall verliert der Patient das Bewusstsein. Wird das Riesenzellastrozytom nicht behandelt, besteht das Risiko von Schädigungen des Nervengewebes und daraus resultierend auch von bleibenden neurologischen Störungen. Die operative Entfernung des Hirntumors birgt die üblichen Gefahren: Blutungen, Verletzungen von Nervensträngen und Hirngewebe sowie Infektionen.

Nach dem chirurgischen Eingriff können Wundheilungsstörungen auftreten. Die begleitend verordneten Schmerz- und Beruhigungsmittel können zu Magen-Darm-Beschwerden, Schmerzen und anderen Komplikationen führen. Wird der Patient medikamentös therapiert, rufen die mTOR-Hemmer gelegentlich eine nicht-infektiöse Pneumonitis, Stomatitis oder einen Hautausschlag hervor. Zudem können allergische Reaktionen und Symptome einer Unverträglichkeit auftreten und die Genesung hinauszögern.

Therapie & Behandlung

Die Behandlung eines subependymalen Riesenzellastrozytoms richtet sich nach dessen Ausmaß. Ist der Tumor nur von geringer Größe und ruft keinerlei Beschwerden hervor, gelten regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch eine Magnetresonanztomographie als ausreichend. So lassen sich im Rahmen einer Kernspintomographie oder Computertomographie Stauungen des Liquors durch das Aufweiten der Hirnkammern feststellen. Die Kontrolluntersuchungen finden in kürzeren Abständen statt.

Ruft ein subependymales Riesenzellastrozytom jedoch Beschwerden hervor oder kommt es zu einer Erweiterung der Hirnkammern, erfolgt in den meisten Fällen ein chirurgischer Eingriff. Im Rahmen der Operation wird die Schädeldecke aus oberer Richtung geöffnet. Mithilfe von zwei Hirnspateln zieht der Chirurg das Hirngewebe etwas auseinander. Zwischen den Spateln bildet sich ein Spalt, durch den der Operateur den Eingriff vornimmt und den Tumor herausoperiert.

Nach der Entfernung des subependymalen Riesenzellastrozytoms gehen die Beschwerden normalerweise rasch wieder zurück. Gilt ein operativer Eingriff nicht als geeignet, kann auch eine medikamentöse Therapie stattfinden. Zu diesem Zweck erhält der Patient mTOR-Hemmer in Form von Tabletten, die das Regulator-Protein mTOR hemmen und das Gleichgewicht zwischen aktivierenden und hemmenden Einflüssen wiederherstellen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen gegen die Entstehung eines subependymalen Riesenzellastrozytoms sind nicht bekannt. So entsteht der gutartige Tumor oftmals durch eine tuberöse Sklerose, die zu den Erbkrankheiten zählt.

Bücher über Gehirntumor

Quellen

  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006
  • Sauer, R.: Strahlentherapie und Onkologie. Urban & Fischer, München 2009

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: