Stille Feiung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. Februar 2017
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Bei der stillen Feiung infiziert sich der Mensch mit einem Erreger, bemerkt jedoch die Infektion wegen des asymptomatischen Verlaufs nicht. Eine stumme und subklinische Infektion liegt vor. Durch diese Infektion wird er gegen den spezifischen Erreger immunisiert und erkrankt zukünftig nicht mehr an der Erregergruppe.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die stille Feiung?

Im klinischen Umfeld wird der Begriff "still" meist verwendet, wenn im Rahmen von Erkrankungen keine Symptome auftreten. Die klinische Symptomatik von asymptomatischen Krankheitsbildern ist also eine stille Symptomatik. Die stille Feiung bezieht sich auf das Immunsystem.

Wenn ungeimpfte, gesunde Kinder mit einem starken Immunsystem mit bestimmten Krankheitserregern in Kontakt geraten, erfolgt der Prozess der stillen Feiung im Sinne einer sich entwickelnden Immunität. Das ungeimpfte Kind erlebt bei diesem Phänomen eine sogenannte stumme Infektion. Die Infektion führt nicht zum Ausbruch der Krankheit, sondern verläuft asymptomatisch und resultiert in die Immunität gegen den Krankheitserreger.

Stumme Infektionen sind entweder persistierend oder subklinisch. Bei der subklinischen Form verhindert das Immunsystem den Krankheitsausbruch. Bei der persistierenden Form überlebt der Krankheitserreger im Wirt, produziert allerdings keine Erreger nach. Bei dieser Variante kann es später zu klinischen Krankheitszeichen kommen, so zum Beispiel in Stresssituationen.

Funktion & Aufgabe

Die Immunologie hat erkannt, dass ein Organismus gegen die Erreger von Infektionskrankheiten, nach stummen oder asymptomatisch verlaufenden Infektionen, eine Immunität entwickeln kann. Der jeweilige Erreger wird im Körper mittels des Immunsystems gänzlich abgetötet, ohne dass die betroffene Person in der Vergangenheit gegen den Erregertyp immunisiert worden ist. Nach der erfolgten Infektion sind an der betroffenen Person keine Krankheitsanzeichen zu beobachten. Die stillen Feiung funktioniert damit ähnlich einer Impfung und führt dazu, dass der Betroffene vor erneuten Infektionen mit dem jeweiligen Erreger geschützt ist. Der Betroffene kann nach einer stillen Feiung also nicht mehr an Krankheiten des jeweiligen Erregertyps erkranken, da in seinem Immunsystem Antikörper aus der direkten Konfrontation mit dem Erreger zurückbleiben.

In den meisten Fällen bemerkt die betroffene Person von der anzeichenlosen Immunisierung nichts. In einigen Fällen berichten die Betroffenen allerdings von einer allgemeinen Abgeschlagenheit oder dem Gefühl von Müdigkeit. Diese Symptome werden in der Regel jedoch nicht mit Krankheitswert in Verbindung gebracht.

Bei der stillen Feiung infiziert sich der Mensch mit einem Erreger, bemerkt jedoch die Infektion wegen des asymptomatischen Verlaufs nicht.

Gemäß der bisherigen Beobachtungen kommt es am Menschen nur dann zu einer stillen Feiung, wenn er zum einen ein starkes Immunsystem besitzt und es zum zweiten mit einer Infektionen zu tun hat, deren Erreger sich bereits stark an menschliche Reservoirwirte angepasst haben. Nur bei angepassten Erregern soll ein gesundes Immunsystem dazu in der Lage sein, ihm bislang unbekannte Erreger in ausreichendem Maß zu bekämpfen und den Menschen damit vor späteren Infektionen mit demselben Erreger zu schützen.

Die Basis für die stille Feiung ist die Adaptionskraft des Immunsystems. So besitzt jeder Mensch neben einem angeborenen und unspezifischen Immunsystem eine spezifische, adaptive Immunabwehr, die auch als immunologisches Gedächtnis bekannt ist. Die immunsystemische Anpassungsfähigkeit gegenüber neuen Krankheitserregern erhält das Immunsystem durch die Fähigkeit, Antigene als spezifische Strukturen zu erkennen und molekular gezielte Antikörper gegen den spezifischen Angreifer zu bilden. Die nach einer Infektion zurückbleibenden Antikörper sind spezifische Antikörper und entsprechen Gedächtniszellen, die bei einem wiederholten Kontakt mit dem Erreger in kürzester Zeit angemessene Abwehrreaktionen umsetzen.

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Krankheiten & Beschwerden

Stille Feiungen wurden bislang vor allem mit den Erregern von Krankheiten wie etwa Mumps beobachtet. Die subklinische Form ist die oben beschriebene Variante der stummen Feiung. Nicht alle Menschen erleben stille Feiungen aber dauerhaft subklinisch. Bei einigen Menschen kommt es zwar nicht zu Symptomen, aber die Erreger bleiben in ihrem Körper zurück und werden von ihrem Immunsystem nicht vollständig ausgelöscht. In diesem Zusammenhang ist von der persistierenden Infektion als Untergruppe der stillen Feiung die Rede.

Der jeweilige Erreger überlebt also über mehr oder weniger unbegrenzte Zeit innerhalb des Wirts. Aus nicht näher bekannten Gründen produziert er allerdings nur wenige oder überhaupt keine produktiven Erreger. Daher bleibt auch diese Art der Infektion vorerst symptomlos. Wenn allerdings Belastungen wie Stress, falsche Ernährung und Schlaflosigkeit hinzukommen oder das Immunsystem in anderer Weise beeinträchtigt wird, treten bei persistierenden Formen der stillen Feiung nach Monaten oder Jahren manchmal klinische Symptome einer Infektion auf.

Die Medizin kennt mehrere Untervarianten der persistierenden Infektion. Der Begriff der tolerierten Infektion beschreibt zum Beispiel eine intrauterin erworbene Infektion, deren Erreger sich normal weitervermehren, aber regelmäßig vom Organismus ausgeschieden werden.

Die latente Infektion bildet die zweite Untergruppe. Bei dieser Form halten sich die Erreger und das Immunsystem über lange Zeit die Waage. Nach geraumer Zeit gewinnt eine der beiden Seiten die Oberhand und die Krankheit bricht entweder mit klinischen Symptomen aus oder dem Immunsystem gelingt die vollständige Abtötung der Erreger.

Eine letzte Form der stumm persistierenden Infektion ist die maskierte Infektion. Bei dieser Art der Infektion ist die Krankheit weder indirekt noch direkt nachweisbar. Während stumme, subklinische Infektionen zu einer stillen Feiung führen, muss das für persistierend stumme Infektionen nicht gelten. Die stille Feiung tritt nur dann ein, wenn das Immunsystem Oberhand gewinnt und aus dem Kampf Antikörper zurückbleiben, die sich an die spezifischen Erreger der Infektionskrankheit erinnern können.

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