Spermagranulom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. Oktober 2017
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Granulome sind gutartige Neubildungen von Gewebe, deren Entartung annähernd ausgeschlossen ist und die zum Beispiel in Form eines Spermagranuloms auftreten können. Spermagranulome entstehen meist nach einer Vasektomie, bei der die Nebenhoden oder der Samenstrang verletzt wurden und Spermatozoen ins umliegende Gewebe austreten. Der Austritt lockt Makrophagen an, die an der Bildung des Granuloms beteiligt sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist einSpermagranulom?

Der Funiculus spermaticus ist ein rund 20 Zentimeter messendes Bündel aus Nerven, Gefäßen und dem männlichen Samenleiter. Die anatomische Struktur ist auch als Samenstrang bekannt und verläuft durch den männlichen Leistenkanal. Beim Spermagranulom verändert sich der Samenstrang in knotig harte Konsistenz.

Spermatozoen treten in einer Folge ins umliegende Gewebe aus. Spermagranulome werden oft im Rahmen einer Obduktion entdeckt. Diese Zufallsbefunde betreffen etwa drei Prozent aller Männer. Eine Inzidenz von bis zu 40 Prozent haben die Veränderungen bei der Männergruppe mit Vasektomie. Grundsätzlich handelt es sich bei dem Phänomen um eine Samenstrangerkrankung, die in aller Regel keinerlei manifeste Symptome zeigt.

Das mitunter einzige Symptom stellt sich durch die Palpation heraus. Eine Druckempfindlichkeit im Bereich der Veränderung ist möglich, muss aber nicht zwingend vorliegen. Wie alle anderen Granulome ist das Spermagranulom eine entzündungsbedingt knotenartige Neubildung von Epitheloid-Zellen, mononukleären Zellen oder auch Riesenzellen. Die gutartige Veränderung ist meist die Folge von chronischen, allergischen oder infektiösen Prozessen.

Ursachen

Die primäre Ursache für Spermagranulome legt mitunter am häufigsten in einer Vasektomie, die am Samenstrang bei einer Sterilisation erfolgt. Durch den operativen Eingriff der Sterilisation wird der Samenleiter verletzt. Zuweilen treten auch Verletzungen der Nebenhodengänge ein. Durch diese Verletzungen treten Spermatozoen in das umgebende Gewebe aus.

Nicht immer muss das Spermagranulom aber mit einer Vasektomie in Zusammenhang stehen. Auch entzündliche Reaktionen können die Nebenhoden und den Samenstrang verletzen und den Austritt von Spermatozoen begünstigen. Der Eintritt der Spermatozoen ins Gewebe gilt als Ursache jedes Spermagranuloms. Die Spermatozoen tragen eine dichte und enzymatisch schwer abzubauende DNA, die von einer säurefesten Hülle umgeben ist.

Aufgrund dieser Struktur überleben sie im Milieu der weiblichen Geschlechtsorgane. Die einzelnen Bausteine der Spermatozoen, so vor allem das Ceroidpigment, stimulieren beim Austritt aus den Nebenhoden die immunologischen Makrophagen.

Die Immunzellen werden zu Epitheloidzellen und begünstigen damit die Bildung eines Granuloms. Makroskopisch betrachtet, sind Spermagranulome so braune Knoten geringer Größe, die im histologischen Bild dem Fremdkörpertyp entsprechen und aus Epitheloidzellen sowie Riesenzellen bestehen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Männer mit Spermagranulom leiden an einer knotig harten Veränderung im Bereich des Samenstranges. In vielen Fällen ertasten die Betroffenen die Gewebeveränderung selbst und suchen mit dem Verdacht einer bösartigen Veränderung einen Arzt auf. In wieder anderen Fällen ist das Granulom derart klein, dass es vom Patienten nicht bemerkt wird.

Da die Granulome häufig keinerlei Begleitsymptome verursachen, können Spermagranulome so dauerhaft unbemerkt bleiben. Manche Männer mit Spermagranulom klagen über belastungsabhängige Schmerzen, so vor allem Druckschmerzen. Der Druckschmerz ist allerdings kein zwingend erforderliches Symptom und kann so trotz bestehendem Granulom ausbleiben. Bei entzündungsbedingten Spermagranulomen sind leichte Schmerzen verbreitet.

Bei Granulomen nach einer Vasektomie besteht aufgrund der Vasektomie ohnehin Schmerz, sodass die Patienten den Granulom-Schmerz auf die zurückgelegene Operation zurückführen. Viele Spermagranulome sind dementsprechend ein Zufallsbefund, der erst bei einer andersgearteten Untersuchung identifiziert wird.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Für einen Arzt ist das Spermagranulom in der Regel deutlich tastbar. Wenn in dem erhärteten Bereich Druckschmerz besteht, liegt der Verdacht des Granuloms nahe. Nichtsdestotrotz muss differenzialdiagnostisch an Tumore gedacht werden.

Zur Sicherung der Diagnose und zum Ausschluss einer bösartigen Veränderung nimmt der Arzt daher meist eine Gewebeprobe, die in der Histologie das oben erwähnte Bild aus Riesen- und Epitheloid-Zellen zeigt. Die Prognose bei Spermagranulomen ist günstig. Oft muss kein Eingriff erfolgen.

Komplikationen

In vielen Fällen wird das Spermagranulom nur sehr spät entdeckt. Dieser Fall tritt vor allem dann auf, wenn der Knoten noch sehr klein ist und damit vom Patienten nicht erspürt werden kann. Weiterhin muss es durch das Spermagranulom auch nicht zu besonderen Beschwerden kommen, sodass die Erkrankung oft lange unentdeckt bleibt. Andere Betroffene leiden dabei an Druckschmerzen, wobei die Druckschmerzen häufig auch im Normalfall auftreten können.

Das Spermagranulom muss nicht unbedingt zu Komplikationen führen. Es kann in einigen Fällen auch wieder von selbst verschwinden, sodass kein operativer Eingriff notwendig ist. Allerdings vermuten viele Betroffene hinter dem Spermagranulom einen bösartigen Tumor und können dadurch an psychischen Beschwerden oder an Depressionen leiden. Bei der Behandlung selbst treten in der Regel ebenso keine Komplikationen auf.

Durch einen einfachen operativen Eingriff wird das Spermagranulom entfernt. Auch nach einer erfolgreichen Behandlung kann das Spermagranulom erneut auftreten, sodass eine erneute Behandlung notwendig sein kann. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch die Erkrankung nicht verringert. Der operative Eingriff ist mit den gewöhnlichen Risiken und Nebenwirkungen eines solchen Eingriffes behaftet.

Behandlung & Therapie

Spermagranulome sind ungefährlich und verursachen meist keinerlei Beschwerden. In vielen Fällen findet nach geraumer Zeit eine Rückbildung des Granuloms statt. Daher erfolgt nach der Diagnose niemals ein unmittelbarer Eingriff. Der Arzt wartet einige Zeit ab, damit sich das Granulom von selbst zurückbilden kann. Jede Operation belastet den Organismus des Patienten.

Daher erfolgt die operative Entfernung eines Spermagranuloms nur in Ausnahmefällen. Bei der Operation wird der betroffene Bereich eröffnet. Die Gewebeneubildung wird meist vollständig entfernt. Da im Rahmen der Diagnostik bereits eine Biopsie stattfindet, erfolgt die Entfernung des gesamten Granuloms oft schon im Rahmen dieser ersten Gewebeprobe.

Reste des Spermagranuloms können in der Regel im Körper zurückbleiben, ohne dass sie Rezidive begünstigen. In den meisten Fällen bilden sich die zurückgebliebenen Reste also voll zurück. Die Wahrscheinlichkeit einer malignen Entartung ist bei Granulomen relativ gering. Deshalb besteht bei Spermagranulomen kein akuter Exzisionsdruck.

Dass sich betroffene Männer in der Regel trotzdem zu einer Exzision entscheiden, liegt vor allem an der unangenehmen Verhärtung und an den teils auftretenden Druckschmerzen. Die Operation erfolgt meist unter örtlicher Betäubung.

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Vorbeugung

Vor allem im Rahmen einer Vasektomie ist Spermagranulomen kaum vorzubeugen. Allerdings kann die Erfahrung und Arbeitsqualität der sterilisierenden Ärzte das Risiko für das Auftreten etwaiger Komplikationen minimieren.

Daher lässt sich die gewissenhafte Auswahl des Operierenden vor der Vasektomie im weitesten Sinne als Vorbeugemaßnahme bezeichnen. Entzündungsbedingten Granulomen kann noch weniger vorgebeugt werden als steriliisationsbedingten Spermagranulomen.

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Quellen

  • Finke, F., Piechota, H., Schaefer, R.M., Sökeland, J., Stephan-Odenthal, M., Linden, P.: Die urologische Praxis. Uni-Med, Bremen 2007
  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Sökeland, J., Schulze, H., Rübben, H.: Urologie. Thieme, Stuttgart 2004

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