Sportverletzungen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. September 2017
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Sportverletzungen und Sportunfälle sind körperliche Schäden aller Art, die sich Freizeit- und Leistungssportler bei der Betätigung sportlicher Ausübungen zuziehen. Dabei unterscheidet sich das Verletzungsbild von Verletzungen, wie sie beispielsweise im Alltag vorkommen, erheblich. Auf die Gesamtheit aller Unfälle betrachtet, entfallen 20% auf Sportunfälle. Dies entspricht einer jährlichen Zahl von ca. zwei Millionen Deutschen. Hierbei sind Überlastungsschäden von akuten Sportverletzungen zu unterscheiden. Unterliegen Überlastungsschäden einem eher schleichenden Prozess, bei dem die Verletzung auf kein echtes Unfallereignis zurückzuführen ist, (Bsp. Achillessehnenentzündung), entstammen akute Schäden aus einem plötzlichen Vorfall (z.B. beim Sturz).

Inhaltsverzeichnis

Ursachen

Die Ursachen einer Sportverletzung oder eines Sportunfalls können sehr vielfältig sein. Hierbei ist zu erkennen, dass sich Verletzungsursachen bei Freizeitsportlern von denen von Leistungssportlern unterscheiden. Die bei Freizeitsportlern zu diagnostizierenden Verletzungen basieren häufig auf einer unzureichender Erwärmung oder einem Konditionsdefizit des Sportlers. Das Überschätzen der eigenen sportlichen Leistungsfähigkeit führt auf Dauer nicht selten zu einem Leistungsabfall (z.B. Ausdauerlauf, Ski-Alpin).

Die Folge ist eine fehlerhafte Technikausübung die zu ernsthaften Verletzungen führen kann. Darüber hinaus sind eine mangelhafte oder unzureichende Ausrüstung (z.B. Mountainbiken) sowie das Fehlen spezieller Kleidung (Kälte, Nässe, etc.) für viele Sportunfälle verantwortlich. Dagegen sind Sportverletzungen bei Leistungssportlern oftmals auf Überlastungen des Körpers und eine unzureichende Ausheilung einer Verletzung zurück zu führen.

Häufige & typische Sportverletzungen

Typische und häufige Sportverletzungen und Sportunfälle sind Prellungen und Verstauchungen (35,5%), Verrenkungen (28,4%) und Verletzungen von Bändern, Sehnen und Muskeln (20,3%). Charakteristisch für akut auftretende Sportverletzungen sind ein klares Ereignis mit sofortigem Schmerzbeginn, eine genaue Schmerzlokalisation sowie das Auftreten einer erkennbaren Symptomatik (Schwellung, Bluterguss, Rötung, etc.).

Prellungen und Verstauchungen sind typische Folgen einer Sportverletzung und begründen sich zum Beispiel durch einen Schlag, Aufprall oder Sturz. Bei einer Prellung (Kontusion) wird Gewebe gequetscht, hingegen Verstauchungen (Distorsionen) immer ein Gelenk betreffen.

Dabei wird der betroffene Bandapparat durch übermäßige Bewegung überdehnt und kleine Einrisse in den Bändern sind die Folge. Das daraus resultierende Austreten von Blutplasma in das Gewebe erzeugt Schwellungen, Rötungen und Blutergüsse.

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Auch Bänderdehnungen- oder Risse an Schulter, Knie, Finger etc. werden oft durch unkontrollierte, über das normale Maß hinaus vollzogene Bewegungen verursacht. Praktisch jede Sportart hat ihre typischen Verletzungsmuster und Überlastungserscheinungen. So ist eine stundenlange Überlastung einzelner Muskelgruppen bei monotonen Bewegungsabläufen vorprogrammiert. Je nach Sportart werden Bänder, Sehnen und Muskeln unterschiedlich stark beansprucht. Dabei treten Verletzungen an Beinen und Füssen bei Sportarten wie z.B. Squash, Fußball oder auch Ski fahren besonders häufig auf.

Der Riss der Achillessehne beispielsweise, verursacht dabei ein knallartiges, peitschenhaftes Geräusch. Sportarten, bei deren Aktivität vorzugsweise die oberen Gliedmaßen wie Schultern, Arme und Hände zum Einsatz kommen, weisen auch hier eine erhöhte Verletzungsanfälligkeit auf (Bsp. Strecksehnenriss der Finger durch einen Angriffsschlag bei Volleyball).

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: T08-T14 Verletzungen nicht näher bezeichneter Teile des Rumpfes, der Extremitäten oder anderer Körperregionen) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Komplikationen treten nach Sportverletzungen in der Regel auf, wenn die Verletzung unzureichend behandelt oder das Training wieder zu früh aufgenommen wurde. Während der Heilungsphase verletzter Muskelfasern bildet sich Bindegewebe zu Narbengewebe um, das weit weniger dehnbar ist als Muskelgewebe. Eine zu frühe und starke Belastung führt zu weiteren Einrissen und Einblutungen, die eine erneute Narbenbildung zur Folge haben.

Langfristig ist dadurch die Leistungsfähigkeit des Muskels deutlich eingeschränkt und kann oftmals nur mit Hilfe eines operativen Entfernen des Narbengewebes wiederhergestellt werden. Ausgedehnte Prellungen und Quetschungen gehen häufig mit intramuskulären Blutungen einher, die unbehandelt eine chronische Entzündung im Verletzungsbereich verursachen können. Daraus bilden sich unter ungünstigen Umständen Kalkeinlagerungen, die verknöchern und die Beweglichkeit beeinträchtigen können (Myositis ossificans).

Bleiben Schmerzen und Bewegungseinschränkungen über Wochen bestehen, muss ein chirurgischer Eingriff in Erwägung gezogen werden. Die Einnahme blutverdünnender Medikamente begünstigt nach einer Muskelprellung das Auftreten eines Kompartementsyndroms: Massive Einblutungen in den Muskel können Nerven und Blutgefäße schädigen, die ausreichende Versorgung des Muskels ist nicht mehr sichergestellt.

Ein Absterben von Muskelgewebe kann meistens nur durch eine Operation verhindert werden. Komplikationen von Knochenbrüchen können Entzündungen, Wundheilungsstörungen, Lähmungserscheinungen und Sensibilitätsstörungen sein. In seltenen Fällen entwickeln Betroffene als Spätfolge einen Morbus Sudeck, der durch starke Schmerzen, Berührungsempfindlichkeit und Bewegungseinschränkungen gekennzeichnet ist.

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Vorbeugung

Sportverletzungen und Sportunfälle können auf unterschiedliche Art und Weise vorgebeugt werden. Jedoch kann dabei eine hundertprozentige Verletzungsprävention nie erreicht werden. Das Risiko einer Verletzung wird lediglich gemindert.

Oft entstehen Sportverletzungen durch falschen Ehrgeiz, Übereifer und Überlastung, das Überschätzen eigener Fähigkeiten oder mangelhafte oder fehlende materielle Bedingungen. Dies gilt insbesondere für Freizeitsportler. Werden diese Komponenten ausreichend beachtet, minimiert sich das Risiko einer Körperschädigung bereits um ein Vielfaches. Das sogenannte Stretching, oder auch als Warm-Up bezeichnete aktive Aufwärmen der Muskulatur, ist heutzutage in der Wissenschaft umstritten. Daher sollte jeder für sich selbst einschätzen, ob und wann ein Warm-Up für seine Sportart sinnvoll ist (beispielsweise beim Turnen, Ballett, etc.).

Eine Physiotherapie ist besonders bei Sportverletzungen von Nutzen. Muskelverhärtungen werden gelockert, Laktat abgebaut, Zerrungen und kleine Muskelrisse frühzeitig erkannt und behandelt.

Die wirksamste Methode um ihren Körper vor Sportverletzungen zu schützen, ist ein sportartbegleitendes Krafttraining. Durch ein Krafttraining erhöht sich ihre Leistungsfähigkeit, die Muskulatur schützt die Gelenke und mindert so die Anfälligkeit für Verletzungen. Dabei ist zu beachten, dass ein Krafttraining die sportartspezifischen, hauptsächlich belasteten Muskelgruppen umfasst.

Jedoch sollte die sekundär beanspruchte Muskulatur nicht außer Acht gelassen werden um muskuläre Dysbalancen zu verhindern. Beispielsweise ist eine kräftige Rumpfmuskulatur in fast jeder Sportart vonnöten. Arme und Beine dagegen können Kraft gegen äußere Widerstände nur dann optimal und effektiv entwickeln, wenn ihnen der Rumpf ein stabiles Widerlager bietet.

Durch den Einsatz eines Krafttrainings wird neben dem Aufbau von Kraft das Zusammenwirken von Kraft, Ausdauer und Koordination erzielt und trägt neben einer Verletzungsprophylaxe auch zur Leistungssteigerung bei.

Bücher über Sportverletzungen & Sportunfälle

Quellen

  • Engelhardt, M. (Hrsg.): Sportverletzungen – Diagnose, Management und Begleitmaßnahmen. Urban & Fischer, München 2009
  • Halle, M., Schmidt-Trucksäss, A., Hambrecht, R., Berg, A.: Sporttherapie in der Medizin. Schattauer, Stuttgart 2008
  • Rost, R.: Sport- und Bewegungstherapie bei Inneren Krankheiten. Deutscher Ärzteverlag, Köln 2005

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