Stimmritzenkrampf

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. Oktober 2017
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Der Stimmritzenkrampf ist ein Spasmus, der mit anhaltenden Kontraktionen der dort ansässigen Muskeln die Aspiration von Flüssigkeiten verhindert. Ein Stimmritzenkrampf wird meist von eingeatmeten Wassertropfen verursacht und stellt besonders für Wassersportler eine Gefahr da. Die Gabe von Muskelrelaxanzien beendet den Krampf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Stimmritzenkrampf?

Die Stimmritze ist in der Medizin auch unter der Bezeichnung Glottis bekannt. Es handelt sich dabei um den Stimmlippenapparat, die Stimmritze und die zugehörigen Stellknorpelstrukturen. Beim Stimmritzenkrampf verkrampfen sich die Stimmritze und der Kehlkopf.

Dieses Phänomen ist auch als Laryngospasmus oder Glottiskrampf bekannt und ist ein schützender Mechanismus, der an und für sich keinen pathologischen Wert besitzt. Statt mit Krankheitswert einherzugehen, verhindert der Stimmritzenkrampf, dass Flüssigkeiten in die nahegelegene Luftröhre eintreten. Sogar bei Bewusstlosigkeit löst sich der Krampf nicht automatisch auf.

Solange die Muskeln im Gebiet der Stimmritze kontrahieren, ist die Luftröhre sozusagen verschlossen und damit vor dem Eintritt etwaiger Substanzen sicher. In der Anästhesie zählt der automatische und unwillkürliche Schutzmechanismus allerdings zu den verheerendsten Komplikationen. Klinisch relevant ist auch der Unterdruck, den ein Stimmritzenkrampf auslösen kann. Dieser Unterdruck kann die Bildung eines Ödems begünstigen.

Ursachen

Ein Stimmritzenkrampf wird in den meisten Fällen durch eingeatmete Wassertropfen verursacht. Daher kommt es speziell im Wassersport oder Tauchsport oft zu dem Phänomen. Da die Atmung beim Stimmritzenkrampf aussetzt, erleiden die Betroffenen oft Panik und werden im Verlauf sogar ohnmächtig. Im Tauchsport ist das eine gefürchtete Komplikation.

Da sich der Krampf auch nach der Ohnmacht nicht in allen Fällen löst, ersticken Taucher mit Stimmritzenkrampf häufig in einer Folge des Krampfs. Diese Art von Ertrinken durch eine anhaltende Blockade der Atemwege wird auch trockenes Ertrinken genannt. Die Ursache des Ertrinkens ist allerdings nicht der Krampf der Stimmritze selbst.

Die auslösende Ursache des Krampfes lässt sich unter Wasser nicht durch den eigentlich vorgesehenen Hustenreflex beseitigen. Dieser Zusammenhang löst den Spasmus der Stimmritzenmuskeln erst aus. Unabhängig vom Wassersport kommt der Stimmritzenkrampf zuweilen in der Narkoseein- oder -ausleitung vor, da bei der Intubation oder Extubation eine Manipulation und Exzitation der Luftwege registriert wird.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Der Stimmritzenkrampf ist ein Spasmus. Die Betroffenen erleben also eine unwillkürlich herbeigeführte, lange anhaltende und stark ausgeprägte Kontraktion der Stimmritzenmuskeln. Oft ist ein Spasmus mit mehr oder minder starken Schmerzen vergesellschaftet, die durch die ungewöhnlich heftigen Kontraktionen in den Muskeln entstehen.

Beim Stimmritzenkrampf handelt es sich nicht um einen klonischen, sondern tonischen Spasmus. Die Kontraktion ist also relativ statisch und gleichbleibend. Üblicherweise hält sie über eine lange Zeit in gleichbleibender Stärke an. Während des anhaltenden Krampfes setzt die Atmung der Patienten aus und sie geraten in Panik. Je panischer sie werden, desto schneller verlieren sie das Bewusstsein. Beim Krampf entsteht ein Unterdruckverhältnis, das begleitsymptomatische Ödeme begünstigen kann.

Diese Wassereinlagerung kann innerhalb kürzester Zeit eine Schwellung hervorrufen. Falls es zur Ödembildung kommt, kann sich aus dem Stimmritzenkrampf ein lebensbedrohlicher Zustand entwickeln. Das gilt vor allem bei der Beteiligung der oberen Atemwege, wo etwaige Ödeme die Atmung beeinträchtigen und daher einer sofortigen Intervention bedürfen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose auf einen Stimmritzenkrampf wird, wenn überhaupt, vom Notarzt gestellt. Der Kontext der auslösenden Situation und die Blickdiagnose liefern ihm in den meisten Fällen genügend Informationen für eine Diagnose. Nach der Diagnostik und Erstbehandlung des Patienten durch den Notarzt muss der Patient ins Krankenhaus gebracht werden.

Das ist wichtig, um die Bildung von Ödemen in den oberen Atemwegen auszuschließen. Stimmritzenkrämpfe haben an sich eine günstige Prognose. Eine Ausnahme bilden solche, die unter oder im Wasser stattfinden und die Betroffenen ohnmächtig untergehen lassen.

Komplikationen

Die heftigen Kontraktionen, die bei einem Stimmritzenkrampf auftreten, können im Verlauf der Erkrankung verschiedene Beschwerden mit sich bringen. Meist treten starke Schmerzen auf, die Probleme beim Schlucken und Atmen verursachen. Falls sich ein Ödem bildet, kann ein Stimmritzenkrampf lebensbedrohliche Komplikationen hervorrufen.

Aufgrund der beeinträchtigten Atmung kommt es dann zu Kurzatmigkeit, Atemnot oder Aspiration. Die Betroffenen geraten meist auch in Panik und hyperventilieren, wodurch es schließlich zum Bewusstseinsverlust kommt. Wird der Spasmus spätestens dann nicht behandelt, droht die betroffene Person zu ersticken. Die notärztliche Versorgung birgt ebenfalls Risiken. So kann die Überdruckbeatmung Druckstellen hervorrufen oder dazu führen, dass die Atemwege austrocknen.

Werden unpassende Schläuche verwendet, so kann dies zu Augenreizungen führen. Das begleitend dazu verabreichte Medikament Succinylcholin kann unter Umständen Herz-Kreislauf-Probleme, Muskelschmerzen und Störungen des Augeninnendrucks hervorrufen. Außerdem können allergische Reaktionen auftreten oder der Patient erleidet aufgrund einer anderweitigen Erkrankung Wechselwirkungen wie Herzrhythmusstörungen oder Magen-Darm-Beschwerden.

Weitere Komplikationen können auftreten, wenn der Patient regelmäßig andere Medikamente einnimmt oder körperlich sehr geschwächt ist. Die Gabe von Arzneimitteln muss dann in jedem Fall ärztlich überwacht werden.

Behandlung & Therapie

Zur den ersten Schritten der notärztlichen Behandlung zählt bei einem Stimmritzenkrampf ist eine Überdruckbeatmung durch eine Maske. Diese Maßnahme löst in leichten Fällen nicht nur den Krampf, sondern beugt auch der Entstehung von Ödemen vor. In vielen Fällen bedarf es nach dieser Maßnahme keiner weiteren Therapie der Krampferscheinung, da sich der Spasmus von selbst wieder auflöst hat und die auslösende Ursache längst beseitigt ist.

Abhängig von der Stärke des Spasmus und der Intensität der auslösenden Ursache löst spätestens die einsetzende Ohnmacht die Kontraktionen und die Atmung setzt wieder ein. Da die Bewusstlosigkeit aber nicht zwingend zur Auflösung der Krampferscheinungen führen muss, kann eine weiterführende Behandlung in Einzelfällen durchaus erforderlich werden. Meist erfolgt die Behandlung durch die Gabe von Muskelrelaxanzien.

Die Gabe von Succinylcholin löst den Krampf beispielsweise in Sekunden. Da sich diese Medikamente aber auch auf die Atemmuskulatur auswirken, muss der Patient bei der Gabe zwingend intubiert werden. Bis die Muskelrelanxazien ihre Wirkung verlieren, findet in diesem Fall künstliche Beatmung statt. Falls sich trotz aller Maßnahmen Ödeme bilden, müssen diese Ödeme im Krankenhaus aufgelöst werden. Diese Auflösung erfolgt in der Regel medikamentös, aber erfordert bei Beteiligung der oberen Atemwege eine ärztliche Überwachung.

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Vorbeugung

Dem Stimmritzenkrampf lässt sich vorbeugen. So sollten speziell Wassersportler Maßnahmen treffen, um keine Wassertropfen zu aspirieren. Stimmritzenkrämpfe bei der Narkose müssen von Seiten der Narkoseärzte vorgebeugt werden, indem die Atemwege bei der Extubation und Intubation nicht stark gereizt werden. Als Komplikation in der Anästhesie sind Stimmritzenkrämpfe durch die mittlerweile verschärften Vorbeugemaßnahmen eher selten geworden.

Bücher über Heiserkeit

Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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