Spondylodiszitis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Spondylodiszitis

Eine Spondylodiszitis ist mit einer Inzidenz von 1:250.000 eine seltene entzündliche Infektion der Bandscheibe mit Beteiligung der benachbarten Wirbelkörper. Männer sind mit einem durchschnittlichen Verhältnis von 3:1 häufiger von einer Spondylodiszitis betroffen als Frauen, wobei der Altersgipfel in aller Regel zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr liegt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Spondylodiszitis?

Als Spondylodiszitis wird eine seltene Entzündung des Bandscheibenraums sowie der angrenzenden Wirbelkörper bezeichnet, die zumeist auf eine bakterielle Infektion zurückzuführen ist.

Die Erkrankung wird dem Spektrum der Osteomyelitiden (Knochen- bzw. Knochenmarkentzündungen) zugeordnet. Oftmals zeichnet sich eine Spondylodiszitis durch eine anfänglich unspezifische Symptomatik aus, weshalb die Erkrankung in vielen Fällen erst nach zwei bis sechs Monaten diagnostiziert wird. Allgemein wird in Abhängigkeit von der zugrundeliegenden Ursache zwischen einer endogenen und exogenen Spondylodiszitis differenziert.

Bei einer endogenen Spondylodiszitis befindet sich der auslösende Infektionsherd in wirbelkörperfernen Strukturen, von denen aus die Erreger über eine hämatogene Streuung (über die Blutbahn) einen bzw. mehrere Wirbelkörper besiedeln, wobei oftmals die ventralen Wirbelsäulensegmente betroffen sind. Dagegen wird eine exogene Spondylodiszitis unter anderem durch wirbelkörpernahe Injektionen oder chirurgische Eingriffe hervorgerufen.

Ursachen

Eine Spondylodiszitis kann in den meisten Fällen auf eine primäre Infektion der Bandscheibe durch Bakterien, Pilze oder in seltenen Fällen Parasiten zurückgeführt werden, wobei meistens eine bakterielle Besiedelung vorliegt.

Die häufigsten bakteriellen Erreger stellen hierbei mit 30 bis 80 Prozent Staphylococcus aureus sowie Escherichia coli dar. Darüber hinaus wird eine Spondylodiszitis mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Spondylitis ankylosans, einer Exposition gegenüber chemischen Noxen, beispielsweise im Rahmen einer enzymatischen Chemonukleolyse, sowie in seltenen Fällen mit einer lumbalen Bandscheibenoperation (zwischen 0,1 bis 3 %) assoziiert.

Die Erreger befallen endo- oder exogen die Bandscheibe und breiten sich auf die angrenzenden Wirbelkörper aus, wo sie destruktive Prozesse am Knochengewebe bedingen. Endogene Spondylodiszitiden werden in vielen Fällen durch Tuberkulose, die sich im weiteren Verlauf auch am Skelett respektive an der Wirbelsäule manifestiert, bedingt (tuberkulöse Spondylodiszitis).

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Ein Verdacht auf das Vorliegen einer Spondylodiszitis resultiert aus charakteristischen klinischen Symptomen wie Klopf-, Fersenfall- und Stauchungsschmerz bei geringem bis fehlendem Druckschmerz, Schonhaltung sowie Schmerz beim Aufrichten und während der Inklination (Vorbeugen).

Abgesichert wird die Diagnose durch bildgebende Verfahren (Röntgen, CT, MRT), die zudem eine Bewertung der Wirbelsäulenveränderungen sowie der entzündlichen Prozesse erlauben. Darüber hinaus sind, insbesondere bei akuten Verläufen die Entzündungsmarker im Serum (u.a. CRP, Leukozyten) sowie die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) erhöht. Differenzialdiagnostisch sollte eine Spondylodiszitis unter anderem von erosiven Osteochondrosen, tumorbedingten Destruktionen, Spondylarthritis ankylosans sowie einem Morbus Scheuermann abgegrenzt werden.

Eine Spondylodiszitis kann insbesondere untherapiert schwer ausgeprägte Symptome mit einen vital bedrohlichen Verlauf (etwa 70 Prozent) aufweisen. Untherapiert kann eine Spondylodiszitis zudem zu Immobilität, Pseudarthrosen, Fehlstellungen sowie einem chronischen Schmerzsyndrom führen. Die Prognose ist bei einer Spondylodiszitis abhängig von der Ausprägung der Erkrankung. So sind in vielen Fällen, insbesondere bei progressiver Destruktion der Wirbelkörper, posttherapeutische Beschwerden (u.a. motorisch Defizite, Hypästhesien) zu beobachten.

Komplikationen

Die Spondylodiszitis führt beim Betroffenen in erster Linie zu starken Schmerzen. Diese treten in den meisten Fällen in Form von Druckschmerzen auf. Sie können allerdings auch in Form von Ruheschmerzen auftreten und sich dabei negativ auf den Schlaf des Betroffenen auswirken. Die Patienten leiden dabei an Schlafbeschwerden und damit möglicherweise an Depressionen oder an anderen psychischen Verstimmungen.

Ebenso kann es bei der Spondylodiszitis zu Fieber und zu einer allgemeinen Müdigkeit und Abgeschlagenheit des Patienten kommen. Einige Betroffene verlieren dabei auch an Gewicht und können an nächtlichen Schweißausbrüchen leiden. Die Lebensqualität des Patienten wird durch die Spondylodiszitis ehrlich eingeschränkt und verringert. Die Behandlung dieser Krankheit erfolgt in der Regel ohne Komplikationen. Mit Hilfe von Medikamenten können die Beschwerden sehr gut eingeschränkt und die Infektion gelindert werden.

Schmerzmittel sollten dabei allerdings nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, da diese den Magen schädigen können. In schwerwiegenden Fällen kann die Spondylodiszitis auch zu einer Blutvergiftung führen, die zum Tod des Betroffenen führen kann. Bei einer erfolgreichen Behandlung wird die Lebenserwartung des Patienten allerdings nicht negativ eingeschränkt oder verringert.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen umfassen bei einer Spondylodiszitis in erster Linie eine suffiziente Ruhigstellung (u.a. durch Orthesen und/oder Bettruhe) und Schonung des spezifisch betroffenen Wirbelsäulenabschnittes sowie eine antibiotische, antimykotische bzw. antiparasitäre Therapie.

Grundlage der Behandlung einer bakteriell bedingten Spondylodiszitis ist der Nachweis des spezifisch vorliegenden Erregers, der anhand einer Blutkultur oder (intraoperativen) Biopsie erfolgen kann, sowie das Resistogramm bzw. Antibiogramm. Bei ausgeprägten akuten Spondylodiszitiden kann bereits vor Vorliegen des Resistogramms mit einer antibiotischen Breitbandtherapie begonnen werden, die allerdings die wahrscheinlichsten Erreger (Staphylococcus aureus, Escherichia coli) berücksichtigen sollte.

Hierbei erfolgt die Antibiotika-Applikation in den ersten zwei bis vier Wochen intravenös bzw. parenteral (am Darm vorbei). Liegen normalisierte Entzündungsparameter sowie ein verbesserter Allgemeinzustand des Betroffenen vor, kann in aller Regel auf die orale Einnahme umgestellt werden. Bei Risikogruppen wird eine Verlängerung der Antibiotika-Therapie empfohlen.

Wird die Spondylodiszitis durch eine mykotische oder parasitäre Infektion bedingt, kommt analog eine antimykotische respektive antiparasitäre Therapie zur Anwendung. Parallel sollten vorliegende Schmerzsymptomatiken entsprechend durch Analgetika (Schmerzmittel) behandelt werden.

Können eine Sepsis, neurologische Ausfälle, Instabilitäten und/oder potenzielle Deformitäten in den betroffenen Wirbelsäulenabschnitten festgestellt werden bzw. bleibt der Therapieerfolg der konservativen Maßnahmen aus, kann ein chirurgischer Eingriff zur Ausräumung des die Spondylodiszitis bedingenden Infektionsherds (Débridement) und Stabilisierung des betroffenen Wirbelsäulensegments (Spaninterposition) angezeigt sein.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Einer Spondylodiszitis kann durch die adäquate Therapie von Infektionserkrankungen vorgebeugt werden. Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz, Adipositas, Tumoren, Tuberkulose, systemische Erkrankungen, Drogenabusus, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie HIV gelten als Prädispositionssfaktoren und sollten entsprechend frühzeitig und konsequent therapiert werden, um einer Spondylodiszitis vorzubeugen.

Bücher über Rückenschmerzen

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: