Strahlenkrankheit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Oktober 2017
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Unter der Strahlenkrankheit versteht man eine Erkrankung durch hohe Strahlung. Betroffene leiden unter diversen Beschwerden und müssen sich einer langwierigen Behandlung unterziehen. Vorbeugen lässt sich der Erkrankung nur in begrenztem Umfang.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Strahlenkrankheit?

Die Strahlenkrankheit ist eine Erkrankung, welche nach kurzzeitiger, starker Bestrahlung durch ionisierende Strahlung auftritt. Der Fall ist dies etwa nach Kernwaffenexplosionen oder Strahlungsunfällen sowie nach dem direkten Kontakt mit radioaktiven Stoffen. Je nachdem, wie lange und intensiv der Kontakt besteht, kann es zu leichten bis schweren Symptomen und im schlimmsten Fall zum sofortigen Tod kommen.

Eine erfolgversprechende Behandlung ist nur bei leichten bis mittleren Erkrankungen möglich und konzentriert sich auf Reduzierung des Strahlengehalts im Körper. Da die Strahlenkrankheit meist plötzlich auftritt, kann ihr nur schwerlich vorgebeugt werden. Es ist allerdings möglich, die Beschwerden durch ein schnelles Handeln zumindest zu reduzieren.

Ursachen

Die Ursache der Strahlenkrankheit liegt in einer erhöhten Belastung durch verschiedene radioaktive Stoffe. Zu einer solchen Überdosierung kommt es beispielsweise bei einem Reaktorunglück, beim direkten Kontakt mit radioaktiven Materialien oder beim dauerhaften Kontakt mit Radio- oder Gammastrahlen. Die sogenannten leicht flüchtigen Stoffe sind ebenfalls ein Auslöser der Strahlenkrankheit.

Dazu zählen Jod-131, Jod-133, Cäsium-13 und Cäsium-137. Bei einem atomaren Unfall können diese Stoffe sich über die Luft verbreiten und dadurch größere Landstriche und die Menschen, die sich im gefährdeten Gebiet aufhalten, kontaminieren. Je nachdem, wie hoch die Strahlenbelastung ausfällt, kommt es zu leichten, mittleren oder schwerwiegenden Symptomen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome, die im Zuge der Strahlenkrankheit auftreten, hängen von der Dosis der Röntgen- und Gammastrahlen ab. Je höher die Dosis, desto schneller treten die Symptome auf und desto länger bleiben sie bestehen. Auch die dauerhaften Auswirkungen sowie die Überlebenschancen hängen von der erhaltenen Äquivalentdosis ab.

Bei kleinen Dosen kann es zu Spätfolgen wie Krebs oder Erbgutveränderungen kommen, wobei diese stochastischen Strahlenschäden keine direkten Symptome sind. Bei leicht höheren Dosen von 0,2 bis 0,5 Sv (Sievert) kommt es zu einer Reduktion der roten Blutkörperchen im Körper. Ein erster Strahlenkater kann bei 0,5 bis 1 Sv auftreten. Es kommt zu Kopfschmerzen, einem erhöhten Infektionsrisiko und einer temporären Sterilität beim Mann.

Von einer leichten Strahlenkrankheit spricht man ab 1 bis 2 Sv. Zu den typischen Symptomen zählen hier unter anderem Übelkeit, Appetitlosigkeit, Ermüdung und ein dauerhaftes Unwohlsein. Außerdem ist die Genesung anderer Verletzungen stark beeinträchtigt. Auch hier kommt es zu temporärer Unfruchtbarkeit beim Mann. Bei einer Belastung von 2 Sv bis 3 Sv spricht man von einer schweren Strahlenkrankheit.

Die Symptome reichen von Haarausfall über ein hohes Infektionsrisiko bis hin zu permanenter Sterilität. Stärkere Strahlenwerte erhöhen die Stärke der genannten Beschwerden und führen im Falle der schwersten Strahlenkrankheit, welche ab 6 Sv vorliegt, zu einem raschen Tod.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Strahlenkrankheit kann im Regelfall anhand der Symptome und der jeweiligen Krankengeschichte diagnostiziert werden. Da die Erkrankung meist in Folge eines atomaren Unglücks auftritt, ist die Ursache leicht auszumachen. Der Arzt hat dann die Aufgabe, die Schwere der Erkrankung festzustellen, was anhand verschiedener Tests und Untersuchungen möglich ist.

So werden zunächst Blutdruck, Puls, Gewicht und Größe festgestellt, anschließend werden die wichtigen Organe untersucht und abgetastet. Im Labor werden durch ein Blutbild Entzündungswerte wie etwa der CRP ermittelt. Auch eine Chromosomenzählung findet statt. Hat der behandelnde Arzt dann bereits eine Vermutung, folgt eine Punktion des Knochenmarks, anhand welcher die Schwere der Strahlenkrankheit festgestellt werden kann. Ultraschalluntersuchungen gehören ebenso zum Standard bei der Diagnostik der Strahlenkrankheit.

Komplikationen

Der Verlauf der Strahlenkrankheit ist von der empfangenen Strahlendosis abhängig. Im besten Fall kommt es zu geringen Langzeitschäden, im schlimmsten Fall tritt innerhalb weniger Minuten der Tod ein. Werden mittlere Dosen aufgenommen, kommt es innerhalb der ersten Stunden und Tage zu Veränderungen des Blutbildes, Hautschäden und inneren Blutungen, die auf lange Sicht ebenfalls zum Tod führen können.

Mit welchen Komplikationen bei der Stahlenkrankheit zu rechnen ist, hängt von der Intensität der Strahlung ab, die der Betroffene ausgesetzt war. Allerdings können schon geringe Strahlendosen schwere Spätfolgen wie eine Erbgutveränderung oder Krebs bedingen. Bei mittleren Dosen können schwere Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit zu einem rapiden Gewichtsverlust führen, der wiederum sehr ernsthafte Kreislaufprobleme bis hin zum Kollaps nach sich ziehen kann.

Außerdem ist bei einer höheren Strahlendosis mit dem Verlust der Körperhaare, insbesondere der Kopfhaare, zu rechnen. Bei Männern kommt es nicht selten zu einer Sterilität, die dauerhaft sein kann. Des Weiteren steht eine Störung der Wundheilung zu befürchten, so dass sich auch kleinere Verletzungen entzünden können und das Risiko einer Sepsis signifikant ansteigt.

Bei hohen Strahlendosen kommt es oftmals zu einer Zerstörung der Darmschleimhaut. In diesen Fällen können Darmbakterien ins Blut gelangen. Der Körper ist meist nicht mehr im Stande, die Krankheitserreger effektiv abzuwehren, da die Zellen im Knochenmark angegriffen sind und nicht mehr genug weiße Blutkörperchen produzieren.

Die Krankheitserreger können sich deshalb innerhalb kürzester Zeit sehr stark vermehren, was zu einer schweren Sepsis und einem daraus resultierendem Versagen eines oder mehrerer Organe führen kann. In diesem Fall besteht akute Lebensgefahr für den Patienten. Sehr hohe Strahlendosen führen in der Regel zeitnah zum Tod des Betroffenen.

Therapie & Behandlung

Die Strahlenkrankheit wird in erster Linie durch Bluttransfusionen oder Stammzelltransplantation behandelt. Dadurch ist es möglich, die Schäden im Blut und in den Zellen zu beheben und zu verhindern, dass es zu Begleiterkrankungen kommt. Außerdem werden im Verlauf der Therapie Vitaminpräparate verabreicht, um die Blutregeneration zu beschleunigen.

Weiterhin wird der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust ausgeglichen, was ebenfalls durch entsprechende Präparate und Infusionen geschieht. Entstandene Hautschäden müssen frühzeitig behoben werden, da der Organismus nach einer Bestrahlung besonders anfällig für Infektionskrankheiten ist. Aus diesem Grund werden Patienten in der Regel mit verschiedenen Medikamenten wie Antibiotika und Schmerzmitteln behandelt.

Da starke Strahlung die Darmschleimhaut schädigen oder sogar zerstören kann, was wiederum dazu führt, dass Darmbakterien in die Blutbahn gelangen, konzentriert sich die Therapie zu wesentlichen Teilen auch auf die Wiederherstellung der Darmaktivität. Die Gabe von Medikamenten kommt hierfür ebenso in Frage wie Operationen und Transplantationen.

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Vorbeugung

Einer Strahlenkrankheit lässt sich vorbeugen, indem der Kontakt mit radioaktiven Stoffen vermieden wird. Kommt es zu einem Kontakt, kann eine sofortige Dekontamination, also eine Entfernung der radioaktiven Verunreinigung, zu einer schnelleren Genesung führen. Außerdem wird Iod verabreicht, um die Schilddrüse zu entlasten und zu verhindern, dass sich radioaktives Iod festsetzen kann. Weitere Möglichkeiten, der Strahlenkrankheit vorzubeugen, existieren nicht.

Bücher über Radioaktivität, Vergiftungen

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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