Spinalkanalstenose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. Oktober 2017
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Die Spinalkanalstenose ist ein überwiegend degenerativ bedingtes Krankheitsbild, das sich an der Halswirbelsäule und insbesondere der Lendenwirbelsäule entwickeln kann. Auch wenn die Spinalkanalstenose mittlerweile der häufigste Grund für eine Operation an der Lendenwirbelsäule ist, stellen konservative Maßnahmen den Schwerpunkt der Behandlung dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Spinalkanalstenose?

Als Spinalkanalstenose bezeichnet man die Einengung des Rückenmarkkanals, der von den Wirbelkörpern gebildet wird und vom ersten Halswirbelkörper bis zum Kreuzbein reicht.

Die Einengung ist überwiegend verschleißbedingt, weshalb sie vor dem Hintergrund der zunehmenden Lebenserwartung der Bevölkerung und dem steigenden Anspruch auch älterer Patienten an Lebensqualität, Mobilität und Flexibilität eine immer größere Bedeutung erfährt. Auch die zunehmende Qualität der Diagnostik, allen voran die bildgebenden Verfahren wie Kernspin- und Computertomografie, trägt dazu bei, dass die Diagnose immer häufiger gestellt wird.

Am häufigsten betroffen ist die Lendenwirbelsäule und hier insbesondere die Etage zwischen dem dritten und vierten sowie vierten und fünften Lendenwirbelkörper. Die Spinalkanalstenose kann sich auch im Bereich der Halswirbelsäule entwickeln, ist hier jedoch weniger häufig.

Ursachen

Die Entstehung einer Spinalkanalstenose durch chronisch-degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule ist ein komplizierter und langwieriger Prozess, der durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird.

Durch den Verschleiß einer Bandscheibe kann sie sich in den Spinalkanal vorwölben und bereits zu einer Einengung führen. Der Bandscheibenverschleiß führt jedoch auch zu einer Höhenminderung des Abstands benachbarter Wirbelkörper, was die Einengung verschärfen und zur Arthrose der Wirbelgelenke führen kann.

Die Arthrose der Wirbelgelenke hat vielfältige Folgen wie zum Beispiel das Anschwellen der Gelenkskapsel, es können sich knöcherne Anbauten und Zysten sowie Instabilitäten zwischen den Wirbelkörpern entwickeln. All das kann zusätzlich das Rückenmark in Bedrängnis führen, indem Nervenwurzeln, die Rückenmarkhäute und -gefäße komprimiert werden.

Eine Spinalkanalstenose muss sich nicht nur auf eine Stelle der Wirbelsäule beschränken, sie kann gleichzeitig an mehreren Wirbelsäulenetagen lokalisiert sein.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Rückenschmerzen bei Spinalkanalstenose sind ein klassisches Beschwerdebild.

Eine Spinalkanalstenose im Bereich der Lendenwirbelsäule verursacht ein- oder beidseitige Rückenschmerzen, die über Jahre an Intensität zunehmen, in Gesäß, Leisten und Beine ausstrahlen können. Besteht das Problem an der Halswirbelsäule, treten typischerweise Nackenschmerzen auf, die in Schulter und Arme ausstrahlen, an den Händen entwickeln sich Gefühlsstörungen und Probleme mit der Feinmotorik, aber auch Gangunsicherheit und Sturzneigung können auftreten.

Alle diese Beschwerden sind jedoch nicht typisch für eine Stenose, vielmehr können sie auch bei zahlreichen anderen Wirbelsäulenerkrankungen auftreten wie zum Beispiel einem isolierten Bandscheibenvorfall, entzündlichen und neurologischen Erkrankungen, bei Wirbelkörperbrüchen, die sich im Rahmen einer Osteoporose an der Lendenwirbelsäule schleichend entwickeln.

Zur Abklärung tragen Röntgenaufnahmen inklusive sogenannter Funktionsaufnahmen, die Kernspin- und Computertomografie bei. Bei Unklarheiten können spezielle neurologische Untersuchungen, eine Gefäßdiagnostik und auch Laboruntersuchungen zur Abklärung einer eventuellen Spinalkanalstenose erforderlich werden.

Komplikationen

Die Spinalkanalstenose führt in erster Linie zu sehr starken Schmerzen. Diese treten dabei vor allem beim Gehen oder bei einem längeren Sitzen auf und können sich dabei sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten auswirken. Auch in der Nacht können die Schmerzen dabei in Form von Ruheschmerzen auftreten und dabei zu Schlafbeschwerden führen.

Die meisten Betroffenen leiden auch an Depressionen und an einer Gereiztheit. Mitunter machen sich auch Schmerzen in den Beinen bemerkbar, was mit deutlichen Einschränkungen in der Bewegung einhergehen kann. Viele Patienten sind dadurch auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Die Beine fühlen sich häufig schwer an.

Weiterhin führt die Erkrankung auch zu Störungen der Sensibilität oder zu Lähmungen in den Beinen. Die Schmerzen breiten sich häufig in den Rücken aus und können auch dort zu Einschränkungen führen. Die Behandlung der Spinalkanalstenose richtet sich immer nach den Symptomen. Dabei treten in der Regel keine Komplikationen auf.

Die Schmerzen können mit Hilfe von Schmerzmitteln gelindert werden. Allerdings kann die langfristige Einnahme von Schmerzmitteln den Magen schädigen. Weiterhin sind die Betroffenen auf verschiedene Übungen und Therapien angewiesen, um die Beschwerden zu mindern. Die Lebenserwartung des Patienten wird von der Erkrankung nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Die primären Ziele bei der Behandlung einer Spinalkanalstenose sind die Schmerzreduktion und die Verbesserung der Mobilität. In der Regel stellen konservative Maßnahmen das initiale Behandlungskonzept dar bestehend aus Krankengymnastik, physikalischer und manueller Therapie, Miederversorgung, Haltungsschulung und natürlich auch einer medikamentösen Schmerztherapie, die eventuell durch eine Akupunktur unterstützt werden kann.

Eine Operation ist nur dann erforderlich, wenn konservative Maßnahmen, die konsequent über 12 Wochen fortgeführt wurden, zu keinem nennenswerten Erfolg geführt haben und die Beschwerden zweifelsfrei auf eine Spinalkanalstenose sind. Eine absolute Indikation zur Operation besteht jedoch, wenn es durch die Kompression des Rückenmarks oder einer Nervenwurzel zu zunehmenden Lähmungserscheinungen kommt.

Das Prinzip der Operation besteht aus einer sogenannten Dekompression, bei der der Spinalkanal chirurgisch wieder erweitert wird, wodurch Rückenmark und Nervenwurzeln entlastet werden. Hierzu stehen verschiedene Operationstechniken zur Verfügung, aus denen individuell für jeden Patienten das geeignete Verfahren ausgewählt werden kann.

Je nach Operationstechnik kann es allerdings zu einer absehbaren Instabilität zwischen den Wirbelkörpern kommen, sodass in gleicher Operationssitzung nicht nur die Spinalkanalstenose beseitigt wird, sondern der operierte Wirbelsäulenabschnitt zusätzlich stabilisiert werden muss.

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Vorbeugung

Die Entwicklung einer Spinalkanalstenose kann durch vorbeugende Maßnahmen bedingt verhindert werden. Generell empfehlenswert ist ein rückenfreundlicher Lebenswandel mit dem Ziel, bei Zeiten für einen starken Rücken zu sorgen. Viel Bewegung beugt Rückenproblemen vor und lässt sich in der Regel problemlos in den Alltag integrieren: Treppe statt Aufzug, Einkäufe zu Fuß erledigen, regelmäßige Spaziergänge und Sport. Ein zusätzliches gezieltes und vor allem regelmäßiges Rückentraining ist empfehlenswert.

Bücher über Rückenschmerzen

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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