Soziale Phobie (Sozialphobie)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. Oktober 2017
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Die soziale Phobie, oder auch Sozialphobie genannt, ist eine Angststörung. Dabei fürchten sich Betroffene davor, in Gesellschaft negativ aufzufallen und sich zu blamieren. Die Angst kreist darum, dass sich die allgemeine Aufmerksamkeit auf die eigene Person richten könnte. Etwa 11 bis 15 Prozent der Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an sozialer Phobie.

Inhaltsverzeichnis

Definition Soziale Phobie

Die soziale Phobie wird im ICD 10 (Herausgeber: WHO) folgendermaßen definiert: Menschen, die an sozialer Phobie leiden, fürchten sich davor, in kleineren Gruppen aufzufallen und in den Fokus des Interesses zu geraten. Das Selbstwertgefühl ist gering und Kritik kann nur schwer ertragen werden.

Charakteristischerweise tritt diese Angst bei großen Menschenmassen nicht auf. Sie beschränkt sich auf bestimmte soziale Situationen. In manchen Fällen konzentriert sich die Furcht auf Anlässe wie öffentliches Essen oder Vorträge. Weitaus häufiger ist es aber, dass sich die Angst auf viele soziale Situationen erstreckt.

Symptome können zum Beispiel Herzrasen, Übelkeit, Zittern und Schwitzen sein. Da sich der Leidensdruck bis hin zu Panikattacken steigern kann, legen Betroffene Vermeidungsverhalten an den Tag, um den Begleiterscheinungen der sozialen Phobie zu entgehen.

Ursachen

Die soziale Phobie kann verschiedene Ursachen haben, meist handelt es sich um ein ganzes Ursachengeflecht. Zum einen hat man durch Studien herausgefunden, dass bei einer solchen Erkrankung auch eine genetische Disposition eine Rolle spielen kann. Dies zeigen zum Beispiel Zwillingsstudien.

Ein anderer Grund für eine soziale Phobie kann in der Persönlichkeit des Betroffenen verankert sein. So neigen Menschen, die solche Schwierigkeiten haben, vermehrt zu Verunsicherung und Selbstzweifel, während andere über vergleichbare Dinge mit Humor hinweggehen.

Das geringe Selbstbewusstsein kann wiederum verschiedene Ursachen haben: eine lieblose Erziehung, in der kein Urvertrauen ausgebildet werden konnte, Traumata oder soziale Defizite wie Ausgrenzung, Zurückweisung, etc. In einer Psychotherapie kann analysiert werden, welche Gründe für eine soziale Phobie vorliegen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Um eine soziale Phobie zuverlässig diagnostizieren zu können, müssen die oben genannten Kriterien erfüllt sein. Doch wie entwickelt sich eine solche Erkrankung? Gibt es einen typischen Verlauf?

In der Regel kann man sozialen Phobien nicht einen einzigen ursächlichen Grund zuweisen. Sie sind eher schleichend und entwickeln sich langsam über Jahre hinweg. Wird die Erkrankung nicht angemessen therapiert, besteht die Gefahr der Chronifizierung. Häufig gesellen sich Suchterkrankungen und/oder Depressionen dazu, wobei Betroffene versuchen, sich mittels Alkohol, Medikamenten oder Drogen selbst zu helfen.

Man spricht dann von Komorbidität. Häufig ist festzustellen, dass sich Erkrankte immer weiter zurückziehen und vereinsamen. Wird dies Störung jedoch rechtzeitig behandelt, dann ist die Prognose für die Heilung einer sozialen Phobie günstig.

Komplikationen

Die Sozialphobie ist eine nicht zu unterschätzende Erkrankung. Betroffene meiden den Umgang mit anderen Menschen. Sie ziehen sich zurück, kapseln sich zunehmend von der sozialen „Außenwelt“ ab und entwickeln nicht selten eine Depression. Selbst der Gang zum Arzt ist für viele Patienten erst nach mehreren Anläufen möglich. Der Horror beginnt schon auf der Straße.

Dort können Phobiepatienten anderen Menschen zwar noch ausweichen, aber im Bus, in der Straßenbahn oder U-Bahn ist ein Entkommen unmöglich. Die Angst verfestigt sich. Betroffene versuchen den Zustand zu überspielen. Sie greifen zu Medikamenten wie Beruhigungsmittel (Benzodiazepine). Um den Gang zum Arzt zu überstehen, ist eine kurzzeitige Einnahme als Hilfsmittel durchaus vertretbar.

Von der Einnahme über einen längeren Zeitraum ist jedoch strikt abzuraten, da diese zur Abhängigkeit führt und weitere Probleme mit sich bringt. Manche Sozialphobiker entwickeln andere Strategien. Sie greifen zu alkoholischen Getränken. Daraus kann sich schnell eine Alkoholsucht entwickeln.

Das Vermeiden bestimmter Situationen führt im Alltag von Menschen mit sozialer Phobie zu weiteren Einschränkungen. Das kann zum Beispiel die Auswahl eines geeigneten Berufes erschweren. Ist dieser endlich gefunden, kann trotzdem noch ein Abbruch drohen. Schon der Aufenthalt im Klassenzimmer während des theoretischen Unterrichts kann einen bedrohlichen Zustand des Phobikers auslösen. Nicht selten endet dieser in Panikattacken.

Manche Betroffene schaffen den Schritt zum Facharbeiter, andere wiederum bleiben ein Leben lang ungelernt und können sich nur zeitweise mit Hilfsarbeiten über Wasser halten. Ohne ärztliche Behandlung kann sich eine Sozialphobie derart verstärken, dass Betroffene nicht mehr in der Lage sind, soziale Kontakte zu knüpfen. Mitunter kann dies suizidales Verhalten begünstigen.

Behandlung & Therapie

Doch wie kann eine soziale Phobie erfolgreich behandelt werden? Mittlerweile wurde erkannt, dass eine Kombination aus Psychotherapie und medikamentöser Behandlung am aussichtsreichsten ist. Medikamentös stehen verschiedene Antidepressiva, wie das Sertralin oder das Mirtazapin zur Verfügung, die angstlösend wirken, weil sie auf bestimmte Hirnareale wirken, in denen die Angst entsteht.

Die richtige medikamentöse Einstellung ist die Voraussetzung dafür, dass eine Psychotherapie überhaupt greifen kann. Psychotherapeutisch wird meist die kognitive Verhaltenstherapie angewandt, damit Betroffene lernen, ein positives Selbstbild aufzubauen und besser mit Niederlagen umzugehen. In diesem Rahmen wird angestrebt, dass Patienten unabhängiger werden von den Meinungen anderer.

Zudem werden verschiedene Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung oder autogenes Training praktiziert, um Stress abzubauen. Bei guter Beherrschung dieser Entspannungstechniken können im Idealfall Krisen abgewendet werden. Kurzfristig kann eine soziale Phobie auch mit Benzodiazepinen behandelt werden. Hierfür kommen beispielsweise Diazepam oder Alprazolam in Frage.

Aufgrund des Suchtpotenzials dieser Beruhigungsmittel sollten diese allerdings so sparsam wie nötig und so kurz wie möglich zum Einsatz kommen. Es gibt demnach einige Ansätze, wie soziale Phobien behandelt werden können.

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Vorbeugung

Da nicht genau bekannt ist, was soziale Phobien letztlich auslöst, ist es schwierig, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Festgestellt wurde allerdings, dass eine abwertende und ablehnende Haltung der Eltern oder Gleichaltriger in der Kindheit das Risiko erhöht. Dies sollte man daher beim eigenen Erziehungsstil berücksichtigen. Außerdem gilt: Beim ersten Verdacht sollte man sich in Behandlung begeben, weil dann die Prognose für die Heilung einer sozialen Phobie am besten ist.

Bücher über Soziale Phobie

Quellen

  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Morschitzky, H.: Angststörungen – Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Springer, Wien 2009
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

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