Stressinkontinenz

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 27. Oktober 2016
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Stressinkontinenz ist für die Betroffenen sehr unangenehm. Der unwillkürlich abgehende Harn kann zwar durch hygienische Vorlagen gut aufgefangen werden, beeinträchtigt jedoch die Lebensqualität der Patienten. Sie können sich nicht mehr so ungezwungen wie zuvor bewegen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Stressinkontinenz?

Stressinkontinenz wird in der modernen Medizin Belastungsinkontinenz genannt. Gemeint ist damit die physische Belastung des Blasenschließmuskels. Stressinkontinenz ist mit dem unwillkürlichen Abgang von Urin bedingt durch erhöhten Druck im Unterbauch verbunden. Die Patienten verlieren Urin, wenn sie niesen oder die Treppe hinaufsteigen.

Die Patientinnen - die meisten von dieser Inkontinenz-Form Betroffenen sind weiblichen Geschlechts - verspüren zuvor keinen Harndrang. Je nach Schwere der Erkrankung unterscheidet die Medizin drei verschiedene Grade. Als schwere körperliche Belastung werden Husten, Lachen, Niesen und Springen angesehen (Grad 1). Aufstehen, Hinsetzen, Treppensteigen und Laufen gelten als leichte physische Belastungen, die zu einem unwillkürlichen Urin-Verlust führen (Grad 2).

Geht der Urin im Ruhezustand ab, also beispielsweise im Liegen auf dem Sofa, liegt Grad 3 der Stressinkontinenz vor. Bei Belastungsinkontinenz verlieren die Patienten wenig (einige Tröpfchen) oder viel Urin (Strahl). Stressinkontinenz kommt bei Frauen häufiger als bei Männern vor. Außerdem sind von ihr mehr ältere Patienten betroffen als jüngere. Um zu verhindern, dass Unterwäsche, andere Textilien und die Wohnumgebung verschmutzt werden, verwenden die Patienten Inkontinenz-Vorlagen.

Ursachen

Stressinkontinenz kann diverse Ursachen haben. Oft geht sie auf eine konstitutionell bedingte oder erworbene Beckenbodenschwäche zurück. Die Patientinnen haben genetisch bedingt ein zu schwaches Bindegewebe oder es wurde durch Schwangerschaften und natürliche Geburten verursacht. Auch eine angeborene Fehlbildung oder erworbene Schädigung des Blasenschließmuskels können zur Stressinkontinenz führen.

Bei weiblichen Patienten führen außerdem Gebärmutter und Scheiden-Senkung sowie Gebärmutter-Entfernungen zur Inkontinenz. Weitere Verursacher bei Männern und Frauen sind: starkes Übergewicht, schwere körperliche Arbeit, chronische Bronchitis, Blasenentzündung, Nervenschädigungen im Bereich der Harnblase und Prostatakarzinom.

Frauen, die ihre Kinder natürlich entbinden, müssen jedoch nicht befürchten, den während der Schwangerschaft auftretenden unfreiwilligen Harnabgang zeitlebens ertragen zu müssen: Nur zirka sechs Prozent leiden danach unter Stressinkontinenz. Bei Männern kommt es oft nach einer Prostata-Entfernung zu unwillkürlichem Harnabgang.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Stressinkontinenz zeigt sich in Form des Verlusts geringerer und umfangreicherer Mengen an Harn. Bei schwererer Stressinkontinenz geht der Urin schon bei ruhenden Patienten und solchen, die sich kaum körperlich bewegen, ab. Der unkontrollierte Verlust von Harn ist zwar nicht mit Schmerzen verbunden, für die Betroffenen jedoch ausgesprochen unangenehm. Sie befürchten, dass in der Nähe befindliche Personen bemerken, dass sie sich eingenässt haben.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der behandelnde Arzt führt zuerst eine genaue Anamnese durch. Um einen Harnwegsinfekt sicher ausschließen zu können, lässt er den Urin des Patienten untersuchen. Eine allgemeine körperliche Untersuchung vor allem der Genital- und Analregion und neurologische Tests sollen weitere Informationen über die vorliegende Stressinkontinenz erbringen.

Liegt definitiv eine Blasenfunktionsstörung vor, so richtet sich das weitere Vorgehen des Mediziners nach dem Ausmaß der Stressinkontinenz. Es werden bildgebende Verfahren (Ultraschall, CT), Zytoskopien, Urethra-Kalibrierung, Blutuntersuchungen und verwendet. Ein Miktionsprotokoll über die letzten zwei Tage vor der ärztlichen Untersuchung soll weitere Informationen liefern.

Therapie & Behandlung

Die Behandlung erfolgt - je nach Schwere der Erkrankung - konservativ oder über eine Operation. Zu den bewährten konservativen Methoden zählen Beckenbodentraining, Biofeedback, Elektrostimulation, Einsatz eines Pessars, Einnahme von Medikamenten und Kombinationstherapien (medikamentös-physiotherapeutisch).

Bei der Beckenboden-Gymnastik führt der Patient nach einer anfänglichen Einweisung durch den Physiotherapeuten verschiedene einfache Übungen durch, die Muskeln und Bänder des Halteapparats stärken. Er lernt, sie auch im Alltag bewusst nach Bedarf einzusetzen. Beim Biofeedback erhält er noch zusätzlich eine visuelle und akustische Reaktion, wenn er die vorgegebenen Übungen richtig ausführt.

Diese Technik kann noch zusätzlich durch andere Methoden und Gerätschaften wie Elektrostimulation und den Magnet-Stuhl sinnvoll ergänzt werden. Bei der Elektrostimulation wird der Schließmuskel nicht vom Patienten selbst angespannt, sondern über in After oder Vagina eingeführte Elektroden stimuliert. Nur für Frauen geeignet ist das Einsetzen eines Pessars in die Vagina. Es hebt Blasenhals oder Gebärmutter an.

Durch das Ziehen werden der Spreizmuskel aktiviert und Harnröhre und Blasenmuskel gehoben. Medikamentös behandelt wird mithilfe einer Östrogen-Verabreichung oder Verordnung eines selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSNRI). So bewirkt beispielsweise Duloxetin eine erhöhte Ausschüttung von Neurotransmittern. Ebenfalls nur für Frauen geeignet sind Feminakonen, tamponähnlich geformte, unterschiedlich schwere Gewichte, die in die Vagina eingeführt werden und den Beckenboden trainieren.

Erfordert die Stressinkontinenz eine operative Behandlung, so richtet sich die Wahl der chirurgischen Methode danach, ob die Gebärmutter-Absenkung oder die Stressinkontinenz vordringlicher ist. Verursacht der unwillkürliche Harnabgang mehr Probleme, wird ein stabilisierendes Band aus Kunststoff (TOT, TVT) eingelegt. Liegt im Beckenboden-Bereich eine Muskelschwäche vor, wird eine Scheiden-Damm-Plastik durchgeführt.

Bei sehr schwerer Stressinkontinenz hilft nur noch das Einsetzen eines künstlichen Schließmuskels (AMS-Sphinkter, Pro-ACT). Innovativ ist die Implacement-Therapie: Der minimal-invasive Eingriff besteht in der Unterfütterung des Urethra-Gewebes mit Mikropartikeln, die sich in einer Hyaluronsäure-Matrix befinden.




Vorbeugung

Als vorbeugende Maßnahme empfiehlt sich das Trinken von viel Flüssigkeit über den Tag verteilt. Es trainiert den Blasenschließmuskel. Außerdem hat sich die vorbeugende Bodenbecken-Gymnastik (für beide Geschlechter!) bestens bewährt. Auf gar keinen Fall sollte der Patient seine tägliche Flüssigkeitsaufnahme reduzieren, da sich sonst das Fassungsvermögen seiner Harnblase dauerhaft verringert.

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