Steißbeinfraktur

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. Oktober 2017
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Der unterste Teil der Wirbelsäule, der ein Relikt aus unserer tierischen Vergangenheit darstellt, nennt sich Steißbein. Es ist ein aus verwachsenen Wirbeln zusammengesetztes, knöchernes Gebilde, das durch Rückbildung des Schwanzes im Laufe der Evolution entstanden ist. Eine Steißbeinfraktur kann sehr schmerzhaft sein und eine langwierige Heilung bedeuten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Steißbeinfraktur?

Die Wirbelsäule wird in fünf Bereiche eingeteilt. Von oben nach unten sind dies die Hals-, die Brust- und die Lendenwirbelsäule, das Kreuzbein und das Steißbein. Während in den oberen drei Abschnitten die Wirbel klar voneinander getrennt und durch die Bandscheiben vor Stößen geschützt sind, bestehen das Kreuzbein und das Steißbein aus miteinander verwachsenen Wirbeln.

Das Steißbein, an dem mehrere Muskeln und Bänder des Bewegungsapparates ansetzen, lässt sich leicht mit den Fingern ertasten. Oft ist es auch äußerlich durch eine kleine Erhebung durch die Haut sichtbar. Durch einen Unfall oder einen Sturz kann es zu einer Steißbeinfraktur kommen. Gemeint ist damit nichts anderes als ein Bruch des Os Coccygis, des Steißbeins.

Ursachen

Zu einer Steißbeinfraktur kommt es durch äußere Einwirkungen mechanischer Art. Das heißt, dass auf das Os coccygis eine bestimmte Kraft einwirken muss, um eine Fraktur zu bewirken. Bei Menschen mit geringer Knochendichte wie etwa bei Frauen mit Osteoporose kann diese Krafteinwirkung sehr klein sein. Es genügt beispielsweise ein Ausrutschen und Fallen auf einen Stuhl oder ein heftiges Anstoßen an einem Türstock oder einer Mauerkante.

Normalerweise braucht es jedoch größere Kräfte, die ausreichen, um die Fraktion des Steißbeines hervorzurufen. Fast immer passiert die Fraktur durch einen Sturz aus dem Stand auf den Hintern, etwa während des Duschens oder beim Steigen aus der Badewanne - also aus einer gewissen Höhe. Klassisch ist auch der Sturz auf die harte Eisfläche beim Eislaufen oder das Ausrutschen auf Treppenstufen.

Sollte die Landung auf einer Kante erfolgen (Duschwannenrand, Badewannenrand, Stufenkante), ist die Fraktur besonders schnell passiert und noch schmerzhafter. Auch heftige Tritte in den Hintern können einen Steißbeinbruch zur Folge haben.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Es handelt sich bei der Steißbeinfraktur um eine sehr schmerzhafte Verletzung. Nicht nur, dass der Bruch selbst extreme Schmerzen verursacht, es sind in der Folge vor allem die Tätigkeiten und Bewegungen, die trotz der Verletzung ausgeführt werden müssen, die langfristig Beschwerden verursachen.

Bewegungen wie Sitzen oder Liegen, bei denen immer irgendeine Art von Druck auf das gebrochene Steißbein ausgeübt wird, lassen sich nie ganz vermeiden und belasten den Betroffenen. Sehr schwierig und schmerzhaft kann auch das Pressen aus dem Anus und mit dem Beckenboden sein, wie es zum Beispiel beim Stuhlgang erforderlich ist. In den ersten Tagen nach der Fraktur sind von außen oft Schwellungen und Blutergüsse sichtbar.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Meist versucht der Arzt festzustellen, ob die Wahrscheinlichkeit eines Steißbeinbruches gegeben ist, indem er sich von den Patienten den Unfallhergang schildern lässt. Die Fraktur lässt sich mit einem Röntgenbild dann leicht sicher feststellen. Wenn weder Arzt noch Patient die Notwendigkeit eines Röntgenbildes sehen, kann eine Fraktur über den Anus ertastet werden.

Dies kann für die Betroffenen jedoch recht schmerzhaft sein, da der Arzt beim Ertasten das Steißbein zu bewegen versucht. Bei einer Steißbeinfraktur ist mit mehrwöchigen Beschwerden zu rechnen. Selten kommt es zu chronischem Schmerzempfinden, das jahrelang anhalten kann.

Komplikationen

Eine Steißbeinfraktur geht mit sehr starken Schmerzen einher, heilt in der Regel aber wieder aus, ohne dass mit ernsthaften Komplikationen oder Langzeitschäden gerechnet werden muss. Bei manchen Patienten können die Schmerzen so stark werden, dass oral verabreichte Analgetika nicht ausreichen und Spritzen oder Infusionen erforderlich werden.

Manche Patienten entwickeln auch eine starke Verstopfung oder Magen-Darmbeschwerden, da die Dehnung des Anus bei der Darmentleerung zu so starken Schmerzen führt, dass die Patienten nicht mehr defäkieren. Bei machen Patienten bilden sich die Schmerzen nach der Heilung der Fraktur zwar zurück, treten aber bei einer Belastung des Steißbeins sporadisch immer wieder auf. Die Schmerzen machen sich dann ohne spezifischen Auslöser bei alltäglichen Aktivitäten wie Liegen, Sitzen, Bücken oder Stehen sowie beim Toilettengang bemerkbar.

Mit solchen Komplikationen müssen insbesondere Frauen mit Kinderwunsch rechnen. Während einer Schwangerschaft nimmt das Körpervolumen beträchtlich zu, wodurch sich auch der Druck auf das Steißbein erhöht. Insbesondere dann, wenn die Fraktur noch nicht lange zurückliegt oder am Ende noch gar nicht richtig ausgeheilt ist, kann dies sehr starke Schmerzen verursachen.

Komplikationen sind außerdem auch bei der Geburt möglich. Da die Flexibilität des Steißbeins aufgrund des Bruchs meist beeinträchtigt wird, kann sich dieses bei der Geburt häufig nicht mehr nach außen biegen, was bei der Gebärenden das Risiko von Verletzungen bis hin zum erneuten Steißbeinbruch stark erhöht. Verletzungen beim Kind sind ebenfalls möglich.

Behandlung & Therapie

In der Körperregion des Steißbeines gibt es keine Möglichkeiten des Eingipsens oder Ruhigstellens. Infolgedessen muss mit mehr Zeit gerechnet werden, bis völlige Beschwerdefreiheit eintritt. Wie bei allen Frakturen ist es nötig, den Körper nicht zu belasten und Ruhephasen einzuhalten. In den ersten Tagen nach der Fraktur werden die meisten Patienten und Patientinnen schmerzstillende Medikamente (Analgetika) und Entzündungshemmer (zum Beispiel Cortison) benötigen.

Bei sehr starken Schmerzen werden wegen der schnelleren und intensiveren Wirkung Infusionen oder Spritzen verabreicht. Auch kalte Kompressen helfen gegen die Schwellungen und Blutergüsse, die zusätzlichen Schmerz verursachen. Um weitere Probleme zu verhindern, muss der Stuhl der Patienten weich gehalten werden - dies erspart den Betroffenen ein unangenehmes Pressen beim Stuhlgang und damit Druckschmerz.

Eine Umstellung der Nahrung mit viel Ballaststoffen und Flüssigkeit kann dabei unterstützend sein. In manchen Fällen werden am Anfang Einläufe benötigt, wenn die Patienten aufgrund zu großer Schmerzen nicht pressen können. Sehr selten muss die Fraktur operativ behoben werden (chirurgische Resektion). Diese Maßnahme wird aber erst ergriffen, wenn die konservative Therapie wie oben beschrieben keine Hilfe darstellt. Problematisch ist nämlich, dass die Operation, bei der das Steißbein entfernt wird, genauso schmerzverursachende Narbenbildung zur Folge haben kann.

Im Normalfall dauert es - wie bei den meisten Brüchen - etwa zehn Wochen, bis die Betroffenen wieder normal einsatzfähig sind. Erst dann werden alltägliche Bewegungsabläufe und Handlungen möglich sein, das heißt wieder normal sitzen, liegen oder laufen können, ohne nennenswerte Schmerzen zu empfinden.

Ein Sitzring kann den Patienten und Patientinnen große Dienste leisten, da er den Beckenboden, Bänder und Muskulatur, die mit dem gebrochenen Steißbein in Verbindung stehen, entlastet.

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Vorbeugung

Wer seinen Bewegungsapparat gesund und stabil erhält, lebt mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit, eine Fraktur - egal welcher Art - zu erleiden. Dazu gehört eine eiweiß- und kalziumreiche Kost, viel Bewegung und Sport. Frauen in den Wechseljahren und danach sollten regelmäßig ihre Knochendichte überprüfen lassen und - wenn nötig - entsprechende Medikamente einnehmen. Einem Steißbeinbruch kann nur durch Unfallvermeidung, wo immer diese möglich ist, vorgebeugt werden.

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Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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