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Sportsucht

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 8. Oktober 2014
Symptomat.deKrankheiten Sportsucht

Als Sportsucht oder Fitnesssucht bezeichnet man eine Verhaltenssucht, die den suchthaften Zwang Sport oder Fitness zu betreiben beschreibt. Bisher gilt die SPortsucht offiziell noch nicht als eigenständige Krankheit, obwohl durchaus von einer psychischen Störung ausgegangen werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Sportsucht?

In Zeiten der passiven Fortbewegung gewinnt Sport in der Gesundheitsvorsorge einen immer höheren Stellenwert. Mit Slogans wie „Fit for Fun“ und zahlreichen Massenveranstaltungen werden der Breitensport und das Bewusstsein für die positiven Auswirkungen körperlichen Trainings gezielt gefördert.

Für den überwiegenden Teil der Freizeitsportler ist Sport tatsächlich gesundheitsfördernd, doch bei geschätzten 1% der Aktiven löst das Training einen unerwünschten Effekt aus: die Sportsucht.

Ursachen für Sportsucht

Sportsucht wird als typische Verhaltenssucht definiert, die auf nicht von außen zugeführten Suchtstoffen basiert. Die ursprüngliche Annahme, dass Sportsucht durch Endorphine ausgelöst wird, scheint nur zum Teil richtig. Neuere Untersuchungen zeigen, dass der körpereigene Botenstoff Dopamin, ein Neurotransmitter, ebenfalls an der Suchtentstehung beteiligt ist.

Abgesehen von Endorphinen und Dopamin spielen bei der Sportsucht psychische Faktoren eine große Rolle. Dazu zählen unter anderem Körperwahrnehmungs- und Essstörungen. Die „Anorexia athletica“ galt lange Zeit als Phänomen des Spitzen- und Leistungssportes und findet sich heute zunehmend im Breitensport. Der gesellschaftliche Druck, dass ein Körper sehr schlank und sportlich zu sein hat, scheint nicht nur das Essverhalten, sondern auch die Sportausübung zu beeinflussen.

Ein zusätzlich verstärkender Faktor könnte die „Realitätsflucht“ sein. Durch die andauernde Aktivität bis zur kompletten Erschöpfung erlebt sich der Süchtige ausschließlich im Hier und Jetzt, was ihm ermöglicht, Probleme und Schwierigkeiten zu verdrängen.

Typische Symptome und Anzeichen bei Sportsucht

  • innerer Zwang immer wieder Sport treiben zu müssen
  • Leugnung der Sportsucht vor Anderen
  • gereiztes und Unausgeglichene Stimmung wenn der Betroffene nicht dazu kommt ausreichend Sport oder Fitness zu treiben
  • Sportsucht wird nicht selten von Essstörungen begleitet
  • Sportverletzungen oder Schmerzen werden ignoriert, es wird immer weiter trainiert
  • es wird über die köperliche Belastungsgrenze hinweg trainiert
  • soziale Kontakte werden für den Sport aufgegeben

Diagnose und Verlauf bei Sportsucht

Sportsucht ist vom Betroffenen selbst kaum zu diagnostizieren, da er sich subjektiv wohlfühlt und wie jeder Suchtkranke alles dafür tut, den Status aufrechtzuerhalten. Er wird weder vor sich selbst noch vor anderen einen Zwang eingestehen. Meist sind es die Menschen in seinem Umfeld, denen die Veränderungen zum Negativen auffallen.

Sportsucht äußerst sich vielgestaltig. Erst wird das Trainingpensum immer weiter erhöht. Selbst bei Krankheit oder Verletzungen ist der Süchtige nicht in der Lage zu pausieren. Versucht er es dennoch, leidet er an Entzugserscheinungen. Dazu zählen Kopf- und Magenschmerzen, Zittern, Angstzustände und Depressionen ebenso wie Aggression oder Gereiztheit.

Bei fortschreitendem Verlauf der Krankheit bricht der Betroffene seine sozialen Bindungen und Kontakte ab, da er all seine Energie für das Training benötigt und anschließend für Gespräche oder Unternehmungen zu erschöpft ist. Die Folgen von Sportsucht für den Organismus sind ernst. Durch die andauernde körperliche Überforderung wird das Immunsystem geschwächt und der Betroffene ist anfälliger für Infekte. Da er jedoch sein Training keinesfalls ausfallen lassen wird, setzt er eine Spirale der Gesundheitsverschlechterung in Gang.

Weiterhin birgt die extreme Belastung von Knochen, Muskeln und Bändern ein hohes Verletzungsrisiko. Bei zusätzlicher Mangelernährung kann es, wie bei der Magersucht, zu Blutarmut und schweren Hormonstörungen kommen. Es können auch Konzentrationsstörungen auftreten, die sich auf das Berufsleben negativ auswirken.

Behandlung und Therapie von Sportsucht

Die Sportsucht wird in der Regel im Rahmen einer Psychotherapie behandelt. Die Therapie kann ambulant erfolgen, wird aber bei gleichzeitigem Auftreten von Essstörungen stationär durchgeführt.

Eine Eigentherapie ist selten erfolgreich, da es dem Betroffenen meist an Einsicht mangelt. Für ihn ist sein Trainingspensum, auch wenn es seinen Alltag bereits komplett bestimmt und Beziehungen daran zerbrechen, nichts anderes als ein Hobby. Mit der Unterstützung eines Therapeuten sind die Erfolgsaussichten jedoch sehr gut.

Jede Therapie orientiert sich an den Bedürfnissen des Patienten und es können weder die genaue Dauer der Therapie noch die Anzahl und Häufigkeit der nötigen Sitzungen von vornherein festgelegt werden.

Als recht erfolgreich haben sich hierbei kognitive Therapieansätze bewährt. Besonders die Gesprächstherapie sollte vom Therapeuten zur Behandlung der Sportsucht genutzt werden. Weiss man als Betroffener nicht, an welchen Arzt man sich hierzu wenden sollte, so ist der erste Gang zu einer psychologischen Beratungsstelle oder praktizierenden Sportpsychologen immer die richtige Wahl.

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Vorbeugung von Sportsucht

Aufklärung ist das beste Mittel, um der Sportsucht vorzubeugen. Das Wissen, auch bei Sport in ein Suchtverhalten geraten zu können, schärft die Wachsamkeit. Als gesundes Sportverhalten gilt ein Training, das drei Mal wöchentlich durchgeführt wird und nicht länger als eineinhalb oder zwei Stunden dauert.

Experten fordern vor allem Informationsarbeit an Schulen, da Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren eine stark suchtgefährdete Gruppe sind. Selbstbeobachtung, aber auch ein aufmerksames Umfeld kann bei ersten Anzeichen von Suchtverhalten viel bewirken. Wichtig ist hier Ehrlichkeit, sich selbst und anderen gegenüber.

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