Spinaler Abzess

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 19. Oktober 2017
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Ein spinaler Abszess kann verschiedene Ursachen haben. Wird er nicht rechtzeitig operativ und antibiotisch behandelt, kann der Patient eine Querschnittslähmung bekommen oder sogar an einer Blutvergiftung sterben. Ursächlich sind oft Infektionen, die an anderen Stellen im Körper entstehen und sich über den Blutkreislauf ausbreiten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein spinaler Abszess?

Ein spinaler Abszess ist eine Eiter-Ansammlung im Spinalkanal. Sie kommt mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:10.000 Krankenhauseinweisungen vor (Tendenz steigend). Spinale Abszesse können außerhalb der harten Hirnhaut des Rückenmarks (epidural) und außerhalb oder innerhalb des Rückenmarks (extramedullär, intramedullär) lokalisiert sein. Etwa die Hälfte aller statistisch belegten spinalen Abszesse befinden sich epidural im Bereich der Brustwirbelsäule.

Die meisten Patienten sind zwischen 40 und 75 Jahre alt. Die Erkrankung tritt meist in Kombination mit einer Spondylodiszitis auf. Bei ihr handelt es sich um eine Infektion von Wirbelknochen und dazu gehöriger Bandscheibe. Im fortgeschrittenen Stadium ist der spinale Abszess oft von einem Eiter-Sack umhüllt. Seine Ausdehnung im Wirbelkanal ist mit Schmerzen verbunden. Wird der Abszess nicht behandelt, umfasst er schon innerhalb kurzer Zeit einen ganzen Wirbelsäulen-Abschnitt.

Patienten mit geschwächtem Immunsystem (HIV-Infizierte), mit Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz und chronisch Kranke haben ein erhöhtes Risiko, einen spinalen Abszess zu bekommen.

Ursachen

Spinale Abszesse können verschiedene Ursachen haben. Oft sind es in anderen Körperregionen vorhandene Infektionsherde, die ihre Erreger über die Blutbahn in den Wirbelkanal streuen: Furunkel, Harnwegs-, Atemwegs- und Zahn-Infektionen. Mitunter verbreiten sich die Erreger auch von Dekubitus-Geschwüren (sie entstehen durch längeres Wundliegen), Lendenwirbel-Abszessen, Hand und Fuß-Infektionen sowie von offenen Verletzungen aus.

Auch Operationen an der Wirbelsäule (Bandscheiben-Operationen), gelegte Epidural-Katheter, die örtliche Betäubung der unteren Körperhälfte zur Durchführung eines chirurgischen Eingriffs (Peridural-Anästhesie) und Lumbal-Punktionen können zum Auftreten von spinalen Abszessen führen. Die Wahrscheinlichkeit, sich über eine konservative Schmerz-Therapie des Ischias oder Hexenschuss mit Kortikoiden eine Wirbelkanal Vereiterung zuzuziehen, liegt zwischen 1:1.000 und 1:100.000.

Auch die - wenn auch sehr selten vorkommende - falsche Platzierung eines Katheters, eine unzureichende Sterilität des Katheters und ein zu lange gelegter Katheter können zu einer solchen Eiter-Ansammlung führen. Dasselbe gilt für die Entzündung von Wirbelkörpern (Osteomyelitis). Mitunter sind sogar Tätowierungen und die Behandlung mit Akupunkturnadeln Risikofaktoren. Die meisten spinalen Abszesse werden durch eine Infektion mit Staphylococcus aureus hervorgerufen.

Seltener kommt es durch E. coli, anaerobe und aerobe Streptokokken, Salmonellen, Pseudomonas aeruginosa, Tuberkel-Bakterien, Pilze und Parasiten zu einem spinalen Abszess. Besorgniserregend ist in letzter Zeit die hohe Anzahl von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus Erregern, die an der Entstehung der Infektion beteiligt sind. In etwa zehn Prozent der Fälle ist eine Mischinfektion ursächlich.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Erste Symptome des Abszesses sind hohes Fieber und Abgeschlagenheit. Die Patienten haben starke Druckschmerzen auf der Höhe des Abszesses. In fortgeschrittenen Stadien zeigt sich die Rückenmarksschädigung in Form von neurologischen Ausfällen und motorischen Defiziten. Werden sie nicht innerhalb eines Tages behandelt, ist eine Querschnittslähmung (Paraplegie) mit gestörter Blasen und Darmentleerung die unweigerliche Folge.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Erkrankung wird meist mithilfe bildgebender Verfahren wie Kernspintomografie (MRT) und Computertomografie (CT) erkannt. Das MRT zeigt die genaue Ausdehnung der Eiteransammlung. Außerdem wird dem Patienten zerebrospinale Flüssigkeit entnommen. Ergibt die Analyse einen erhöhten Anteil an Eiweißen und weißen Blutkörperchen, liegt ein spinaler Abszess vor.

Der Befund wird gestützt durch eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit. Der spinale Abszess verläuft wegen der schnellen Ausbreitung der Bakterien meist subakut und akut. Chronische Verläufe kommen dann vor, wenn er durch eine in seiner direkten Umgebung lokalisierte Infektion (Spondylodiszitis, Osteomyelitis) verursacht wurde. Bei akuten Verläufen muss schnell gehandelt werden, um eine vollständige Lähmung zu verhindern.

Komplikationen

Bei dieser Erkrankung kann es im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung kommen. Dabei kann der Betroffene daran versterben, sofern die Vergiftung nicht behandelt wird. Allerdings kann es ohne Behandlung auch zu einer Querschnittslähmung kommen, die in der Regel nicht reversibel ist und nicht behandelt werden kann.

Die Betroffenen leiden in erster Linie an einer starken Abgeschlagenheit und weiterhin auch an Fieber. Es kommt zu Druckschmerzen und damit zu starken Bewegungseinschränkungen. Durch diese Einschränkungen leiden viele Patienten auch an psychischen Beschwerden oder an Depressionen. Weiterhin treten neurologische Ausfälle oder Lähmungen auf.

Werden diese nicht behandelt, kommt es in den meisten Fällen zu einer Querschnittslähmung. Der Patient ist dann auf einen Rollstuhl und in der Regel auch auf die Hilfe anderer Menschen in seinem Alltag angewiesen. Die Behandlung richtet sich sehr stark nach der genauen Ursache und nach den Beschwerden. Falls die Behandlung allerdings schon früh eingeleitet wird, können die meisten Beschwerden gelindert und Komplikationen vermieden werden. Weiterhin sind die Betroffenen auch auf Reha-Maßnahmen angewiesen, um eine vollständige Bewegung wiederherzustellen.

Therapie & Behandlung

Befindet sich der Patient in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung oder hat er eine Blutvergiftung, so muss er schnellstens operiert werden. Bei der Laminektomie werden angesammelter Eiter und Granulationsgewebe von hinten entfernt. Ist der Abszess größer, müssen an verschiedenen Stellen des Wirbelkanals Drainagen gelegt werden.

Die entnommene Flüssigkeit wird analysiert, um später die geeigneten Antibiotika verordnen zu können. Die Drainage erfolgt meist als Spül-Saug-Drainage: Die Höhle, in der sich die Eiteransammlung befindet, wird später noch zusätzlich ausgespült. Ergibt die Liquorpunktion beispielsweise, dass der Abszess durch eine Hirnhautentzündung hervorgerufen wurde - die entnommene Flüssigkeit ist dann gelblich-trüb - muss sie ebenfalls behandelt werden. Dasselbe gilt für die anderen Primär-Infektionen, die zum Auftreten eines spinalen Abszesses führen.

Die Kombinations-Therapie mit Antibiotika erfolgt in den ersten Tagen intravenös und in den darauf folgenden Wochen über die Verabreichung von Tabletten. Patienten, die noch keine neurologischen Defizite zeigen, werden mitunter nur Antibiotika gegeben. Kann das Anwachsen des Abszesses damit nicht aufgehalten werden, ist ein operativer Eingriff notwendig. Wird der Betroffene rechtzeitig operiert, hat er gute Heilungschancen, wenn die Primärinfektion ebenfalls schnellstmöglich erkannt und behandelt wird und es in der Folgezeit zu keinen Komplikationen kommt.

Weniger gut ist die Prognose bei Erkrankten, die noch zusätzlich mehrere chronische Krankheiten haben. Die medizinische Nachsorge umfasst regelmäßige Laboruntersuchungen, radiologische Kontrollen und eine physiotherapeutische Reha-Maßnahme.

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Vorbeugung

Als vorbeugende Maßnahme wird insbesondere Patienten aus Risikogruppen empfohlen, Infektionen an Haut, Zähnen und Atemwegen umgehend ärztlich behandeln zu lassen oder aber sie schon im Vorfeld zu verhindern (falls möglich).

Bücher über Blasen & Abszesse

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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