Steißbeinluxation

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. Oktober 2017
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Bei der Luxation des Steißbeines (Os coccygeum) handelt es sich um eine selten vorkommende Verschiebung der verknöcherten untersten Wirbel in Richtung des Kreuzbeins. Die Ursachen für dieses schmerzhafte Ereignis sind vielfältig, oft aber durch Stürze hervorgerufen. Die Steißbeinluxation kann ohne Operation gut behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Steißbeinluxation?

Das Steißbein besteht aus drei bis fünf zusammengewachsenen Wirbeln am Ende der Wirbelsäule. Es ist durch das Sakrokokzygealgelenk mit dem Kreuzbein verbunden. Bei der Luxation findet sich eine Verschiebung dieser Verbindung. Zu unterscheiden ist die Steißbeinluxation von der Steißbeinfraktur und der Steißbeinprellung.

Bei einer Prellung sind Wirbel weder gebrochen noch verschoben. Eine Fraktur kann aber eine Verschiebung des Gelenks zum Kreuzbein beinhalten. Alle drei Ereignisse verursachen zunächst ähnliche Beschwerden und Schmerzen. Eine genaue Diagnose ist Voraussetzung für die richtige Therapie und den Behandlungserfolg.

Ursachen

Der Diagnostiker kann eine Steißbeinluxation nach einem ungebremsten Sturz mit Aufprall auf den unteren Rücken oder des Beckens vorfinden. Bei einem solchen Ereignis wirken extrem hohe Kräfte plötzlich auf den unteren Teil der Wirbelsäule ein, die diese nicht abfedern kann. Als Folge werden Gelenke schlagartig aus ihrer normalen Lage verschoben, was sofort heftige Schmerzen auslöst.

Auch bei Opfern von Autounfällen kann eine Verschiebung der unteren Wirbel vorliegen. Ebenfalls können dauerhafte Fehlhaltungen wie langes Liegen oder Sitzen, eine schleichende Luxation von Wirbeln und Gelenken zur Folge haben. Fehlhaltungen wirken sich ungünstig auf die Funktion der Bänder und Sehnen aus, die die Lage des Steißbeines stabilisieren sollen.

Verändern sich diese Haltemechanismen über einen langen Zeitraum, können sich Gelenkverbindungen verschieben. Die Folge sind zunehmende Schmerzen unter anderem auch Nervenentzündungen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Verschiebung der Gelenke verursacht starke Schmerzen, die auch in die Beine ausstrahlen können. Laufen und besonders das Sitzen ist kaum möglich oder nur dann, wenn das Gewicht sehr vorsichtig auf die weniger betroffene Seite des Beckens verlagert wird. Husten, Lachen oder Niesen verursachen ebenfalls Schmerzen.

Grund dafür ist, dass viele Sehnen und Muskeln am Steißbein ansetzen. Diese haben eine wichtige stabilisierende Funktion. Ist die Steißbeinluxation durch plötzliche Gewalteinwirkung entstanden, findet sich als sichtbares äußeres Zeichen oft ein entsprechendes Hämatom auf der Haut. Dieser „blaue Fleck“ ist ein Zeiger für die Quetschung von Gewebe mit Einblutung und kann zur Lokalisation der Luxation hilfreich sein.

Allerdings ist ein sichtbares Hämatom nicht immer ein Zeichen für eine Gelenkverschiebung. Je nach Grad der Luxation können die Schmerzen in das Gesäß ausstrahlen. Wurden Nerven eingeklemmt kann es zu einem Kribbeln kommen, das sich ähnlich anfühlt, wie ‚eingeschlafene‘ Extremitäten. Erst die genaue Untersuchung zeigt, ob es sich um eine Ausrenkung, einen Bruch oder eine Prellung handelt. Letztere bedarf meistens keiner Behandlung.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine gesicherte Diagnose, durch die eine Fraktur ausgeschlossen werden kann, lässt sich mit einer Röntgenaufnahme erzielen. Sie wird in den meisten Fällen veranlasst. Bei unsicherem Befund können weitere Untersuchungen wie die Ultraschalluntersuchung, die Untersuchung per Computertomographie oder durch die Magnetresonanztomographie eingesetzt werden. Ein erfahrener Arzt kann eine Steißbeinluxation mit dem Finger ertasten.

Der Krankheitsverlauf ist abhängig vom Grad der Luxation und der Konstitution des Patienten. In erster Linie aber von der Diagnose. Wird die Aushebelung des Gelenks nicht erkannt, weil die Steißbeinluxation nicht in den Focus des Behandlers rückt, kann es zu einem langen Krankheitsverlauf mit Folgeschäden kommen.

Sobald die Verschiebung korrigiert ist, sind Patienten meist schnell schmerzfrei. Je nachdem, wodurch die Gelenkverschiebung verursacht wurde, kann der Patient mit entsprechendem Training dafür sorgen, dass ein solches Ereignis nicht so schnell wieder eintritt.

Komplikationen

Eine Luxation des Steinbeins ruft starke Schmerzen hervor, die bis in die Beine ausstrahlen können. Meist treten die Schmerzen sowohl beim Laufen und Sitzen als auch beim Husten, Lachen oder Niesen auf. Wurden Nerven eingeklemmt, können Sensibilitätsstörungen und ein unangenehmes Kribbeln auftreten. Typisch sind „eingeschlafene“ Arme oder Beine, die bei den Betroffenen meistens ein starkes Unwohlsein hervorrufen.

Wird die Verschiebung des Gelenks nicht erkannt, kann sich eine chronische Erkrankung mit Folgeschäden entwickeln. Im Lauf der Zeit treten zum Beispiel Gelenkverschleiß und Gelenkschäden auf, die zu weiteren Bewegungseinschränkungen führen. Chronische Schmerzen belasten nicht zuletzt auch die Psyche – es können sich Depressionen entwickeln. Bei der Behandlung einer Steißbeinluxation gehen die Risiken hauptsächlich von den verordneten Schmerzmitteln aus.

Erfolgt die Einnahme über einen langen Zeitraum hinweg, ist das stets mit Nebenwirkungen verbunden und kann außerdem zu Spätfolgen wie Herz- und Leberschäden oder chronischen Magen-Darm-Erkrankungen führen. Ist eine Physiotherapie notwendig, so kann es beispielsweise zu Muskelkater, Verspannungen oder Blutergüssen kommen. Größere Komplikationen treten auf, wenn der Patient über einen längeren Zeitraum falsch behandelt wird. Bei der Behebung der Luxation durch den Proktologen sind Komplikationen unwahrscheinlich.

Behandlung & Therapie

Eine unkomplizierte Steißbeinluxation lässt sich von einem erfahrenen Arzt (Proktologe) rektal mit dem Zeigefinger ertasten und sofort beheben. Eine Operation ist dazu nicht erforderlich. Der Arzt führt seinen Zeigefinger in den Enddarm ein und findet so den Ort der verschobenen Wirbel und Gelenke. Diese können nun mit einem gezielten Zug vom Kreuzbein weg, wieder in ihre ursprüngliche Position gebracht werden.

Hierzu fasst der Arzt das Steißbein mit Zeigefinger und Daumen, wobei der Daumen außen am Körper liegt. Der Patient verspürt sofort Erleichterung und nachlassenden Schmerz. Sollten die Schmerzen länger anhalten, ohne dass ein anderer Grund dafür zu finden ist, kann es hilfreich sein den Patienten nach erfolgreicher Behandlung mit einigen Physiotherapieeinheiten zu versorgen.

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Vorbeugung

Unfälle geschehen selten mit Ankündigung und noch seltener mit Vorsatz, sodass die Vorbeugung von Geschehnissen nur das Bemühen in der Vermeidung von Risikofaktoren liegen kann. Und doch ist Vorbeugung insofern möglich, als dass Muskeln und Sehnen des Körpers vital und leistungsfähig gehalten werden. In erster Linie heißt dies: Muskeln und Bänder des Halteapparates zu stärken und beweglich zu bleiben.

Sport und Bewegung, wie natürliche Nahrungsmittel mit Zufuhr von Vitaminen und Mineralien gehören dazu. Dadurch werden Gelenke und Wirbel an ihrem Platz gehalten und nicht so leicht verschoben. Ein gut trainierter Körper federt deshalb nicht nur Stöße und Belastungen besser ab, sondern regeneriert auch schneller mit weniger Komplikationen als ein untrainierter.

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Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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