Sklerotherapie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. September 2017
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Als Sklerotherapie bezeichnet die Fachsprache die induzierte und gezielte Thrombus- beziehungsweise Sklerusbildung während der Behandlung mit einem nachfolgenden Umbau des Bindegewebes.

Der medizinische Fachbegriff geht zurück auf das griechische Wort „skleros“, das mit „hart“ übersetzt wird. Die Sklerotherapie führt zu einer künstlichen Verödung (Verhärtung) des behandelten Gewebes und der Gefäße. Die Verhärtung oder Verödung von Krampfadern erfolgt durch proinflamatorische (entzündungsfördernde) Medikamente oder Chemikalien (z. B. Strahlung).

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Sklerotherapie?

Die Sklerotherapie verödet unerwünschte Gefäßerweiterungen. Diese Behandlungsmethode ist bei verschiedenen Beschwerden induziert und wird den medizinischen Fachbereichen Dermatologie, Gefäßchirurgie und Angiologie zugeordnet.

Varizen (oberflächliche Venen), Varikosis (Venenknoten, Krampfadern), Ösophagusvarizen (Krampfadern der Speiseröhren) und Hämorrhoiden werden durch den Verschluss aberranter (Normvarianten von Organen oder Gefäßen), varikös veränderter oder hypertrophischer (vergrößerten) Gefäße beseitigt. Mobil gewordene Gewebe oder Organe werden gleichfalls durch diese Behandlungsmethode therapiert. Die Durchführung der Sklerotherapie hängt von der Art der Krampfadern ab. Retikulärvarizen in Form netzartiger Krampfadern (Besenreiser) werden häufig verödet. Bei stärker ausgebildeten Krampfadern setzen die Venenspezialisten die Mikroschaumverödung ein.

Funktion, Wirkung & Ziele

Ziel der Behandlung von Krampfadern und Besenreisern ist die Vermeidung eines krankhaften Rückflusses von Venenblut. Mit der herkömmlichen Sklerosierung spritzt der Arzt venenschädigende Medikamente mittels einer dünnen Nadel in die betroffenen Venen. Entscheidet sich der Mediziner für die Mikroschaumverödung, spritzt er unter Ultraschallkontrolle Polidocanol in Form eines schaumig gerührten Verödungsmittels in die betroffenen Venen.

Polidocanol ruft eine vorsätzliche Schädigung des Endothels (Auskleidung der inneren Blutgefäße) der betroffenen Gefäße hervor. Um eine effektive Langzeitwirkung der gespritzten Medikamente zu erreichen, ist eine Vorspritzung mit Luft möglich. Auf diese Weise wird eine kurzfristige Stauung der Vene erreicht und das Medikament verbleibt länger am Zielort (Endothel). Im Anschluss an die Injektion tritt ein Vasospasmus (krampfartige Engstellung der Blutgefäße) auf, der eine lokal begrenzte und wandständige Thrombusbildung hervorruft. Diese Thrombusierung ist ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Umwandlung des Gewebes durch Einwanderung von Fibroblasten (bewegliche Zellen im Bindegewebe) in einen fibrinösen Bindegewebsstrang.

Die Sklerotherapie verödet unerwünschte Gefäßerweiterungen, wie z.B. Krampfadern.

Neben dem Mittel Polidocanol verwenden die Mediziner alternativ eine 27 % Kochsalzlösung (Aethoxysklerol®). Die Sklerosierung wird bei leicht bis mittelschwer ausgebildeten Krampfadern eingesetzt, die dicht unter der Haut liegen. Diese treten in den meisten Fällen an den Waden oder Innenbeinen auf. Die zwei häufigsten Formen von Krampfadern sind Stammvarizen und die Seitenastvarizen. Stammvenen liegen an der Oberfläche der Beine, wo zwei Hauptvenen, die große und die kleine Rosenvene verlaufen. Die Stammvenen gehören zum oberflächlichen Venensystem. Sind beide oder eine der Hauptvenen krankhaft erweitert, liegt eine Stammvarikose vor. Seitenastvarizen entwickeln sich aus den kleineren, von den Stammvenen astförmig abgeleiteten Venen.

Liegt eine krankhafte Erweiterung dieser Seitenäste vor, spricht die Medizin von einer Seitenastvarize. Häufig entstehen Seitenastvarizen aus den Seitenästen der großen Rosenvene. Auch treten Seitenastvarizen kombiniert mit Stammvarizen auf. Trotz des Einsatzes der venenschädigenden Medikamente erleidet das behandelte Gewebe keine andauernden Schäden, da die Blutversorgung der Beine nicht beeinträchtigt wird. Der Körper leitet das Blut in gesündere Venen um. Eine Variante der Sklerosierung ist die Mikro-Sklerotherapie, die Feinverödung der Krampfadern. Es handelt sich um einen ambulanten, nicht invasiven Eingriff zur Beseitigung von Mini-Krampfadern und Besenreisern.

Um den Verödungsvorgang in Gang zu setzen, spritzt der Arzt ein Arzneimittel mittels einer feinen Kanüle in die betroffenen Venen. Diese Behandlung führt zu einer körpereigenen Verklebung der Vene. Je nach Größe und Anzahl der Besenreiser ist mehr als eine Sitzung erforderlich. Der Patient erfährt eine minimale Belastung ohne Schnitte und Lasereinsatz. Nicht bei jedem Patienten ist eine Verödung möglich. Die Sklerosierung ist ausschließlich bei durchgängigen Venen erlaubt. Kontraindikationen sind Allgemeininfekte, eine tiefgehende Beinvenenthrombose in der Vergangenheit und Bettlägerigkeit.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Patienten müssen bei der Verödungstherapie davon ausgehen, dass jede zweite Krampfader sowie Besenreiser innerhalb von fünf Jahren erneut auftreten. Unabhängig von der Behandlungsmethode und korrekter Durchführung kann kein Arzt den dauerhaften Erfolg garantieren, da die Neubildung der unerwünschten Gewebeerweiterungen abhängig ist von der Bindegewebsausrichtung der Patienten.

Es handelt sich um eine angeborene Bindegewebsschwäche in Form einer Veranlagung zur Gefäßerweiterung und begünstigende Faktoren wie zum Beispiel eine tägliche Überbelastung der Beine. Dennoch ist die Sklerotherapie ein bewährtes Verfahren zur Verödung unerwünschter Krampfadern. Zu unterscheiden sind funktionelle Venenschädigungen und kosmetische Probleme. Als funktionell werden die Beschwerden eingestuft, wenn es sich um stark ausgeprägte Krampfadern handelt, die bei den Patienten im täglichen Leben große Beschwerden wie Schmerzen, starkes Druckempfinden, eingeschränkte Bewegungsfähigkeit der Beine sowie Probleme bei körperlichen Tätigkeiten hervorrufen, die mit langem Stehen, Sitzen und viel Laufen verbunden sind.

Kosmetische Probleme sind die feinausgeprägten, netzartig verteilten Besenreiser, die bei den Patienten kaum Probleme verursachen und die aus reinem Schönheitsempfinden entfernt werden. Bei funktionellen Beschwerden übernehmen die Krankenkassen den Eingriff, bei ästhetisch motivierter Entfernung von Besenreisern sind die Patienten Selbstzahler. Ein großer Vorteil der Sklerosierung gegenüber einer operativen Varizenentfernung ist die niedrigere Komplikationsrate. Die Patienten können nach dem Eingriff ihre berufliche Tätigkeit schneller aufnehmen als nach einem operativen Eingriff. Mögliche Nebenwirkungen dieser Behandlungsmethoden sind Hautverfärbungen und Narbenbildung bei hochdosierten Sklerosierungsmitteln.

In seltenen schweren Fällen kann es zu einem Gewebeuntergang bei versehentlicher Injektion neben der Vene oder in die Arterie sowie bei Überdosierung der Medikamente kommen. Eine Schockreaktion auf das Verödungsmittel ist möglich. Um diese Reaktion so schnell wie möglich zu beseitigen, müssen entsprechende Medikamente begleitend zur Behandlung bereit liegen. Mit einer lokal begrenzten Anästhesie merkt der Patient nichts von dem Eingriff. Die Mikro-Sklerosierung ist bei fast allen Patienten mit Besenreisern geeignet.

Bei Schwangeren, stillenden Müttern, Durchblutungsstörungen der Beinschlagadern (Schaufensterkrankheit) und Blutgerinnungsstörungen sehen die Venenspezialisten vom Einsatz dieser Behandlungsmethode ab. Zur Unterstützung des Genesungsprozesses werden die Beine nach dem Eingriff durch die Kompressionstherapie (Bandage oder Strümpfe) effektiv unterstützt, um einen gefährlichen Thrombus zu verhindern.

Bücher über Krampfadern

Quellen

  • Encke, A., Breddin, H. K.: Die venöse Thrombose. Prophylaxe und Therapie. Schattauer, Stuttgart 2000
  • Luther, B. (Hrsg.): Kompaktwissen Gefäßchirurgie. Springer, Berlin 2011
  • Plewig, G. et al.: Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Springer, Heidelberg 2012

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