Spaltwirbel

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 27. Oktober 2016
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Der Spaltwirbel (Spina bifida) ist eine sehr seltene Fehlbildung des kindlichen Körpers im Mutterleib. Sie tritt in verschiedenen Formen auf, die unterschiedlich behandelt werden. Die moderne Medizin ist imstande, die Spina bifida schon beim Ungeborenen zu behandeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Spaltwirbel?

Als Spaltwirbel oder offenen Rücken bezeichnet der Mediziner eine ausgesprochen seltene Wirbelsäulen-Deformation. Sie ist angeboren und betrifft in manchen Fällen sogar das Rückenmark und seine Häute. Der Spaltwirbel bildet sich in der dritten bis vierten Schwangerschaftswoche heraus, wenn das Neuralrohr entsteht.

Aus ihm gehen im weiteren Verlauf der embryonalen Entwicklung schließlich Wirbelsäule, Rückenmark und Gehirn hervor. Verschließt sich das Neuralrohr nicht vollständig, kommt es an der betreffenden Stelle zu einer Deformation der Wirbel: Das Rückenmark tritt über die nicht komplett geschlossenen Wirbelbögen aus. Der Spaltwirbel befindet sich meist am unteren Ende der Wirbelsäule.

Er kommt in drei Formen vor. Wenig bis gar keine Beschwerden verursacht der verborgene Spaltwirbel (Spina bifida occulta). Als Dermalsinus bezeichnet der Mediziner einen nach außen offenen Kanal zwischen dem Rückenmark und der Hautoberfläche. Bei einem offenen Spaltwirbel (Spina bifida aperta) sind Hirnhäute und Rückenmark (Myelon) oder nur die Hirnhäute (Meningen) geschädigt.

Das Myelon tritt sackähnlich aus dem Wirbelkanal aus. Ist jedoch das Rückenmark betroffen, liegt eine Myelomeningozele vor. Diese Form des offenen Rückens kommt am häufigsten vor. Bei der Myelozele ist das Rückenmark nicht mit Haut bedeckt. Wird der offene Rücken rechtzeitig erkannt und entsprechend therapiert, entwickeln sich die Kinder meist körperlich und geistig normal.

Ursachen

Die genauen Ursachen des Spaltwirbels sind noch nicht geklärt. Die Mediziner nehmen an, dass die Kombination von genetischer Prädisposition und verschiedenen äußeren Faktoren zum Entstehen der Fehlentwicklung führt. Mögliche Risikofaktoren sind ein Mangel an Folsäure während der Schwangerschaft und die Einnahme bestimmter Medikamente gegen Epilepsie (Valproat).

Außerdem macht die Medizin Nikotin und Alkoholgenuss sowie eine übermäßige Strahlenbelastung (Röntgen) dafür verantwortlich. Da die Spina bifida oft mit Folgeschäden verbunden ist, müssen die betroffenen Kinder ihr ganzes Leben lang medizinisch betreut werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Spina bifida occulta ist mitunter mit Harnverhalt und einer raschen Ermüdbarkeit der Beine verbunden. Bei der Spina bifida aperta zeigen sich dagegen keine Symptome, wenn das Rückenmark intakt ist (Meningozele). Ist das jedoch nicht der Fall, kann das Hirnwasser nicht mehr in den Rückenmarkskanal abfließen und staut sich in den Hirnkammern (Ventrikeln).

Es kommt zur Bildung eines Wasserkopfes. Der Dermalsinus zeigt sich in Form häufig wiederkehrender Hirnhaut-Infektionen, da die Krankheitserreger über den offenen Kanal ins Rückenmark eindringen können. Schwere Spaltwirbel-Deformationen kommen oft zusammen mit einer Querschnittslähmung vor. Die neurologischen Ausfälle sind davon abhängig, wie hoch der Spaltwirbel ist.

Viele Patienten haben aufgrund einer Muskelatrophie Bein-Lähmungen. Mitunter kommt es auch zu Empfindungsstörungen. Fast alle kindlichen Patienten haben eine gestörte Darm und Blasenentleerung bis hin zur Inkontinenz oder zum Stuhl und Harn-Verhalt. Bei manchen von ihnen tritt außerdem noch eine Fuß-Deformation (Klumpfuß) oder eine Hüftfehlstellung auf.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine Spina bifida lässt sich mithilfe verschiedener pränataler diagnostischer Methoden feststellen. Der untersuchende Mediziner misst das Alpha-1-Fetoprotein im mütterlichen Blut oder Fruchtwasser. Ist seine Konzentration erhöht, kann er damit seine Spina bifida Diagnose absichern. Eine zwischen der 12. und 14. Schwangerschaftswoche vorgenommene Ultraschall-Untersuchung macht eine vorhandene Spaltwirbel Bildung sichtbar.

Die Messung der Ventrikel-Größe und des Schädel-Durchmessers kann auf einen Wasserkopf hinweisen. Das genaue Ausmaß der Fehlbildung lässt sich jedoch erst nach der Niederkunft der Schwangeren sicher einschätzen. In den ersten Lebenstagen des Babys führt der Arzt eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder einen Ultraschall durch, um die Fehlbildung und eventuell vorhandene krankhafte Veränderungen im Gehirn besser beurteilen zu können.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Spaltwirbels ist davon abhängig, welche Form der Deformation vorliegt, wie stark ausgeprägt sie ist und ob noch weitere Schädigungen vorhanden sind. Der Dermalsinus muss mithilfe eines neurochirurgischen Eingriffs verschlossen werden. Die Meningozelen werden ebenfalls operativ behandelt. Schwangere, bei denen eine Myelomeningozele festgestellt wurde, entbinden meist per Kaiserschnitt.

Danach verschließt der Operateur den offenen Rücken. Die Spina bifida Operationen werden in Spezialkliniken bereits im Mutterleib per Bauchspiegelung (Endoskopie) oder Bauchschnitt durchgeführt. Der Wasserkopf wird in der ersten Lebenswoche des Kindes durch Legen eines Shunts (Spezial-Katheters) behandelt, sodass das überflüssige Gehirnwasser in den Bauchraum abfließt.

Die gestörte Blasenentleerung lässt sich medikamentös therapieren. Da die Bein-Lähmungen eine Wirbelsäulen-Verkrümmung (Skoliose) bewirken können, setzt der Orthopäde Orthesen und Bandagen ein und verschreibt eine Physiotherapie. Da die in der frühen Kindheit vorgenommene operative Korrektur des Spaltwirbels Narben hinterlässt, kommt es später zu einer Verschlimmerung der neurologischen Symptome, wenn das Kind wächst. Weitere Operationen sind die Folge.

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Vorbeugung

Um das Risiko zu minimieren, ein Kind mit einem offenen Rücken zu gebären, raten Ärzte betroffenen Frauen, mindestens vier Wochen vor einer geplanten Schwangerschaft ein Folsäure-Präparat einzunehmen und es erst im vierten Schwangerschaftsmonat wieder abzusetzen.

Welches Mittel am besten geeignet ist, erfährt die Patientin von ihrem Arzt. Epilepsie-Patientinnen mit Kinderwunsch sprechen am besten rechtzeitig vorher mit dem behandelnden Mediziner über die Dosierung von Valproat während der Schwangerschaft. Außerdem sollte die werdende Mutter vollständig auf Alkohol und Zigaretten verzichten.

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