Stress-Kardiomyopathie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. Oktober 2017
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Die Stress-Kardiomyopathie ist auch als Broken-Heart-Syndrom bekannt. Es handelt sich dabei um eine plötzlich einsetzende Funktionsstörung des Herzens. Die Symptome ähneln den Symptomen des Herzinfarkts.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Stress-Kardiomyopathie?

Synonyme für die Stress-Kardiomyopathie sind Gebrochenes-Herz-Syndrom, Tako-Tsubo-Kardiomyopathie und transiente linksventrikuläre apikale Ballonierung. Die Stress-Kardiomyopathie tritt überwiegend bei älteren Frauen auf. Ähnlich wie beim Herzinfarkt kommt es bei der Erkrankung zu Schmerzen in der Brust, zu Angstgefühlen und zu Übelkeit.

Die Stress-Kardiomyopathie wurde als eigenständige Erkrankung erstmalig 1991 beschrieben. Sie gehört der Definition der American Heart Association (AHA) zufolge zu den erworbenen Kardiomyopathien. Die Ursache konnte bisher noch nicht vollständig geklärt werden. Normalerweise ist die gestörte Herzfunktion nach einigen Wochen wieder hergestellt. Im akuten Stadium kann die Stress-Kardiomyopathie allerdings auch tödlich enden.

Ursachen

Die Pathogenese der Stress-Kardiomyopathie ist nicht vollständig geklärt. Bei vielen Patienten, die mit einer Stress-Kardiomyopathie in die Klinik eingeliefert wurden, konnten erhöhte Adrenalin- und Noradrenalinspiegel im Blut festgestellt werden. Auch Metanephrin, Normetanephrin und Vanillinmandelsäure waren in erhöhter Konzentration zu finden.

Die Konzentration war dabei sogar höher als nach einem tatsächlichen Herzinfarkt. Es wird vermutet, dass diese Stresshormone Ursache der Stress-Kardiomyopathie sind. Symptome, die denen der Stress-Kardiomyopathie ähneln, wurden auch bei Patienten mit einem Phäochromozytom beobachtet. Das Phäochromozytom ist ein Tumor, der Katecholamine produziert und mit einem ähnlich hohen Stresshormonlevel einhergeht.

Da es eine familiäre Häufung zu geben scheint, wird über eine genetische Veranlagung diskutiert. Auch Viren stehen in Verdacht, die Entstehung der Stress-Kardiomyopathie zu begünstigen. Es wird vermutet, dass es durch den erhöhten Stresshormonspiegel zu einer Verkrampfung der Herzkranzgefäße und damit zu einer Minderversorgung des Herzens kommt. Möglicherweise entsteht aber auch eine Überladung mit Kalzium.

Woher genau die erhöhten Hormonspiegel stammen, kann bisher auch nur vermutet werden. Möglicherweise reagiert das autonome Nervensystem in Stresssituationen über und produziert zu viele Hormone. Ein Mangel an Östrogenen in oder nach den Wechseljahren kann das sympathikotone Nervensystem verstärkt aktivieren.

Das würde erklären, warum ausschließlich ältere Frauen von der Erkrankung betroffen sind. Es wird vermutet, dass die Durchblutungsstörungen in den herzspitzennahen Muskelbereichen auf eine unterschiedliche Dichte der Beta-Adrenorezeptoren beruht. Beta-Adrenorezeptoren werden insbesondere durch das Hormon Adrenalin aktiviert.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Stress-Kardiomyopathie beginnt plötzlich mit starken Brustschmerzen und Atemnot. Die betroffenen Frauen empfinden einen krampfartigen Druck oder ein Reißen in der Herzgegend. Die typische Schmerzlokalisation liegt hinter dem Brustbein. Die Schmerzen können aber auch in den gesamten Brustkorb, in die Schultern, in die Oberarme, in den Oberbauch und in den Rücken ausstrahlen.

Die Betroffenen klagen zudem über Atemnot und das Gefühl, dass der Brustkorb verengt sei. Sie leiden unter Schweißausbrüchen und Angstgefühlen. Im Akutstadium kann die Stress-Kardiomyopathie nicht von einem Herzinfarkt unterschieden werden. Charakteristisch für die Erkrankung ist, dass die Beschwerden meist kurz nach einem psychisch belastenden Ereignis auftreten. Typische Ereignisse sind der Tod eines Familienmitglieds, ein Überfall, ein Unfall oder der Verlust des Arbeitsplatzes.

Doch auch aufregende und erfreuliche Nachrichten können die Stress-Kardiomyopathie auslösen. Anfangs wurde die Stress-Kardiomyopathie noch als harmlos erachtet. Mittlerweile ist bekannt, dass es besonders in den ersten Stunden zu schweren Komplikationen kommen kann. Bei rund 15 Prozent aller Patientinnen entwickelt sich ein kardiogener Schock.

Bei neun Prozent kommt es zu ernsten Herzrhythmusstörungen. In der Regel bilden sich die Veränderungen am Herzen aber innerhalb einiger Wochen komplett zurück. Auch die Veränderungen im EKG verschwinden. Rezidive treten nur sehr selten auf.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei der körperlichen Untersuchung kann zunächst alles normal erscheinen. Eventuell zeigen sich dieselben Zeichen wie bei einer Herzinsuffizienz. Dazu gehören beispielsweise Rasselgeräusche über den Lungenflügeln oder ein dritter Herzton. Zu den diagnostischen Kriterien gehört eine zeitweise Bewegungsstörung der linken Herzkammer. Dabei entspricht diese nicht genau dem Versorgungsgebiet des dazugehörigen Herzkranzgefäßes.

Höhergradige Verengungen der Herzkranzgefäße müssen ausgeschlossen sein. Im EKG zeigen sich Veränderungen der Reizleitung wie beim Herzinfarkt. Das EKG zeigt Hebungen der ST-Strecke oder Veränderungen im Bereich der T-Welle. Teilweise ist auch eine Verlängerung der QT-Zeit zu beobachten. Die Symptome der Stress-Kardiomyopathie müssen in einen zeitlichen Zusammenhang mit einer stressigen oder emotional belastenden Situation gebracht werden können.

Röntgenaufnahmen des Brustkorbs sind unauffällig oder zeigen ein Lungenödem als Folge der akuten Herzinsuffizienz. Bei der Echokardiografie können Bewegungsstörungen der linken Herzkammer nachgewiesen werden. Dieses Phänomen wird als apical ballooning bezeichnet. Diese Kontraktionsstörung führt meist zu einer Unbeweglichkeit oder zu einer paradoxen Beweglichkeit der Herzspitze.

Bei der Stress-Kardiomyopathie kann bei der Koronarangiografie keine Einengung oder Verstopfung der Herzkranzgefäße nachgewiesen werden. Durch diesen Befund kann die Stress-Kardiomyopathie sicher vom Herzinfarkt abgegrenzt werden. Mittels Magnetresonanztomografie können die Bewegungsstörung des Herzmuskels und das Fehlen einer Vernarbung sehr gut dargestellt werden.

Komplikationen

Im schlimmsten Fall kann die Stress-Kardiomyopathie zum Tode des Patienten führen. Dieser Fall tritt allerdings erst dann auf, wenn die Beschwerden nicht sofort durch einen Arzt behandelt werden. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an einer Atemnot und weiterhin auch an starken Schmerzen in der Brust. Die Symptome ähneln dabei den Symptomen eines Herzinfarktes, sodass viele Betroffene auch an einer Todesangst oder an einer inneren Unruhe leiden.

Die Schmerzen in der Brust breiten sich in vielen Fällen auch bis in den Rücken aus. Ebenso kommt es zu einem Schweißausbruch und zu Herzbeschwerden. Die Betroffenen wirken müde und abgeschlagen und können dabei gewöhnliche Tätigkeiten oder Sportarten nicht mehr ohne Weiteres durchführen. Die Stress-Kardiomyopathie wirkt sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten aus. Komplikationen treten in den meisten Fällen nur dann auf, wenn die Ursache der Stress-Kardiomyopathie nicht behandelt wird.

Bei der Behandlung der Erkrankung können die Beschwerden mit Hilfe von Medikamenten eingeschränkt werden. Allerdings ist auch eine Beseitigung des Stressauslösers notwendig, um die Beschwerde vollständig einzuschränken. Bei einer erfolgreichen Behandlung kommt es durch die Stress-Kardiomyopathie in der Regel nicht zu einer verringerten Lebenserwartung des Patienten.

Therapie & Behandlung

Derzeit gibt es keine Standardtherapie für die Stress-Kardiomyopathie. Da die Komplikationsrate sehr hoch ist, werden die Patientinnen auf der Intensivstation überwacht. Auf die Gabe von Katecholaminen wird anders als beim Herzinfarkt verzichtet. Eventuell wird eine intraaortale Ballonpumpe (IABP) eingesetzt. Bei stabilen Patienten können Betablocker verabreicht werden. Analog zur Therapie des Phäochromozytoms kommen Alphablocker zum Einsatz.

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Vorbeugung

Da die genauen Entstehungsmechanismen noch nicht geklärt sind, gibt es derzeit keine wirkungsvolle Prophylaxe. Bei Schmerzen in der Brust und Atemnot sollte jedoch so schnell wie möglich ein Krankenhaus aufgesucht werden.

Bücher über Herzinfarkt

Quellen

  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004

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