Starke Behaarung (Hirsutismus)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. Oktober 2017
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Eine normale Körperbehaarung ist bei allen Menschen an bestimmten Körperzonen auf natürliche Art und Weise vorhanden. Störend wird eine starke Behaarung bzw. verstärkte Körperbehaarung jedoch dann, wenn diese durch einen übermäßigen Haarwuchs gekennzeichnet ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Starke Behaarung (Hirsutismus)?

Eine starke Behaarung am Körper verbirgt sich ebenfalls hinter den Bezeichnungen Hypertrichose, Hirsutismus und Virilisierung. Die Vorsilbe hyper- bezeichnet ein Übermaß.

Eine starke Behaarung, die sich hinter dem Begriff Hypertrichose versteckt, ist durch das Auftreten eines dichteren Haarwuchses und einer übermäßigen Behaarung an untypischen Körperstellen gekennzeichnet. Eine verstärkte Behaarung wird dann diagnostiziert, wenn die Haare an der Brust, den Oberschenkeln und als unweibliche Barthaare auftreten.

Bei männlichen Patienten ist eine starke Behaarung dann erkennbar, wenn ein Haarwuchs auf dem Bauch und auf dem Rücken, insbesondere im Nacken übermäßig vorhanden ist. Frauen mit einer verstärkten Behaarung leiden unter einem vermehrten Haarwuchs auch auf der Oberlippe (siehe Damenbart) sowie am Kinn. Einige Frauen weisen auch eine verstärkte Behaarung auf den Unterarmen und in der Pofalte auf.

Ursachen

Erst nach einer eindeutigen Abklärung der Symptome kann auf die ursächlichen Zusammenhänge zwischen einer verstärkten Behaarung und den eigentlichen Auslösern geschlossen werden. Bei einer Hypertrichose liegen ganz andere Ursachen vor als bei einer verstärkten Behaarung beim Hirsutismus.

Die Hypertrichose als verstärkte Behaarung tritt auf, wenn die Betroffenen über den ganzen Körper verteilt eine lokal begrenzte, mehr oder weniger stärke Körperbehaarung aufweisen. Diese kann genetisch bedingt sein und der männlichen Behaarung ähneln. Ursachen für eine verstärkte Behaarung sind Durchblutungsstörungen, Erbkrankheiten, Blutkrankheiten, hormonabgebende Geschwulste und verschiedene Medikamente.

Eine Sonderform der verstärkten Behaarung ist die Virilisierung. Diese geht einher mit anderen körperlichen Veränderungen der Frau in Hinsicht auf eine Vermännlichung.

Die Ursachen für eine stärkere Behaarung beim Hirsutismus sind ein Überschuss männlicher Sexualhormone bei Frauen. Genetische Vorbelastungen sowie die Einnahme von anabolen Steroiden beim Doping führen ebenfalls zu einer verstärkten Behaarung bei Frauen und bei Männern. Geschwulstartige Wucherungen an den Nebennieren oder den Eierstöcken und androgenhaltige Arzneistoffe begünstigen außerdem eine verstärkte Behaarung.

Komplikationen

Die übermäßige Körperbehaarung selbst geht in aller Regel eher mit seelischen als auch mit körperlichen Beeinträchtigungen einher. Beim Auslöser für den Hirsutismus kann es sich aber um sehr ernstzunehmende Störungen handeln, bei denen auch mit Komplikationen zu rechnen ist. Hirsutismus kann zum Beispiel auf ein Polyzystisches Ovarsyndrom (PCO) zurückzuführen sein, eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen bei Frauen.

Bei betroffenen Patientinnen kommt es zu einer Vergrößerung des Eierstocks aufgrund von Zystenbildung. Ursächlich dafür ist der Umstand, dass zwar viele Eizellen reifen, es aber letztlich nicht zu einem Eisprung kommt. Deshalb bleiben die Eizellen in den Follikeln, statt nach dem Eisprung in den Eileiter zu wandern. Die Follikeln vergrößern sich und entwickeln Zysten, was zur Unfruchtbarkeit führen kann.

Ist der Hirsutismus eine Folge des Adrenogenitalen Syndroms (AGS), kann es zu einer Reihe sehr belastender Begleiterscheinungen kommen. Dazu zähle etwa eine starke Vermännlichung bis hin zur Ausbildung eines Pseudopenis, starkes und schnelles Körperwachstum bei Mädchen oder der vorzeitige Eintritt in die Pubertät sowie eine gesteigerte Infektanfälligkeit oder regelmäßige Unterzuckerung.

Da eine starke Körperbehaarung von vielen Betroffenen als entstellend empfunden wird, muss auch mit psychischen Problemen, insbesondere therapiebedürftigen Depressionen, gerechnet werden. Selbst Suizidversuche kommen in seltenen Fällen vor.

Behandlung & Therapie

Um eine starke Behaarung zu bekämpfen, kommen unterschiedliche Therapiemöglichkeiten in Betracht. Neben den äußeren Behandlungen gegen eine verstärkte Behaarung durch kosmetische und schönheitsmedizinische Verfahren können auch medikamentöse Behandlungen angeboten werden. Diese ergeben sich in Abhängigkeit vom Befund der diagnostischen Abklärung und dem Ausmaß der verstärkten Behaarung sowie dem Leidensdruck der Betroffenen.

Da die Patienten unter einem enorm großen Leidensdruck stehen und bei einer verstärkten Behaarung vielfach verzweifelt sind, ist es wichtig, eine möglichst schnelle Diagnostik zu betreiben und Behandlungen gegen den verstärkten Haarwuchs baldigst einzuleiten.

Kurzfristig wirkende Verfahren zur Beseitigung einer verstärkten Behaarung sind eine Rasur, eine Epilation und die Verödung der Haarwurzeln durch eine elektrische und meist lasergestützte Epilation. Die Haarwurzeln werden in diesem Zusammenhang abgetötet, sodass an den behandelten Zonen keine verstärkte Behaarung mehr auftreten kann.

Sind die Ursachen für eine verstärkte Behaarung als Hirsutismus oder Hypertrichose bekannt, kann die Therapie gezielt erfolgen. Bei einer verstärkten Behaarung kann ein Absetzen der in Verdacht stehenden Medikamente hilfreich sein. Medikamente, die eine verstärkte Behaarung begünstigen, können nach Möglichkeit durch andere Arzneistoffe abgelöst werden, welche eine ähnliche Wirkung erzielen, jedoch nicht durch diese Nebenwirkung gekennzeichnet sind.

Als hilfreiche medikamentöse Behandlungen gegen eine verstärkte Behaarung sind ebenfalls der Überbehaarung entgegenwirkende Hormontherapien sinnvoll. Diese Variante zielt darauf ab, die Konzentration männlicher Sexualhormone zu reduzieren. Sind hormonproduzierende Geschwulste die Auslöser für eine verstärkte Behaarung, kann eine chirurgische Behandlung Erfolg versprechen, um den übermäßigen Haarwuchs zu unterbinden.

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Vorbeugung

Im Rahmen vorbeugender Maßnahmen lässt sich eine starke Behaarung teilweise vermeiden. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn die Auslöser für eine verstärkte Behaarung nur in äußerlichen Faktoren begründet sind.

Das Vermeidung der Aufnahme von anabolen Steroiden durch Frauen sowie die Verabreichung Haarwuchs auslösender Arzneistoffe ist ebenfalls wichtig.

Eingehende diagnostische Abklärungen und die Verordnung spezieller Medikamente gegen ein polyzystisches Ovarsyndrom durch den Frauenarzt sind vorbeugend empfehlenswert, da sich der verstärkte Haarwuchs bereits in der Pubertät zeigt.

Bücher über Starke Körperbehaarung

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Kleine, B., Rossmanith, W.G.: Hormone und Hormonsystem. Springer Verlag, Berlin 2010
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

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