Somatoforme autonome Funktionsstörung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. Oktober 2017
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Das Gefühl, krank zu sein, muss nicht immer eine körperliche Ursache haben, auch wenn Beschwerden durchaus diagnostisch festzustellen sind. Es kann sich auch um ein psychosomatisches Leiden handeln, wie das bei der somatoformen autonomen Funktionsstörung der Fall ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine somatoforme autonome Funktionsstörung?

Als somatoforme autonome Funktionsstörung wird ein seelisches Krankheitsbild bezeichnet, das sich in körperlichen Beschwerden äußert, für die keine organischen Ursachen gefunden werden können.

Eine Veranlagung kann eine Rolle spielen, aber auch belastende Erlebnisse. Häufig ist sie eine Begleiterscheinung von Angststörungen oder Depressionen.

Zu den wichtigsten Beschwerden gehören Beschwerden, die organische Ursachen vermuten lassen wie Magen-, Herz-, Kreislauf- und Atembeschwerden.

Ursachen

Zum einen kommt eine erblich bedingte Veranlagung in Frage, sichtbar an familiären Häufungen.

Zum anderen können biologische Gegebenheiten dazu führen, dass die Störung auftritt, z. B. veränderte Atemmuster, eine andere Körperwahrnehmung z. B. nach Unfällen, Krankheiten und ein Nachlassen der körperlichen Anpassungsfähigkeit an Umweltbedingungen.

Belastende Erlebnisse aus der Kindheit und Jugend sein wie Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen können es ebenso sein wie das Miterleben von chronischen Krankheiten in der Familie, Erlebnisse von Tod, Unfall eines nahestehenden Menschen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Typische Symptome sind Beschwerden des vegetativen Nervensystems wie z. B. Herz-, Magen-, Kreislauf-, Atem- oder Beschwerden im Blasen-/Nierenbereich.

Zwei Symptomgruppen werden unterschieden:

  • objektiv feststellbare Veränderungen, z. B. Herzrasen, Hyperventilieren
  • subjektiv empfundene Beschwerden wie fließende Schmerzen, ein Gefühl des Aufgeblähtseins o. ä.

Typisch für die Beschwerden ist, dass Betroffene kleineren körperlichen Missempfindungen eine erhöhte Aufmerksamkeit schenken und diese als problematisch einstufen, z. B. Herzrasen als Vorbote eines Herzinfarktes.

Diese Ängste lösen Angstreaktionen aus, die wiederum als neue Beschwerden wahrgenommen werden. Es entwickelt sich ein Teufelskreis, in dem die Betroffenen zur ständigen Selbstbeobachtung neigen und bei kleinsten Anzeichen Panik entwickeln, ernsthaft krank zu sein, ohne dass eine Ursache gefunden werden kann.

Der erste Schritt zur Diagnose besteht in einer körperlichen Untersuchung, um organische Ursachen auszuschließen. Kann eine organische Ursache ausgeschlossen werden und der Arzt hat den Verdacht einer somatoformen autonomen Funktionsstörung, folgt eine psychologische Anamnese, für die es zahlreiche Tests gibt.

Für die Diagnose sind 3 Diagnose-Kriterien Voraussetzung:

1. Vorhandene Beschwerden lassen sich Organen zuordnen und werden von Betroffenen als Krankheitszeichen wahrgenommen.

2. Mindestens 2 der folgenden vegetativen Symptome müssen vorhanden sein:

3. Mindestens eines der folgenden Begleitsymptome ist vorhanden:

  • Schmerzen oder Druckgefühl in der Brust
  • Atemnot / Hyperventilation
  • rasche Ermüdung bei Anstregung
  • Schlucken von Luft, Schluckauf, Brennen im Oberbauch
  • häufiger Harn- oder Stuhldrang auch bei geringen Mengen, Entleerungsstörungen, Gefühl des Aufgeblähtseins

Selbst wenn keine körperlichen Ursachen gefunden werden, können Menschen, die an diagnostizierten somatoformen autonomen Funktionsstörungen leiden, oft nur sehr schwer annehmen, dass sie nicht organisch krank sind.

Komplikationen

Bei der somatoformen autonomen Funktionsstörung besteht eine große Herausforderung für den Arzt und für den Patienten darin, zwischen psychosomatischen und körperlichen Ursachen der Beschwerden zu unterscheiden. Nicht nur bei der Erstdiagnose ergeben sich dabei Schwierigkeiten. Verschiedene Komplikationen sind möglich, wenn eine zusätzliche körperliche Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt wird.

Darüber hinaus ist es denkbar, dass eine tatsächliche Verschlechterung einer vorhandenen körperlichen Funktionsstörung fälschlicherweise als psychosomatisch interpretiert wird. Einige Menschen, die unter einer somatoformen autonomen Funktionsstörung leiden, verspüren Beschwerden, die auf ein bestimmtes Organ bezogen sind. Ein Beispiel dafür ist die Herzneurose.

Ein Patient mit einer Herzneurose kann nicht nur tatsächliche Herzprobleme entwickeln, sondern auch an einem anderen Organleiden erkranken. Umgekehrt kann eine Person, die an körperlichen Herzbeschwerden leidet, zusätzlich mit einer somatoformen autonomen Funktionsstörung kämpfen, die sich auf das Herz oder auf andere vegetative Funktionen bezieht.

Um körperliche Komplikationen auszuschließen, sind deshalb gründliche Untersuchungen erforderlich. Für die Behandlung der somatoformen autonomen Funktionsstörung bedeutet dies jedoch eine Zwickmühle: Die medizinischen Untersuchungen können (und müssen) körperliche Ursachen für die Beschwerden ausschließen – doch gleichzeitig können diese Untersuchungen das psychische Krankheitsempfinden verstärken.

Darüber hinaus ist es möglich, dass medizinische Untersuchungen und Behandlungen direkten Schaden hervorrufen oder der körperlich gesunde Patient sich über andere Patienten mit einem Krankheitserreger infiziert. Mögliche Komplikationen der somatoformen autonomen Funktionsstörung umfassen außerdem psychische Beschwerden wie Depressionen und Ängste.

Behandlung & Therapie

Um zu verhindern, dass die Störung über einen längeren Zeitraum fortbesteht, ist eine frühzeitige Therapie ratsam. Die Betroffenen müssen dabei den Zusammenhang zwischen körperlichen Beschwerden und psychischen Vorgängen zu erkennen.

Für die Behandlung bewährt haben sich Entspannungsverfahren wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung und Biofeedback. Hier kommt es aber darauf an, das individuell richtige Verfahren zu wählen. Nicht für jeden ist jedes Verfahren geeignet.

Auch das Operante Verhaltenstraining kann Anwendung finden, besonders, bei Menschen, die ein ausgeprägtes Schonverhalten entwickelt haben. Mit Selbstsicherheitstraining und systematischen Verhaltensübungen soll ermöglicht werden, wieder normal am Tagesgeschehen teilnehmen zu können. Auch kognitive Behandlungsansätze finden Anwendung.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung gegen somatoforme autonome Funktionsstörungen gibt es nicht. Wenn Symptome auftauchen, ist es wichtig, sich frühzeitig drüber zu informieren und verstehen zu lernen, dass psychische Ursachen zugrunde liegen können. Je früher die Behandlung einsetzt, desto weniger beeinträchtigt die Störung das Leben.

Bücher über somatoforme autonome Funktionsstörung

Quellen

  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Morschitzky, H.: Somatoforme Störungen – Diagnostik, Konzepte und Therapie bei Körpersymptomen ohne Organbefund. Springer, Wien 2007
  • Möller. H.-J., Laux, G., Deister, A., Braun-Scharm, H., Schulte-Körne, G.: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

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