Subakute Thyreoiditis de Quervain

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. November 2017
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Als subakute Thyreoiditis de Quervain wird eine Schilddrüsenerkrankung bezeichnet. Dabei leiden die Betroffenen unter anderem unter Schmerzen an der Schilddrüse.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine subakute Thyreoiditis de Quervain?

Eine selten auftretende Erkrankung der Schilddrüse stellt die subakute Thyreoiditis de Quervain dar. Als Namensgeber der Krankheit diente der Schweizer Mediziner Johann Friedrich de Quervain (1868-1940). De Quervain war lange Zeit an der Universität Bern tätig und beschrieb die subakute Thyreoiditis im Jahr 1904.

Die Erkrankung trägt auch die Bezeichnungen Quervain-Thyreoiditis, subakute nicht-eitrige Thyreoiditis, virale Thyreoiditis oder Riesenzellenthyreoiditis. Bei der subakuten Thyreoiditis de Quervain handelt es sich um eine allgemeine Erkrankung, die verhältnismäßig plötzlich (subakut) auftritt. Als Leitsymptom gilt die schmerzhafte Entzündung der Schilddrüse.

Die subakute Thyreoiditis de Quervain zählt zu den eher selten vorkommenden Erkrankungen. So leiden jedes Jahr etwa 5 von 100.000 Menschen unter ihr. Am häufigsten zeigt sich die Schilddrüsenkrankheit im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Frauen sind häufiger von der subakuten Thyreoiditis betroffen als das männliche Geschlecht. Vor allem in Frühling und Herbst sind verstärkt Ausbrüche der Erkrankung zu verzeichnen.

Ursachen

Bis in die heutige Zeit konnte die Medizin nicht herausfinden, welche Ursachen die subakute Thyreoiditis de Quervain hat. Es wird jedoch vermutet, dass sie aus einer Virusinfektion hervorgeht. So litten die meisten Patienten vor der Erkrankung an einer Infektion der oberen Atemwege. Allerdings ließ sich kein Zusammenhang mit typischen Virusinfekten wie durch Coxsackie-Viren oder Enteroviren herstellen.

Ebenfalls in der medizinischen Diskussion stehen genetische Veranlagungen. So scheint die subakute Thyreoiditis de Quervain häufig bei Menschen auszubrechen, die die Leukozytenantigene HLA-B35 sowie HLA-B67 in sich tragen. Bei HLA-B35 gilt sogar ein 50-faches Erkrankungsrisiko. Familiäre Häufungen ließen sich nur vereinzelt nachweisen.

Es wird angenommen, dass die Schilddrüsenerkrankung sowohl durch eine Virusinfektion als auch durch eine Autoimmunreaktion des Körpers gegen das Gewebe der Schilddrüse entsteht. Dagegen spricht allerdings eine Selbstlimitierung der subakuten Thyreoiditis de Quervain, was bei Autoimmunerkrankungen normalerweise nicht üblich ist.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein typisches Merkmal der subakuten Thyreoiditis de Quervain ist ihr subakuter Beginn. Darüber hinaus verläuft die Erkrankung in mehreren Phasen, wobei die Symptome nicht bei jedem Patienten gleich ausfallen. Als Leitsymptom der subakuten Thyreoiditis werden oft einseitig verlaufende Schmerzen in der Schilddrüse eingestuft.

Diese können bis ins Ohr oder in den Kiefer ausstrahlen. Am entzündeten Schilddrüsenlappen entsteht eine Schwellung. Außerdem reagiert er empfindlich auf Druck. Des Weiteren liegen unterschiedliche allgemeine Beschwerden vor.

Dazu zählen Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen, Gliederschmerzen, eine Rachenentzündung, Schluckbeschwerden oder leichtes Fieber. Die Entzündung hat eine Zerstörung der Schilddrüsenfollikel zur Folge. Dabei wird das Schilddrüsenprotein Thyreoglobulin, das sich in den Follikeln befindet, abgebaut.

Außerdem erfolgt ein unkontrolliertes Freisetzen der Schilddrüsenhormone Thyroxin und Triiodthyronin ins Blut. Die verstärkte Konzentration der Schilddrüsenhormone bewirkt wiederum in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) die Hemmung von Thyreotropin, was dem Neubilden von Schilddrüsenhormonen entgegenwirkt.

Bei etwa der Hälfte aller Patienten kommt es durch den Hormonüberschuss zu Vergiftungserscheinungen (Thyreotoxikose). Im Falle einer Schilddrüsenüberfunktion leiden die Betroffenen unter verstärktem Herzschlag, übermäßigen Schweißausbrüchen, Zittern, Nervosität und der Abnahme von Gewicht.

Haben sich die Vorräte an Schilddrüsenhormonen erschöpft, ist eine Schilddrüsenunterfunktion die Folge. Sie macht sich durch verminderte Leistungskraft, die Zunahme von Gewicht, Antriebsschwäche, niedrigen Blutdruck und langsamen Herzschlag bemerkbar.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Führt die Erkrankung den Patienten zum Arzt, lässt dieser sich die Beschwerden genau schildern. So weisen die typischen Symptome meist schon auf eine subakute Thyreoiditis hin. Zum Absichern der Diagnose nimmt der Mediziner eine Blutuntersuchung vor, bei der sich erhöhte CRP-Werte (C-reaktives Protein) sowie eine verstärkte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) feststellen lassen.

Ferner erfolgt eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung), bei der in der Schilddrüse meist echoarme Herde ermittelt werden. Nicht selten erweitern diese sich zu größeren Herden. Im Zweifelsfall lässt sich zudem eine Szintigraphie der Schilddrüse vornehmen.

Ebenso ist eine Feinnadelaspiration für eine Gewebeentnahme möglich, die im Anschluss histologisch untersucht wird. Diese Untersuchungen kommen allerdings nur in Einzelfällen zur Anwendung. Der genaue Verlauf der subakuten Thyreoiditis de Quervain lässt sich nur schwer vorhersagen.

So kann die Dauer der Erkrankung zwischen einigen Monaten und mehr als einem Jahr schwanken. Weil die Schilddrüsenentzündung auch ohne eine Therapie schließlich von selbst zum Stillstand kommt, verläuft die Erkrankung in der Regel positiv.

Komplikationen

Die subakute Thyreoiditis de Quervain kann zu einer Reihe von Komplikationen führen. Bei den meisten Patienten treten im Verlauf der Erkrankung Muskel- und Gliederschmerzen, Schluckbeschwerden und Entzündungen auf. Das typische Fieber kann bei mangelnder Behandlung oder einer schlechten Konstitution des Betroffenen weiter ansteigen und zur Überlastung des Herz-Kreislauf-Systems führen.

Schluckbeschwerden sind oft mit Aspiration verbunden, die im schlimmsten Fall eine Lungenentzündung begünstigt. Die Entzündung selbst hat die Zerstörung der Schilddrüsenfollikel zur Folge. Der Hormonüberschuss führt bei der Hälfte aller Patienten zu Vergiftungserscheinungen. Damit einhergehend kommt es zu Schweißausbrüchen, Nervosität und Gewichtsverlust.

Sind die Schilddrüsenhormone aufgebraucht, tritt eine Schilddrüsenunterfunktion auf. Diese ist mit einer verminderten Leistungsfähigkeit, Gewichtszunahme und Herz-Kreislauf-Beschwerden verbunden. Meist verlangsamt sich der Herzschlag, und der Blutdruck nimmt ab. Durchblutungsstörungen, Bewusstseinsstörungen und andere Komplikationen können die Folge sein.

Der rasche Wechsel von Überfunktion zu Unterfunktion erhöht das Risiko für ernste Kreislaufbeschwerden zusätzlich. Die Behandlung verläuft, abgesehen von den Nebenwirkungen durch Ibuprofen, Diclofenac und andere Medikamente, relativ beschwerdefrei. Allerdings können sich gelegentlich auch ernste Wechselwirkungen einstellen. Auch allergische Reaktionen sind nicht auszuschließen.

Behandlung & Therapie

Bei etwa 80 bis 95 Prozent aller Patienten verheilt die subakute Thyreoiditis de Quervain in einem Zeitraum von neun bis zwölf Monaten von selbst. Im Rahmen der Therapie werden daher die Symptome bekämpft. Zu diesem Zweck erhält der Patient schmerzlindernde und entzündungshemmende Arzneimittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Acetylsalicylsäure.

Reichen diese Medikamente nicht aus, können auch Glukokortikoide wie Prednisolon zur Anwendung gelangen, um die Entzündung zu reduzieren. Um eine Überfunktion der Schilddrüse im Rahmen der subakuten Thyreoiditis de Quervain zu behandeln, stehen keine Therapieoptionen zur Verfügung.

So hat eine Behandlung mit Thyreostatika keinen Nutzen, weil lediglich eine verstärkte Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen vorliegt, die bereits vorhanden sind. Etwa fünf Prozent aller Patienten leiden unter einer dauerhaften Schilddrüsenunterfunktion, sodass sie für den Rest ihres Lebens Schilddrüsenhormone erhalten müssen.

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Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen gegen eine subakute Thyreoiditis de Quervain sind nicht bekannt. So ließen sich die Ursachen der Schilddrüsenerkrankung bisher nicht ermitteln.

Bücher über Schilddrüsenerkrankungen

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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