Stromunfall

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. Oktober 2017
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Wenn ein Stromunfall oder Elektrounfall passiert, kann dies für den Betroffenen tödlich ausgehen. Leichte Stromschläge hinterlassen hingegen in den meisten Fällen keine schlimmen Verletzungen. Im Haushalt ist die Gefahr, einen Stromschlag zu erleiden, besonders groß.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Stromunfall?

Von einem Stromunfall spricht man, wenn ein Mensch mit Elektrizität in Berührung kommt und dadurch Verletzungen erleidet. Wenn der Betroffene gleichzeitig einen stromführenden Gegenstand und die Erde berührt, gerät er in den Stromkreis und erleidet einen elektrischen Schlag.

Das bedeutet: Strom fließt durch den menschlichen Körper und richtet dabei Schäden an, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können. Der Strom sucht sich einen Weg durch den Körper (z.B. von der Hand zum Fuß oder von der rechten Hand zur linken Hand).

Wie hoch diese gesundheitlichen Schäden tatsächlich sind, ist von mehreren Faktoren abhängig. Eine entscheidende Rolle spielen die Stromstärke und die Dauer des Vorfalls. Besonders kritisch ist ein Stromunfall, wenn wichtige Körperteile wie das Herz oder das Gehirn im Stromfluss liegen.

Ursachen

Der Haushalt birgt viele Gefahrenquellen für einen Stromunfall. Die Benutzung kaputter Elektrogeräte (z.B. fehlende Isolierung am Netzkabel) und das Hantieren an elektrischen Leitungen ohne Fachkenntnisse können zu einem elektrischen Schlag führen. Stark gefährdet sind Kleinkinder, die in der Nähe ungesicherter Steckdosen spielen.

Auch in der freien Natur lauern Gefahren. Wer während eines Gewitters vom Blitz getroffen wird, erleidet einen Stromschlag. Besondere Vorsicht ist in der Nähe von Überlandstromleitungen geboten. Wird eine solche Leitung durch Sturm oder Schnee beschädigt, können stromführende Leitungen zu Boden fallen.

Der Gefahr eines Stromschlags setzt man sich auch aus, wenn man unter einer solchen Stromleitung einen Drachen steigen lässt. Es gibt auch Waffen, die dem Opfer einen elektrischen Schlag verpassen (Taser-Pistole).

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Ein Stromunfall kann zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Schäden und zum Tod führen. Ebenso ist es möglich, dass der Betroffene ohne nennenswerte Verletzungen davonkommt. Abhängig von der Stromstärke und der Dauer des Vorfalls erleidet der Patient Muskellähmungen unterschiedlichen Ausmaßes.

Auch Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit und ein Atemstillstand sind möglich. Liegt das Herz im Stromfluss, kann es zu einem lebensgefährlichen Herzkammerflimmern oder zu einem Herzstillstand kommen. An jenen Stellen, an denen der Strom in den Körper ein- beziehungsweise ausgetreten ist, entstehen Brandverletzungen (Strommarken).

Bei einem Stromunfall erleidet der Patient manchmal heftige Krampfanfälle, die zu Knochenbrüchen führen können. Oft passieren auch Folgeunfälle. Der Patient stürzt beispielsweise infolge eines elektrischen Schlags und zieht sich dabei weitere Verletzungen zu.

Komplikationen

Komplikationen nach einem Stromunfall betreffen verschiedene Organsysteme. Sehr häufig löst ein Stromschlag Herzrhythmusstörungen aus, die in vielen Fällen sofort, manchmal erst mit einiger Verzögerung auftreten. Zudem kann das Muskelgewebe des Herzens aufgrund von Verbrennungen geschädigt werden, was die Herzfunktion nachhaltig beeinträchtigt.

Eine Verletzung der Atemwege kann, ebenso wie die Lähmung des Atemzentrums, einen lebensbedrohlichen Atemstillstand herbeiführen. Das Nervengewebe weist einen geringen Widerstand auf und wird daher bei einem Stromunfall häufig in Mitleidenschaft gezogen: Die Folge können Lähmungserscheinungen, Empfindungsstörungen und Koordinationsstörungen sein.

Gehirnschäden machen sich unter anderem an Bewusstseinstrübungen, Krampfanfällen, Unruhe und Gedächtnisstörungen bemerkbar, diese Symptomatik kann entweder direkt aufgrund der Stromeinwirkung oder als Folge einer Unterversorgung des Gehirns nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand bedingt sein. Durch unwillkürliche Muskelverkrampfungen können Muskel- und Sehnenrisse sowie Knochenbrüche entstehen, in schweren Fällen kann die Stromeinwirkung die Auflösung von Muskelfasern (Myolyse) zur Folge haben.

Als weitere Komplikationen nach einem Stromunfall sind Verbrennungen der Haut mit Blasen- und anschließender Narbenbildung sowie eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion bis hin zum Nierenversagen zu nennen. Ebenso sind Schäden an den Blutgefäßen möglich, die Thrombosen und Embolien nach sich ziehen können. Lebensgefährlich ist eine Blutvergiftung, die als Folge einer bakterielle Infektion oder verbrannten Körpergewebes entstehen kann.

Behandlung & Therapie

Wenn ein Patient einen Stromunfall erlitten hat, sollte der Ersthelfer Schutzmaßnahmen einhalten, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Bevor man den Verunfallten berührt, muss man den Körper von der Stromquelle trennen.

Liegt ein stromführendes Kabel in der Nähe, so entfernt man dieses mithilfe eines nicht leitenden Gegenstands (z.B. Holzbesen). Wenn der Patient bewusstlos ist, gilt es unverzüglich Erste-Hilfe-Maßnahmen (Herzmassage, Beatmung) einzuleiten. Ist der Verunfallte bei Bewusstsein, werden die durch den Stromunfall entstandenen Brandverletzungen versorgt.

Wenn die Verletzungen nur klein sind und der Patient über keine weiteren Beschwerden klagt, sollte man trotzdem ein Krankenhaus aufsuchen. Dort wird ein EKG durchgeführt. Manchmal kommt es nämlich noch Stunden nach einem Stromunfall zu Herzrhythmusstörungen. Von der Schwere des Stromunfalls abhängig ist, ob danach noch weitere Behandlungsschritte notwendig sind. Wenn die Verbrennungen sehr stark sind, können Giftstoffe in den Körper gelangen, weil Gewebe verkohlt ist. In diesem Fall wird einer Blutvergiftung mithilfe von Infusionen vorgebeugt.

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Vorbeugung

Um einen Stromunfall im Haushalt zu vermeiden, sollte man einige Sicherheitsmaßnahmen einhalten. Kaputte Elektrogeräte sollten niemals verwendet werden. Für Reparaturen an elektrischen Leitungen ist stets ein Fachmann zu rufen. In Haushalten mit Kleinkindern sollten an den Steckdosen Kindersicherungen angebracht werden. Beim Aufenthalt im Freien gilt es während eines Gewitters einen geschützten Ort aufzusuchen, um einen Blitzschlag zu vermeiden. In der Nähe von Überlandstromleitungen ist besondere Vorsicht geboten.

Bücher über Erste Hilfe

Quellen

  • Classen, M., Diehl, V., Kochsiek, K. (Hrsg.): Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2009
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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