Sorivudin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Mai 2017
Startseite » Wirkstoffe » Sorivudin

Bei Sorivudin handelt es sich um einen medizinischen Arzneistoff, der in Japan zur Behandlung von Herpes entwickelt wurde. Sorivudin wurde unter dem Handelsnamen Usevir® vertrieben und ist seit einem Arzneimittelskandal, in dem in Japan mehrere Menschen zu Tode kamen, nicht mehr erhältlich. In Europa kam es erst gar nicht zu einer Zulassung, sodass das Präparat nicht vom Markt genommen werden musste.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Sorivudin?

Sorivudin wurde in den frühen 1990er Jahren vom japanischen Pharmazieunternehmen Nippon Shoji entwickelt. Der Wirkstoff wurde zur Behandlung von Herpes-Infektionen eingesetzt und fungierte als Virostatikum. Hierunter werden solche Arzneien verstanden, die die Vermehrung von Viren hemmen und dadurch die Therapie von Infektionskrankheiten ermöglichen.

Sorivudin ist wirksam gegen Infektionen, die von Herpes simplex Typ 1 Viren ausgelöst werden. Auch bei Epstein-Barr-Viren (häufig auch EBV oder HHV4 genannt) bestand eine Indikation.

Sorivudin wird in der Chemie und Pharmakologie durch die Summenformel C 11 – H 13 – Br – N 2 – O 6 beschrieben und weist eine morale Masse von 349,13 g/mol auf. Nachdem Usevir®, das wichtigste Sorivudin-haltige Präparat, im Jahre 1994 einen nationalen Arzneimittelskandal auslöste, wurde die Substanz vom Markt genommen. Sie ist seitdem weltweit nicht mehr als Arzneimittel erhältlich und findet in der Humanmedizin keine Verwendung.

Pharmakologische Wirkung

Sorivudin erreicht seine Wirksamkeit gegen Herpes- und Epstein-Barr-Viren durch die Hemmung des Enzyms Dihydropyrimidindehydrogenase (DPD). Dieses ist u. a. für den Abbau verschiedener Pyrimidine und Fluorouracil zuständig. Bei Fluorouracil, oft auch 5-FU oder 5-Fluoruracil genannt, handelt es sich um ein Zytostatikum. Als solches wird der Stoff im Rahmen einer umfassenden Chemotherapie verabreicht, um verschiedene Krebserkrankungen zu behandeln.

Aufgrund der von Sorivudin bewirkten Hemmung von DPD wird der Abbau von Fluorouracil unmöglich gemacht bzw. erheblich verlangsamt, was unter Umständen letal sein kann. Zwischen Sorivudin und Fluorouracil bestehen also massive Wechselwirkungen.

Sorivudin selbst wird im Körper durch Bromvinyluracil abgebaut. Der Abbauprozess entspricht damit weitestgehend dem des Virostatikums Brivudin, das als Medikament weiterhin zugelassen ist.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Sorivudin wurde zur Behandlung von Herpes verabreicht und hergestellt. Das Präparat Usevir® war indiziert, um Infektionen mit Herpes-Zoster (Gürtelreose) oder Herpes simplex Typ 1 zu behandeln. Auch Epstein-Barr-Viren konnten mit Sorivudin therapiert werden. Die Einnahme erfolgte ausschließlich oral in Form von Filmtabletten. Präparate, die Sorivudin enthielten, unterlagen in Japan der Apotheken- und Verschreibungspflicht.

Sorivudin wurde vom Markt genommen, nachdem es zu einem Arzneimittelskandal in Japan kam. Aufgrund der Wirkweise des Arzneistoffes starben im Jahr 1994 insgesamt 16 Patienten nach der Einnahme von Sorivudin, da sie im Voraus mit Fluorouracil behandelt wurden. Dies war möglich, da Nippon Shoji, der Hersteller des Sorivudins, im Zulassungsverfahren ungenaue Informationen an das zuständige Gesundheitsministerium übermittelte. Denn bereits bei der Durchführung der im Voraus notwendigen Arzneimitteltests kam es zu Todesfällen, die durch die bekannte Wechselwirkung von Fluorouracil und Sorivudin hervorgerufen wurden. Da der Hersteller nach dem Abschluss der Testphase die notwendige Weiterleitung von Informationen unterließ, kam es zur Zulassung von Sorivudin. Ein Hinweis auf die letale Wechselwirkung erfolgte nicht, sodass es zu zahlreichen gemeinsamen Verabreichungen mit Fluorouracil kam.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Risiken & Nebenwirkungen

Sorivudin darf nicht eingenommen werden, wenn Unverträglichkeiten bzw. Allergien gegen das Mittel bekannt sind. Diese können sich in massiven Reaktionen der Haut wie Juckreiz, Rötungen oder Ausschlägen äußern. Der Arzneistoff kann als unerwünschte Nebenwirkung außerdem Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein hervorrufen. Auch Beschwerden des Magen-Darm-Traktes sind denkbar.

Sorivudin führt zu massiven Wechselwirkungen mit Fluorouracil, da der Abbau des Krebsmedikamentes durch Sorivudin gehemmt wird. Dies kann unter Umständen tödlich sein. Aus medizinischer Sicht besteht damit eine Kontraindikation, sodass eine kombinierte Verabreichung von Fluorouracil und Sorivudin zwingend zu unterbleiben hat.

Bücher über Herpes & Lippenherpes

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: