Stellknorpel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Die Stellknorpel (Aryknorpel) gehören zum Kehlkopf und beeinflussen wesentlich die Stimmgebung. Sie sind durch Muskeln miteinander verbunden, was sie äußerst beweglich macht. Aufgrund ihrer äußeren Form werden sie mitunter auch Gießbeckenknorpel genannt.

Inhaltsverzeichnis

Was sind die Stellknorpel?

Die beiden Stellknorpel befinden sich an den oberen hinteren Gelenkflächen des Ringknorpels. Wenn sich die sie verbindenden Zwischenstellknorpelmuskeln anspannen, rücken die Stellknorpel näher aufeinander zu.

Durch diese Bewegungen werden die Stimmlippen enger zueinander geführt, welche am vorderen Teil der Stellknorpel angebracht sind. Außerdem wird so die zwischen den Stimmbändern liegende kleine Stimmritze erweitert oder verengt. Dies ist eine entscheidende Voraussetzung für die Stimmerzeugung (Phonation). Ein weiterer seitlich zum Ringknorpel verlaufender Muskel ist für das Entfernen der Stimmlippen voneinander verantwortlich, was wiederum für das Einatmen wichtig ist.

Anatomie & Aufbau

Neben den relativ kleinen Stellknorpeln besteht der menschliche Kehlkopf aus dem deutlich größeren Schildknorpel, dem Ringknorpel sowie dem Kehldeckel. An den Stellknorpeln liegen außerdem die sogenannten Hörnchenknorpel. Der Schildknorpel ist von außen gut zu sehen und zu betasten; er bildet die vordere Wandung des Kehlkopfes.

Umgangssprachlich wird der Schildknorpel Adamsapfel genannt. Der Ringknorpel liegt waagerecht darunter, gefolgt von den Knorpelspangen der Luftröhre. Der Kehldeckel verschließt sodann den Kehlkopfeingang gegen den Rachen und ist mit dem Schildknorpel verbunden. Neben den Muskeln werden die verschiedenen Knorpel von Bändern zusammengehalten. Der Kehlkopf selbst ist mittels einer Membran am Zungenbein aufgehängt und innen mit einer Schleimhaut versehen. Die Stimmbänder (Stimmlippen) spannen sich zwischen den beiden Stellknorpeln und der hinteren Wand des Schildknorpels.

Der Abstand und die Spannung der Stimmlippen sowie die Arbeit der Kehlkopfmuskeln sorgen wesentlich für den Grundklang der menschlichen Stimme. Er wird auch primärer Kehlkopfklang (Primärschall) genannt. Zu Sprachlauten wird er dann durch Bewegungen der Zunge und des Mundes geformt. Resonanzen im Rachen-, Mund- und Nasenbereich ergeben schließlich den voluminösen Klang der Stimme.

Funktion & Aufgaben

Beim Vorgang des Schluckens wird der Kehlkopf durch seine Muskeln nach vorn oben gezogen und so mit dem Kehldeckel verschlossen. Dieser Mechanismus verhindert, dass feste oder flüssige Nahrung in die Luftröhre gerät. Entzündungen des Kehlkopfs kommen relativ häufig vor. Oft rühren sie von Infekten der Atemwege her. Der Kehlkopfkrebs ist wiederum eine typische Erkrankung unter Rauchern.

Spezielle Infektionserkrankungen wie zum Beispiel die Diphtherie treten bevorzugt als Kehlkopfentzündung in Erscheinung. In vielen Fällen sind dabei auch die Stimmbänder stark betroffen. Sobald deren fein abgestimmtes Muskelsystem Schaden nimmt, verändert sich leicht ihre Grobspannung. Die Stimmlippen können dann die Stimmlage (Tonhöhe) nicht mehr richtig regulieren, weshalb zum Beispiel die Stimme heiser und brüchig wird („Roboter-Phänomen“). Der Kehlkopf des Mannes ist in der Regel wesentlich größer als der der Frau. Sämtliche Knorpel des Kehlkopfs bis auf den Kehldeckel entwickeln eine starke Neigung zum Verknöchern, welche sich im Alter deutlich beschleunigt. Speziell die Gießbeckenknorpel sind durch die Knorpelhautentzündung am Kehlkopf stark gefährdet.

Sie kommt selten vor, ist aber sehr gefährlich. Eine starke Vereiterung kann in der Folge die Stellknorpel befallen, was im schlimmsten Fall zur Abstoßung der Knorpel führt. Durch Hustenstöße werden sie in solchen Fällen dann ausgeschieden. Häufig werden die Stellknorpel und mit ihnen die Stimmbänder von sehr mannigfaltigen Schleimhautentzündungen (Kehlkopfkatarrhen) geschädigt. Hierfür reicht oft schon das Einatmen kalter, staubiger und rauer Luft. Daneben entstehen Schleimhauterkrankungen durch sehr angestrengtes Sprechen oder Singen. Sie wirken sich durch eine verstärkte Schleimabsonderung und häufiges Husten aus. Wenn die Schleimhäute merklich anschwellen, verändert sich oft auch deutlich die Stimme. Sie schwenkt aus einem eher tiefen Stimmbereich plötzlich in eine ungewohnt hohe Tonlage über. Auch eine vorübergehende Stimmlosigkeit durch chronische Heiserkeit ist möglich.

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Krankheiten

Geschwüre im Kehlkopfbereich bilden sich zumeist ebenfalls auf den Schleimhäuten. Zum Beispiel kann die Syphilis sehr schwerwiegende Verunstaltungen des Kehlkopfs anrichten. Diese werden Verschwärtungen genannt. Ihnen schließt sich oft eine Narbenbildung an.

Der Stimme droht nicht selten das Verstummen, weil sich die Stimmritze sehr verengt oder sogar völlig schließt. Sehr oft kommt die Kehlkopfschwindsucht vor, in deren Verlauf große tuberkulöse Geschwüre die Schleimhaut angreifen. Diese bedrohen den Kehlkopf so stark, dass einzelne Knorpel wie die beiden Stellknorpel ausgelöst und abgesondert werden können. Darüber hinaus können der Kehldeckel vernichtet und die Stimmlippen zerstört werden. Die Stellknorpel können so ihre Funktion nicht mehr erfüllen. Anatomisch sind die hinteren Enden der Stimmlippen mit den beiden Gießbeckenknorpeln verbunden.

Beim Atmen öffnen sich die Stimmlippen weit; die zwischen ihnen befindliche Stimmritze bekommt so ihre typische Dreiecksform. Hat eine Opernsängerin einen besonders hohen Ton hervorzubringen, dann öffnen und schließen sich ihre Stimmlippen rund eintausend Mal pro Sekunde. An diesem äußerst sensiblen Mechanismus sind viele verschiedene Muskeln beteiligt. Die Stimmlippen sind schichtförmig aufgebaut. Der Stimmmuskel stellt dabei die Grundlage dar. Darüber liegen elastische Fasern (Lamina propria). Diese bilden eine bandartige Auflage, die sich vom Schildknorpel bis zu den beiden Stellknorpeln erstreckt.

Das sind die eigentlichen Stimmbänder (Ligamentum vocale). Sie sind an ihrer Oberfläche wie die Aryknorpel selbst mit empfindlichen Schleimhäuten verkleidet. Dort siedeln sich sehr schnell und leicht verschiedenste Krankheitserreger an, die Entzündungen im Halsbereich und damit Beeinträchtigungen der Stimme nach sich ziehen können.

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