Stauffer-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Oktober 2017
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Das Stauffer-Syndrom ist keine eigenständige Erkrankung, sondern immer nur ein Symptomenkomplex im Zusammenhang mit einem rechtsseitigen Nierentumor. Es stellt eine nicht durch Metastasen bedingte Leberdysfunktion dar. Die Behandlung dieses Syndroms kann nicht isoliert von der Nierenkarzinombehandlung erfolgen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Stauffer-Syndrom?

Das Stauffer-Syndrom ist ein sogenanntes paraneoplastisches Syndrom eines Nierenkarzinoms, welches die Funktion der Leber beeinträchtigt. Im Rahmen des Nierentumors bildet sich ein reversibler Symptomenkomplex heraus. Das bedeutet, dass die Funktionsstörung der Leber sich wieder zurückbildet, wenn die Ursache verschwunden ist. So kann das Stauffer-Syndrom nur durch die Krebsbehandlung der Niere geheilt werden.

Ein paraneoplastisches Syndrom hat nichts mit Metastasen zu tun. Es wird entweder hervorgerufen durch eine verstärkte Bildung von Botenstoffen oder Hormonen beziehungsweise durch eine Immunreaktion des Organismus. Im Falle des Stauffer-Syndroms handelt es sich um die verstärkte Produktion von Interleukin-6 und Prostaglandinen. Oftmals ist ein paraneoplastisches Syndrom der erste Hinweis auf eine Krebserkrankung im Körper.

Da die Leber ein hochkomplexes Stoffwechselorgan darstellt, kommt es zu vielfältigen Kettenreaktionen von biochemischen Prozessen, die eine optimale Leberfunktion nicht mehr zulassen. Es wurde festgestellt, dass bei nahezu einhundert Prozent eines rechtsseitigen Nierenkarzinoms das Stauffer-Syndrom auftritt. Warum das so ist, konnte bis heute nicht geklärt werden.

Ursachen

Wie bereits erwähnt, ist das Stauffer-Syndrom fast immer mit einem rechtsseitigen Nierenkarzinom vergesellschaftet. Es wird durch eine erhöhte Produktion von Interleukin-6 verursacht. Warum es zu der verstärkten Bildung von Interleukin-6 und Prostaglandinen kommt, ist gegenwärtig noch Gegenstand medizinischer Forschungen. Interleukin-6 ist an der Regulation von Entzündungsprozessen im Körper beteiligt.

Es stimuliert die Bildung von Immunzellen und bestimmter Hormone. Gleichzeitig steigert es die Bildung von Phosphatasen. Das sind Enzyme, welche die Abspaltung von Phosphatgruppen katalysieren. In absteigender Reihenfolge wird die Bildung der Hormone Kortison, Somatotropin, Glucagon und Adrenalin angeregt. Die verstärkte Hormonproduktion führt zu hormonell bedingten Stoffwechselstörungen.

Die Anregung von Entzündungsreaktionen lässt eine unspezifische Hepatitis entstehen, welche sogar die Nekrose ganzer Gewebeabschnitte der Leber verursacht. Da die Bildung von Gerinnungsfaktoren gehemmt wird, verlängert sich die Thromboplastinzeit. Die Blutgerinnung verlangsamt sich also. Außerdem verringert sich die Konzentration an Albuminen im Blut.

Diese Hypoalbuminämie senkt den kolloidosmotischen Druck im Blutplasma, sodass nicht mehr genügend Wasser im Gefäßsystem gehalten werden kann. Die Folge ist die Ausbildung von Ödemen, wobei sich das Wasser im Interstitium ansammelt. Die Alpha- und Gammaglobuline sind aber erhöht. Des Weiteren kommt es zum Anstieg des indirekten Bilirubins.

Indirektes Bilirubin ist in Wasser unlösliches unkonjugiertes Bilirubin. Durch Konjugation mit Glucuronsäure wird es in der Leber zum wasserlöslichen konjugierten Bilirubin verwandelt. Auch diese Funktion ist beim Stauffersyndrom vermindert.

Das Stauffer-Syndrom äußert sich in unerklärlichem Gewichtsverlust, der rasch voranschreitet. Als weitere Symptome treten Fieber und das Fatigue-Syndrom auf. Das Fatigue-Syndrom ist wiederum ein Symptomkomplex, welcher sich in generalisierter Schwäche, Konzentrationsstörungen, Antriebsstörungen, gestörtem Schlafmuster, Reizbarkeit, Isolation und verringerter körperlicher Belastbarkeit zeigt.

Außerdem ist die Blutgerinnung gestört. Die Leber ist chronisch entzündet. Verschiedene Entgiftungsreaktionen laufen nicht mehr optimal ab, weil die Konjugation der Fremdstoffe durch Glucuronsäure gestört ist. Die unspezifische Hepatitis kann auch zu Ödemen und schließlich zur Leberzirrhose führen. Das ist jedoch nur bei einem unheilbaren Nierenkarzinom der Fall.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Das Stauffer-Syndrom lässt sich durch die Veränderung charakteristischer Laborwerte gut diagnostizieren. Allerdings sollten vorher andere Ursachen der Leberfunktionsstörung wie Lebermetastasen oder infektiöse Hepatitisformen differenzialdiagnostisch ausgeschlossen werden. Gute Hinweise auf ein Stauffer-Syndrom geben erhöhte Werte der alkalischen Phosphatase, erhöhte indirekte Bilirubinwerte, erhöhte Werte von Alpha-2-Globulin und 8Gamma-GT, erniedrigte Albuminwerte und erniedrigte Werte von Prothrombin.

Auch ein Bromsulphthalein-Test sollte durchgeführt werden. Eine vermehrte Retention von Bromsulphthalein im Blut deutet ebenfalls auf das Stauffer-Syndrom hin. Beim Bromsulphthalein-Test wird der Farbstoff Bromsulphthalein intravenös appliziert. Normalerweise bindet sich dieser Farbstoff sofort an das Albumin und wird über die Galle ausgeschieden.

Wenn jedoch der Albumingehalt im Blut zu niedrig ist, kann es nicht vollständig gebunden werden. Freies Bromsulphthalein absorbiert Licht in einem bestimmten Wellenlängenbereich. Die Konzentration des Farbstoffs kann durch Extinktionsmessungen bestimmt werden. Hohe Extinktionswerte deuten auf eine Leberfunktionsstörung hin.

Komplikationen

Das Stauffer-Syndrom ist eine Symptomkonstellation der Leber, welche infolge einer Tumorerkrankung der rechten Niere auftritt. Es sorgt dafür, das die Leber in ihrer Funktion massiv beeinträchtigt wird, was dem Patienten weitere unangenehme Folgeprobleme verursacht. Wird jedoch das Nierenkarzinom eingehend medizinisch behandelt, kann auch das Staufer-Syndrom restlos abheilen.

Ist die Niere frei von Metastasen, kann der Tumor relativ leicht operativ entfernt werden. Die Leberfunktion wird hernach im Rahmen der Therapie komplett wiederhergestellt. Die Diagnose betrifft nicht nur ältere Menschen. Auch junge, die zu Nierenproblemen neigen, sollten daher regelmäßig die Kontrolluntersuchungen in Anspruch nehmen.

Dadurch lassen sich viele weitere Komplikationen aus dem Weg gehen beziehungsweise können rechtzeitig erkannt werden. Wird das Symptom nicht behandelt, entsteht durch die nicht korrekt arbeitende Leber eine kontraproduktive chemische Kettenreaktion im Körper des Patienten. Rapider kaum aufzuhaltender Gewichtsverlust, schwere Fieberschübe und nahezu alle Begleiterscheinungen, die das Fatigue-Syndrom herbeirufen, lassen den Betroffenen zusehend schwächer und matter werden.

Die Leber entzündet sich und kann sich nicht mehr entgiften. Sie wird anfällig für Erreger und Infektionen, wie zum Beispiel Hepatitis. Ist das Nierenkarzinom zu stark ausgeprägt und kann nicht erfolgreich behandelt werden, verschlimmert sich das Stauffer-Syndrom und es kommt zu Ödemen sowie zur Leberzirrhose.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Das Stauffer-Syndrom muss auf jeden Fall behandelt werden. Ohne Behandlung kann es dabei zu einer Ausbreitung des Tumors in andere Regionen des Körpers kommen. Weiterhin kann auch eine Niereninsuffizienz eintreten, die zum Tode des Patienten führen kann. Aus diesem Grund muss zwingend eine Behandlung des Stauffer-Syndroms erfolgen. Ein Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn sich der Betroffene ohne besonderen Grund müde und erschöpft fühlt. Weiterhin haben Betroffene Schlafbeschwerden und leiden unter Reizbarkeit.

Auch die Konzentration des Betroffenen kann durch das Stauffer-Syndrom gestört sein und es kommt nicht selten zu einer stark verringerten Belastbarkeit. Bei diesen Beschwerden ist eine umgehende Untersuchung und Behandlung durch einen Arzt notwendig. Meistens ist auch die Leber entzündet und muss ebenso untersucht werden. Auch bei einem plötzlichen Gewichtsverlust und starken Fieberschüben ist eine Untersuchung notwendig. In erster Linie kann ein Allgemeinarzt aufgesucht werden. Sollten die Beschwerden stark auftreten, so kann sich der Betroffene an ein Krankenhaus wenden. In der Regel ist eine sofortige Behandlung des Stauffer-Syndroms notwendig.

Therapie & Behandlung

Da das Stauffer-Syndrom immer durch ein rechtsseitiges Nierenkarzinom verursacht wird, kann es nicht isoliert von der zugrunde liegenden Krebserkrankung der Niere behandelt werden. Als Symptomenkomplex ist das Syndrom reversibel. Wenn die Nierenkrebserkrankung erfolgreich behandelt wird, verschwindet in den meisten Fällen auch das Stauffer-Syndrom von alleine.

Nur wenn bereits bleibende Schäden in der Leber vorhanden sind, werden zwar weiterhin Leberfunktionsstörungen auftreten, dessen Behandlung jedoch nach Wegfall des zugrunde liegenden Nierenkrebses erfolgreich sein können. Das Nierenkarzinom ist im Frühstadium ohne Vorliegen von Metastasen noch gut chirurgisch entfernbar.

Bei inoperablen Nierentumoren kann der Verlauf der Erkrankung zwar medikamentös verzögert werden. Allerdings besteht hier keine Möglichkeit mehr, das Stauffer-Syndrom erfolgreich zu behandeln.

Aussicht & Prognose

Das Stauffer-Syndrom kann in der Regel relativ gut behandelt werden. Wenn die Behandlung selbst erfolgreich verläuft, kommt es beim Patienten zu keinen weiteren Beschwerden oder Komplikationen. Allerdings wird das Stauffer-Syndrom nicht alleine behandelt. Es stellt einen Teil der Behandlung eines Nierentumors dar und tritt dabei als Symptom auf. In diesem Fall ist es auch reversibel und fügt dem Körper keinen permanenten Schaden zu.

Sollte die Behandlung des Tumors erfolgreich verlaufen, so wird auch das Stauffer-Syndrom von alleine verschwinden und es ist keine zusätzliche Behandlung notwendig. Falls der Tumor frühzeitig erkannt wird, kann dieser durch einen operativen Eingriff entfernt werden und führt dabei zu keinen weiteren Problemen. Sollte die Leber schon vor der Erkrankung beschädigt worden sein, können jedoch auch weiterhin bestimmte Störungen oder Fehlfunktionen des Organs auftreten.

Im Falle eines Tumors, welcher nicht entfernt werden kann, wird auch das Stauffer-Syndrom nicht von alleine verschwinden. Hier erfolgt eine Behandlung mit Hilfe von Medikamenten. Diese können das Syndrom allerdings nicht komplett behandeln, sondern verzögern nur seine Wirkung. Um das Syndrom zu verhindern, sollten im höheren Alter regelmäßige Kontrollen durchgeführt werden.

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Vorbeugung

Die Vorbeugung vor einem Stauffer-Syndrom kann nur im Zusammenhang mit der Vorbeugung vor einem Nierenkarzinom betrachtet werden, weil das Stauffer-Syndrom nicht isoliert vorkommt. Es gibt einige Risikofaktoren für die Entstehung von Nierenkrebs. Dazu zählen das Rauchen, langjährige Therapien mit Analgetika sowie die Belastung mit Umweltgiften wie Blei, Kadmium oder chlorierte Kohlenwasserstoffe.

Bei angeborenen Nierenerkrankungen wie Morbus Hippel-Lindau ist eine lebenslange vorbeugende Therapie notwendig, um die Entstehung von Nierenkrebs zu verhindern.

Das können Sie selbst tun

Da das Stauffer-Syndrom nur in Verbindung mit einer bestehenden Nierenkrebserkrankung auftritt, gilt es primär diese zu heilen. Dafür bedarf es einer fachärztlichen Behandlung durch einen Internisten bzw. einen Onkologen. Im Idealfall lässt sich der Nierentumor operativ entfernen. Bei vollständiger Heilung der Krebserkrankung verschwinden auch die Symptome des Stauffer-Syndroms.

Betroffene sollten präventiv – ebenso wie postoperativ – auf eine gesunde Lebensweise achten. Hierzu zählen der Verzicht auf Nikotin und Alkohol sowie die Aufnahme vital- und mineralstoffreicher Nahrung. Auch eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens zwei Litern täglich, bestehend aus stillen Mineralwässern oder ungesüßten Kräutertees, fördert die Reinigung des Körpers und reget den Stoffwechsel an. Zugleich sorgen Mineralstoffe – egal ob in flüssiger oder fester Form – für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt. Die basische Ernährung und Mikrostofftherapie reduziert Entzündungen im Körper und trägt somit zum Selbstheilungsprozess erfolgreich bei. Auch die Einnahme spezieller Nahrungsergänzungsmittel ist in diesem Zusammenhang denkbar.

Eine erhöhte Konzentration an Schwermetallen im Körper belastet die Nieren zusätzlich. Auch der vermehrte Konsum von Schmerzmitteln, wie Analgetika, wirkt als Risikofaktor für diese Erkrankung. Eine ärztlich begleitete Entgiftung kann als Präventiv- und Rehabilitationsmaßnahme in Betracht gezogen werden. Kann der Tumor nicht entfernt werden ist die dauerhafte Einnahme von Medikamenten erforderlich. Betroffene können in diesem Fall lediglich durch die beschriebenen Maßnahmen ihren Körper entlasten.

Bücher über Nierenkrebs

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006

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