Sprachzentrum

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. November 2016
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Das Sprachzentrum besteht vorwiegend aus dem Wernicke- und dem Broca-Areal im kortikalen Bereich des Großhirns und der Stirnhirnwindung. Während das Wernicke-Areal für die semantische Sprachverarbeitung zuständig ist, obliegt dem Broca-Areal vor allem syntaktische und grammatikalische Sprachproduktion. Eine entzündungs- oder blutungsbedingte Schädigung in einem der Areale äußert sich in Sprachverständnis- oder Sprachproduktionsstörungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Sprachzentrum?

Das sensorische Sprachzentrum ist ein kortikaler Bereich des Großhirns und liegt innerhalb des Parietal- und Temporallappens. Diese Gehirnbereiche werden auch als Wernicke- und Broca-Areal bezeichnet. Sie dienen der semantischen Verarbeitung von Sprache sowie der morphologischen und syntaktischen Sprachproduktion.

Im Broca-Areal findet in erster Linie die Produktion von Syntax und anderen grammatischen Sprachaspekten statt. Das Wernicke-Zentrum ist dagegen vorwiegend für die Erkennung von Satz- und Wortsinn zuständig. Erst die Zusammenarbeit der beiden Areale ermöglicht das Sprechen und Verstehen. Bis ins 20. Jahrhundert hinein nahm die Medizin die Sprachzentren des Wernicke- und Broca-Areals als einzige sprachverarbeitende und sprachproduzierende Gehirnregionen an. Diese Vermutung gilt mittlerweile als widerlegt. So übernehmen viele weitere Gehirnregionen unterstützende Aufgaben in der strukturellen und inhaltlichen Verarbeitung und Produktion von Sprache.

Anatomie & Aufbau

Als sensorisches Sprachzentrum ist das Wernicke-Zentrum das Herzstück der menschlichen Kommunikationsfähigkeit. Es liegt je auf den dominanten Hemisphären des Großhirns. Es reicht vom dorsalen Teil des Gyrus temporalis superior über die Gyri angularis et supramarginalis hinaus und erstreckt sich damit bis über den Parietallappen. Bei Rechtshändern liegt das Wernicke-Areal in der linken Hemisphäre.

Bei Linkshändern kann es entweder in der linken oder der rechten Hemisphäre liegen. Das sensorische Sprachzentrum umgreift drei Brodmann-Areale. Dabei handelt es sich um die Areale 22, 39 und 40. Die Areale 39 und 40 entsprechen Projektionszentren und Assoziationsgebieten, die an der Sprachproduktion sowie der Sprachverarbeitung beteiligt sind. Zusätzlich sind an der Sprachverarbeitung Gebiete unter der Großhirnrinde, wie zum Beispiel Putamen und Nucleus caudatus beteiligt. Der Putamen gehört zur grauen Substanz des Gehirns. Der Nucleus caudatus ist vor allem für kontrollierte, willkürliche Bewegungen zuständig. Außerdem sind auditorische Verarbeitungsareale mit dem Sprachzentrum vernetzt und für die Sprachproduktion und -Verarbeitung relevant.

Das Wernicke Areal weist afferente Eingänge zur primären Hörrinde auf. Der Gyrus angularis verbindet das Sprachzentrm außerdem mit der sekundären Sehrinde. Mit dem Ziel semantischer Sprachartikulation ist das sensorisch Sprachzentrum außerdem reziprok mit den motorischen Spracharealen, also den Broca-Arealen verbunden. Diese Verbindung entspricht weitestgehend dem Fasciculus arcuatus. Das Broca-Areal liegt anders als das Wernicke Zentrum in der Stirnhirnwindung und steht mit dem Wernicke-Zentrum ebenfalls in engem Zusammenhang.

Funktion & Aufgaben

Die Funktion des sensorischen Sprachzentrums ist in erster Linie das Sprachverständnis. In diesen Arealen des Gehirns findet die semantische Verarbeitung von Sprach- und Textinhalten statt. Das Sprachzentrum übernimmt aber auch eine Aufgabe in der willkürlichen Artikulation von bestimmten, semantischen Inhalten. Die sprachmotorischen Zentren des Cortex sind hauptsächlich für die Artikulation von semantischen Sprachinhalten zuständig. Sie sind aber mit dem Wernicke-Zentrum vernetzt. So kann eine Sprachreaktion auf äußere Reiz stattfinden.

Vor allem die Zentren des Hörens und Sehens stehen mit den Sprachzentren in Verbindung. Daher können auditorische und visuelle Reize bestimmte, sprachliche Reaktionen auslösen. Im Broca-Areal wird die Sprache gebaut. Das heißt, sobald das Werenicke Areal den Äußerungssinn eines Gesprächspartners erfasst hat, reagiert es mit einer semantischen Reaktion. Diese semantische Reaktion wird im Broca-Areal syntaktisch und morphologisch umgesetzt. Die Kommunikation der einzelnen Areale findet über Projektion statt.

Damit übernehmen Nervenverbindungen eine wichtige Aufgabe in der Sprachproduktion auf wahrgenommene Reize hin. Ohne das sensorische Sprachzentrum könnte der Mensch so Äußerungen nicht mehr nachvollziehen. Er könnte andererseits aber auch keine sinnvollen Äußerungen zu bestimmten Sachverhalten oder Situationen mehr treffen. Eine gestörte Verbindung zwischen Broca- und Wernicke-Areal lässt zum Beispiel keine korrekten Satzäußerungen mehr zu.

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Krankheiten

Schädigungen des Wernicke Areals äußern sich vorwiegend in gestörtem Sprachverständnis. Eine sogenannte Wernicke-Aphasie entsteht. Dabei handelt es sich um eine Sprachschwäche, die primär auf fehlendes Sprachverständnis zurückzuführen ist. Diese Form der Aphasie entspricht also vorwiegend einer rezeptiven Aphasie. Trotz flüssiger Spontanaussprache ist die Sprache inhaltlich leer.

Oft brechen die Patienten einer Wernicke-Aphasie mitten im Satz ab, verdoppeln Wörter oder erfinden Worte neu. Abhängig von der genauen Lokalisierung geht die Schädigung des Wernicke-Areals auch mit einer Paraphasie einher. In diesem Fall bricht der inhaltsleere Redefluss kaum mehr ab. Schädigungen des Broca-Areals resultieren wiederum vorwiegend in Sprachproduktionsstörungen wie falsche Grammatik. In den meisten Fällen ist ein Schlaganfall für eine Schädigung der Sprachzentren verantwortlich. Insbesondere Schlaganfälle im Stromgebiet der Arteria cerebri media können gestörtes Sprachverständnis hervorrufen. Unter Umständen steht die Erscheinung aber auch mit einer degenerativen Erkrankung in Zusammenhang.

Die gewebszerstörenden Erkrankungen Parkinson und Alzheimer können beispielsweise auch das Wernicke-Zentrum treffen. Dasselbe gilt für die Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose. Auf einem MRT äußert sich eine Aphasie meist in Läsionen des Wernicke-Zentrums oder Broca-Areals. Nervenleitgeschwindigkeitstests können unter Umständen näher bestimmen, ob ein Schlaganfall, eine entzündliche Erkrankung oder eine degenerative Erkrankung als Ursache vorliegen. In selteneren Fällen kann auch ein Tumor Ausfälle des Sprachzentrums hervorrufen.

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