Skoptisches Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. Oktober 2017
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Patienten mit skoptischem Syndrom verletzen sich im Bereich der Genitalien selbst. Sie empfinden die Selbstverletzung als befreiend oder sogar erregend. Das skoptische Syndrom wird daher von vielen Wissenschaftlern als Form des Masochismus beschrieben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein skoptisches Syndrom?

Unterschiedliche Störungen der Psyche werden als Verhaltensstörungen zusammengefasst. Unter den Sammelbegriff werden neben sexuellen Störungen zum Beispiel Störungen der Geschlechtsidentität gefasst. Zu den sexuellen Störungen oder noch genauer den Störungen der Sexualpräferenz zählt der Masochismus, bei dem Betroffene Lust oder Befriedigung aus Schmerzerleben oder Demütigung der eigenen Person ziehen.

Von sexuellen Störungen und Geschlechtsidentitätsstörungen abzugrenzen sind wahnhafte Störungen wie die Dysmorphophobie, bei der Patienten ihren eigenen Körper gestört wahrnehmen. Das skoptische Syndrom ist laut DSM IV eine Geschlechtsidentitätsstörung. Seit der jüngeren Vergangenheit wird das Syndrom von einigen Wissenschaftlern allerdings auch den Störungen in der Sexualpräferenz zugeordnet und als eine Form des Masochismus betrachtet.

Wieder andere halten das skoptische Syndrom für eine Form der Dysmorphophobie. Die Einordnung der Erkrankung ist vor allem deshalb so schwierig, weil es sich um eine eher seltene und bislang wenig erforschte Krankheit handelt. Die Patienten leiden an einem Bedürfnis nach Selbstverstümmelung im Genitalbereich. Seinen Namen hat das Syndrom von der russischen Sekte Skopzen erhalten, zu deren Ritualen Genitalverstümmelungen zählten.

Ursachen

Die Ursache für das skoptische Syndrom ist bislang nicht abschließend geklärt. Falls es sich bei der Erkrankung tatsächlich um eine Unterform des Masochismus handelt, stehen psychodynamische und lerntheoretische Erklärungsansätze zur Verfügung. Die Tiefenpsychologie geht in diesem Fall von einem Abwehrverhalten aus, das Ängste und Gewissensbisse über die Loslösung von der Mutter unterdrückt.

Lerntheoretiker sehen die Ursache dagegen eher in klassischer und operanter Konditionierung, wie sie zum Beispiel in Form von Masturbationsphantasien stattfindet. Ist das skoptische Syndrom dagegen eine Form der Dysmorphophobie, so spielen vermutlich biologische und soziokulturelle Faktoren für die Entstehung eine Rolle. Die Ursachen wären in diesem Fall ähnlich der Ursachen von Zwangsstörungen zu verstehen.

Falls es sich um eine Geschlechtsidentitätsstörung handelt, liegt die Ursache vermutlich in den gesellschaftlichen Verhaltenserwartungen an die beiden Geschlechter Mann und Frau. Primärursache für das skoptische Syndrom wäre in diesem Zusammenhang das Bedürfnis nach einer freieren Persönlichkeitsentfaltung.

Vornehmlich geht es dabei unabhängig zu werden von Erwartungen, die oft bereits von Seiten der Eltern in hohem Maß bestehen. Als einordnungsunabhängige Erklärung gehen Psychiater beim skoptischen Syndrom von Ursachen wie sexuell induzierten Schuldgefühlen aus.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das skoptische Syndrom äußert sich in verschiedenen Krankheitsbildern. Die meisten Patienten werden von einem Bedürfnis nach genitaler Selbstverstümmelung geplagt, so zum Beispiel von dem Bedürfnis nach einer Kastration, einer Penektomie oder einer Klitoridektomie. Die Betroffenen leiden zunächst nur an den Wünschen nach einer dahingehenden Verstümmelung, werden im Verlauf der Erkrankung aber meist aktiv und führen die Selbstverstümmelung tatsächlich durch.

Nach dem Verstümmelungsakt sprechen viele Patienten von einer Befreiung. Andere beschreiben Gefühle der sexuellen Erregung. Unter Umständen handelt es sich in diesem Zusammenhang eigentlich um zwei unterschiedliche Krankheitsbilder. Diese unterscheide sich nicht nur im Anspruch, sondern auch in der Ursache voneinander. Patienten mit Lusterleben bei der Selbstverstümmelung leiden so eher an einer Form des Masochismus.

Patienten mit Befreiungsgefühlen lassen sich dagegen besser als geschlechtsidentitätsgestört beschreiben. Teilweise unternehmen die Patienten keine vollwertigen Kastrationen, Penektomien oder Kliterodektomien, sondern verletzen sich im Bereich der Genitalien lediglich selbst. Andere Patienten betreiben die Selbstverletzung im Rahmen einer mehr oder weniger professionell geplanten Operation.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose aud das skoptische Syndrom wird vom Psychiater oder Psychotherapeuten gestellt. Im Allgemeinen wird im Zusammenhang mit dem Syndrom eine relativ hohe Dunkelziffer an Erkrankungen angenommen. Vermutlich wenden sich viele Betroffene gerade mit etwas derart intimem wie genitaler Selbstverletzung nicht gerne an den Arzt oder Psychiater. Da das skoptische Syndrom bislang nicht tiefergehend erforscht ist, besteht eine relativ schlechte Prognose.

Komplikationen

Menschen, die das skoptische Syndrom ausleben und sich im Bereich der Genitalien selbst verletzen, können dadurch unterschiedlichste Beschwerden erleiden. Kommt es beispielsweise zu starken Blutungen, so kann dies zu Blutarmut und unter Umständen sogar zum Verbluten führen. Außerdem kann sich die Verletzung entzünden und eine Sepsis auslösen.

In Einzelfällen wird die Selbstverstümmelung bis zum Verlust des Geschlechtsteils betrieben – Impotenz, Inkontinenz, schwere Infekte und weitere Komplikationen können die Folge sein. Darüber hinaus kann die psychische Erkrankung, die dem skoptischen Syndrom zugrunde liegt, im Verlauf weitere Störungen hervorrufen, die den Betroffenen in seinem alltäglichen Leben einschränken. Die Behandlung des skoptischen Syndroms verläuft in der Regel ohne Komplikationen.

Falls akute Selbstverletzungsgefahr besteht, muss der Betroffene jedoch in eine geschlossene Einrichtung eingewiesen werden, wodurch sich der psychische Zustand mitunter noch verschlechtert. Verordnete Antipsychotika können Blutbild-Veränderungen, Blutdruckstörungen und Muskelverkrampfungen nach sich ziehen. Außerdem können unerwünschte Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Sitz- und Bewegungsunruhe und Müdigkeit auftreten.

In Wechselwirkung mit anderen Medikamenten oder bestehenden Erkrankungen können weitere Komplikationen hinzukommen, zum Beispiel Herz-Kreislauf-Beschwerden, Herz-, Nieren- und Leberschäden sowie neurologische Ausfälle.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung vom Menschen mit skoptischem Syndom unterscheidet sich von Fall zu Fall. Wichtig ist die Ursachenforschung und die richtige Einordnung der Erkrankung im Einzelfall. Die Behandlung von Masochismus findet versuchsweise in Form von Psychotherapie statt. Allerdings gestaltet sich die Behandlung von Masochisten meist langwierig und schwierig.

Kognitive Verhaltenstherapie scheint sich wiederum bei Patienten mit Dysmorphophobie zu lohnen. Bei diesen Patienten haben sich auch Serotonin-Wiederaufnahmehemmer in Kombination mit Antipsychotika als wirkungsvoll erwiesen. Je früher mit einer Psychotherapie begonnen wird, desto größer sind bei autoaggressivem Verhalten meist die Chancen auf Heilung.

Neben tiefenpsychologischen Behandlungsversuchen kommen psychoanalytische und verhaltenstherapeutische Schritte zur Behandlung der Patienten in Frage. Eine Therapie zur Behandlung von Patienten mit Borderline ist die dialektisch-behaviorale Therapie von Marsha M. Linehan. Bei dieser Art der Therapie werden den Patienten Bewältigungsstrategien bei akutem Leidensdruck an die Hand gegeben.

So etwa das Angebot von Alternativwegen zum körperschädigenden Verhalten, etwa zum Beispiel mit dem Festhalten von Eiswürfeln oder dem Kauen von Chilischoten. Falls akute Selbstverletzungsgefahr besteht, werden Patienten mit skoptischem Syndrom in der Regel in einer geschlossenen Einrichtung behandelt.

Wenn bereits Verletzungen vorliegen, steht die Versorgung und Behandlung der verletzten Stellen vorerst im Vordergrund. Die eigentliche Therapie des skoptischen Syndroms wird in diesem Fall hinten angestellt.

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Vorbeugung

Da die Ursachen des skoptischen Syndroms bislang weitestgehend unklar sind, existieren bisher keine vielversprechenden Schritte zur Prophylaxe.

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Quellen

  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

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