Somatoforme Störung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Oktober 2017
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Eine somatoforme Störung stellt einen Symptomenkomplex dar, welcher nicht oder nicht ausreichend durch organische Ursachen erklärt werden kann. Es handelt sich um funktionelle Beschwerden, die im Zusammenhang mit psychischen Belastungen und Stress des Patienten stehen. Somatoforme Störungen sind sehr häufig und treten in den meisten Fällen nur vorübergehend auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine somatoforme Störung?

Bei einer somatoformen Störung handelt es sich um körperlich empfundene Beschwerden, bei denen keine organischen Ursachen gefunden werden können. Alle Organe können von funktionellen Störungen betroffen sein, die durch eine Fehlregulierung des vegetativen Nervensystems hervorgerufen werden. Wenn nach ausgiebiger Untersuchung des Patienten keine organischen Veränderungen gefunden werden, muss die Diagnose "Somatotrope Störung" gestellt werden.

Die meisten Menschen (über 80 Prozent) leiden im Laufe des Lebens zumindest vorübergehend an somatotropen Störungen. Meist hält dieser Zustand nur kurzzeitig an und ist in der Regel mit außergewöhnlichen Lebenssituationen verknüpft. In 5 bis 20 Prozent aller Fälle kommt es jedoch zur Chronifizierung der Beschwerden.

Häufig werden solche Symptome wie Erschöpfung, Müdigkeit, Magen-Darm-Probleme, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder sexuelle Probleme beobachtet. Zur Diagnosestellung ist es jedoch notwendig, dass alle anderen möglichen Ursachen der Symptome ausgeschlossen werden, um den Patienten eine psychotherapeutische Behandlung anbieten zu können.

Ursachen

Die Ursachen für somatoforme Störungen sind vielfältig. Sie ergeben sich aus der Lebenssituation des betreffenden Patienten. Als Auslöser wird das Zusammenspiel psychischer, sozialer und biologischer Faktoren angenommen. Auch eine genetische Grundlage kann bestehen. Meist handelt es sich um psychosoziale Gründe, die zu charakteristischen Beschwerden führen.

Eine Ursache kann lang anhaltender negativer Stress sein, der langfristig funktionelle Störungen bestimmter Organe hervorruft. Auch zu starke Beachtung harmloser Symptome gepaart mit der Angst, dass es etwas Schlimmeres sein könnte, führt häufig zu erheblichen Beschwerden, ohne dass organische Ursachen erkennbar wären. Häufig manifestieren sich seelische Prozesse und Konflikte, die mit den Emotionen Wut, Ärger, Angst oder Unzufriedenheit verbunden sind, als körperliche Symptome. Dabei spielen oft auch frühkindliche traumatische Erfahrungen eine Rolle.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die somatoformen Störungen äußern sich in vielen unterschiedlichen Symptomen. So treten häufig Atembeklemmungen, Globusgefühl oder Luftnot auf. In der Brust kann es zu Beklemmungsgefühlen, Stichen, Druckgefühl oder Herzrasen kommen. Des Weiteren leiden viele Patienten an Verdauungsproblemen wie Übelkeit, Magenschmerzen, Oberbauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung.

Bei den Frauen können außerdem gynäkologische Beschwerden auftreten. Auch häufiges Wasserlassen sowie Schmerzstörungen werden beobachtet. Insgesamt werden die somatoformen Störungen in Somatisierungsstörungen, hypochondrische Störungen und somatoforme autonome Funktionsstörungen eingeteilt. Die Somatisierungsstörungen beinhalten viele wechselnde körperliche Symptome, die mindestens über zwei Jahre bestehen und nicht durch organische Ursachen erklärt werden können.

Darunter fallen Schmerzen, Verdauungsprobleme, neurologische Symptome und sexuelle Störungen. Das Krankheitsbild der Hypochondrie zeichnet sich dadurch aus, dass die oder der Betroffene überzeugt ist, an einer schweren Krankheit zu leiden und sich auch nicht vom Gegenteil überzeugen lässt. Die betroffenen Patienten beobachten sich durchgehend selbst und werten harmlose Symptome stark auf.

Wenn keine körperlichen Ursachen gefunden werden, wird der Arzt gewechselt. Bei den somatotropen autonomen Funktionsstörungen handelt es sich um Symptome an Organen, die direkt vom vegetativen Nervensystem versorgt werden. Hier werden häufig Herzneurosen, Magenbeschwerden, Hyperventilation, häufiges Wasserlassen oder ein Reizdarm beobachtet. Auch hier können organische Ursachen nicht gefunden werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur Diagnose einer somatoformen Störung ist es sehr wichtig, eine organische Ursache für die Beschwerden zweifelsfrei auszuschließen. Neben den üblichen Laboruntersuchungen gehören dazu auch bildgebende Verfahren. Fatal wäre wiederum eine zu intensive Diagnostik, wenn bereits der Verdacht auf eine somatoforme Störung vorliegt.

Der Patient würde sich noch mehr auf eine organische Ursachenfindung konzentrieren und sich einer psychotherapeutischen Aufarbeitung seiner Probleme noch stärker verschließen. Selbstverständlich muss die Diagnose auch differenzialdiagnostisch von anderen psychischen Erkrankungen wie beispielsweise einer Depression abgegrenzt werden.

Allerdings sollte bei der Diagnose auch beachtet werden, dass die somatoforme Störung oft auch mit solchen psychischen Störungen wie Süchten, Angsterkrankungen, Depressionen, Zwangsstörungen und Persönlichkeitsstörungen verbunden ist. Ein wichtiges Kriterium für eine somatoforme autonome Störung ist das Bestehen von mindestens sechs Symptomen aus zwei Organgruppen, die nicht organisch bedingt sind und mindestens seit zwei Jahren bestehen.

Komplikationen

Bei der somatoformen autonomen Funktionsstörung besteht die große Herausforderung für den Arzt und für den Patienten darin, zwischen psychosomatischen und körperlichen Ursachen der Beschwerden zu unterscheiden. Nicht nur bei der Erstdiagnose ergeben sich dabei Schwierigkeiten. Verschiedene Komplikationen sind möglich, wenn eine zusätzliche körperliche Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt wird. Darüber hinaus ist es denkbar, dass eine tatsächliche Verschlechterung einer vorhandenen körperlichen Funktionsstörung fälschlicherweise als psychosomatisch interpretiert wird.

Einige Menschen, die unter einer somatoformen autonomen Funktionsstörung leiden, verspüren Beschwerden, die auf ein bestimmtes Organ bezogen sind. Ein Beispiel dafür ist die Herzneurose. Ein Patient mit einer Herzneurose kann nicht nur tatsächliche Herzprobleme entwickeln, sondern auch an einem anderen Organleiden erkranken. Umgekehrt kann eine Person, die unter körperlichen Herzbeschwerden leidet, zusätzlich mit einer somatoformen autonomen Funktionsstörung kämpfen, die sich auf das Herz oder auf andere vegetative Funktionen bezieht.

Um körperliche Komplikationen auszuschließen, sind deshalb gründliche Untersuchungen erforderlich. Für die Behandlung der somatoformen autonomen Funktionsstörung bedeutet dies jedoch eine Zwickmühle: Die medizinischen Untersuchungen können (und müssen) körperliche Ursachen für die Beschwerden ausschließen – doch gleichzeitig können diese Untersuchungen das psychische Krankheitsempfinden verstärken.

Darüber hinaus ist es möglich, dass medizinische Untersuchungen und Behandlungen direkten Schaden hervorrufen oder der körperlich gesunde Patient sich über andere Patienten mit einem Krankheitserreger infiziert. Mögliche Komplikationen der somatoformen autonomen Funktionsstörung umfassen außerdem psychische Beschwerden wie Depressionen und Ängste.

Therapie & Behandlung

Die Therapie einer somatoformen Störung ist häufig sehr schwierig. Voraussetzung ist die Entwicklung eines Vertrauensverhältnisses zwischen Patienten und Arzt. Das ist jedoch oft nicht gegeben, weil der Patient vordergründig eine organische Ursache für seine Beschwerden sucht. So kommt es zu ständigen Arztwechseln, in der Hoffnung, dass die manchmal von dem Patienten selbst gestellte Diagnose irgendwann einmal bestätigt wird.

Der Arzt muss jedoch in der Lage sein, den Patienten plausibel über die Erkrankung aufzuklären, um eine erfolgreiche Psychotherapie anschließen zu können. Der Patient muss motiviert werden, auf der Grundlage dieser Erkenntnis an seinen Problemen zu arbeiten.

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Vorbeugung

Die Vorbeugung vor einer generalisierten und chronischen Form der somatoformen Störung beginnt bereits in der frühen Kindheit. So werden Verhaltensstrukturen von den Eltern gelernt und für die Bewältigung der eigenen Probleme im späteren Leben übernommen. Dabei kann auch der Umgang mit körperlichen Symptomen, die immer auftreten, gelernt werden.

Wenn körperliche Beschwerden die Zuwendung anderer Menschen hervorruft, die ansonsten nicht stattfinden würde, erlernt der heranwachsende Mensch eine falsche Bewältigungsstrategie für seine Lebensprobleme. Daher kann eine positive und dem Leben zugewandte Erziehung viel zur Gesundheit des Menschen beitragen.

Bücher über Angststörungen

Quellen

  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Morschitzky, H.: Somatoforme Störungen – Diagnostik, Konzepte und Therapie bei Körpersymptomen ohne Organbefund. Springer, Wien 2007
  • Möller. H.-J., Laux, G., Deister, A., Braun-Scharm, H., Schulte-Körne, G.: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

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