Skleritis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Oktober 2017
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Eine Skleritis ist eine Entzündung der Lederhaut (Sklera) des Auges, die untherapiert einen Visusverlust bedingen kann. Der Altersgipfel der Erkrankung liegt zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr, wobei Frauen bedeutend häufiger betroffen sind als Männer.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Skleritis?

Als Skleritis wird eine diffus oder lokal begrenzt auftretende Entzündung der Lederhaut bezeichnet, die in vielen Fällen einen chronischen Verlauf mit Rezidiven (40 Prozent) aufweist. In Abhängigkeit von Lokalisation und Verlauf werden verschiedene Formen der Skleritis differenziert.

Liegt die Entzündung im vorderen Bereich bzw. vor dem Augapfeläquator handelt es sich um eine Skleritis anterior, während ein Entzündungsherd im hinterem Bereich bzw. hinter dem Augapfeläquator als Skleritis posterior bezeichnet wird. Zudem wird die Skleritis anterior unterteilt in nekrotisierende Formen mit weißlichen Nekrosebezirken, diffuse Skleritiden, die den Augapfel in aller Regel sektorenförmig beeinträchtigen, sowie noduläre Subtypen mit verschiebbaren rötlich-blauen Knoten.

Infolge der Entzündung manifestieren sich ödematöse (Flüssigkeit einlagernd) Schwellungen der Lederhaut mit ausgeprägtem Druckschmerz des betroffenen Auges, die in Kombination mit Lidödem und Chemosis eine Visusbeeinträchtigung bedingen können. Der für eine Skleritis charakteristische Druckschmerz kann bis in die jeweils betroffene Gesichtshälfte ausstrahlen.

Ursachen

Die Ursache einer Skleritis kann in vielen Fällen nicht geklärt werden (idiopathische Skleritis). Bei etwa 50 Prozent der Fälle kann die Erkrankung mit systemischen Grunderkrankungen wie rheumatische Beeinträchtigungen (u.a. Kollagenosen wie Periarteriitis nodosa oder Lupus erythematodes, chronische Polyarthritis), Morbus Crohn, Gicht oder autoimmunologische Erkrankungen assoziiert werden.

Insbesondere eine Scleromalacia perforans (nekrotisierende Skleritis) wird oftmals mit einer ausgeprägten rheumatoiden Arthritis in Verbindung gebracht. Ebenso können Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Herpes Zoster oder Syphilis eine Skleritis bedingen.

In einigen Fällen kann ferner eine Keratitis (Hornhautentzündung) oder Iridozyklitis (Regenbogenhautentzündung mit Beteiligung des Ziliarkörpers) eine sekundäre Entzündung der Lederhaut hervorrufen. Selten wird eine Skleritis iatrogen durch ärztliche Intervention verursacht.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose erfolgt bei einer Skleritis in aller Regel anhand der für die Erkrankung charakteristischen Symptome, insbesondere anhand des ausgeprägten Druckschmerzes. Im Rahmen der körperlichen Untersuchung mit der Spaltlampe kann infolge des geschwollenen skleritischen Bereichs eine Verdickung der Sklera im Spaltbild festgestellt werden.

Darüber hinaus können mithilfe des Spaltbildes das Ausmaß der Entzündung sowie die klinische Form der Skleritis bestimmt werden. Sonographisch (Ultraschall) ist eine Darstellung der Skleraveränderungen möglich. Differenzialdiagnostisch sind Skleritiden von Binde- und Hornhautentzündungen sowie Episkleritiden abzugrenzen.

Ferner sollte bei einer gesicherten Skleritis auf eine mögliche systemische Grunderkrankung geprüft werden. Prognose und Verlauf hängen bei Skleritiden stark von der spezifisch vorliegenden Form ab. So weisen Betroffene mit einer anterioren diffusen Skleritis (9 Prozent) ein weitaus geringeres Risiko für einen Visusverlust auf als Betroffene mit nodulären (25 Prozent), nekrotisierenden (75 Prozent) oder posterioren Skleritiden (80 Prozent). Zugrundeliegende autoimmunologische Erkrankungen wirken sich zudem ungünstig auf die Prognose aus.

Komplikationen

In einigen Fällen kann eine Skleritis im Zusammenhang mit einer Hornhautentzündung oder einer Regenbogenhautentzündung auftreten. Dadurch können sich die ursprünglichen Beschwerden verstärken. Die Ödeme und Schwellungen können sich entzünden und weitere Komplikationen hervorrufen. Im Extremfall breitet sich der Infekt auf weitere Körperregionen aus.

Sehr selten – etwa, wenn der Patient bereits aufgrund einer anderen Erkrankung geschwächt ist – kann es zu einer Blutvergiftung kommen, die unter Umständen tödlich endet. Bei länger andauernden Erkrankungen können die Augenschmerzen auch psychische Probleme hervorrufen. Selbiges gilt für Sehstörungen, die oft gerade junge Patienten extrem belasten. Die Skleritis-Therapie verläuft in der Regel beschwerdefrei.

Allerdings können Antirheumatika, Antiphlogistika und andere Medikamente, die üblicherweise verordnet werden, Neben- und Wechselwirkungen hervorrufen. Gelegentlich kommt es zu allergischen Reaktionen oder eine vorhandene Unverträglichkeit verursacht Beschwerden. Im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs können die üblichen Komplikationen auftreten: Blutungen, Nachblutungen und Infekte.

Bei einem schweren Verlauf kann es in seltenen Fällen zu einem Verlust der Sehkraft kommen. Nach der Operation können Wundheilungsstörungen auftreten. Außerdem entstehen häufig Narben, die mit Schmerzen und einem Druckgefühl im Bereich des Eingriffs verbunden sein können.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen orientieren sich bei einer Skleritis an der spezifisch vorliegenden Grunderkrankung und zielen auf eine Reduzierung der Beschwerden. Systemisch kommen zur Symptomreduzierung in aller Regel nichtsteroidale Antirheumatika bzw. Antiphlogistika wie Flurbiprofen oder Indometacin zum Einsatz, die oral appliziert und im Rahmen einer mehrmonatigen Therapie sukzessiv ausgeschlichen (schrittweise Reduzierung der medikamentösen Dosis) werden.

Die individuell vorliegenden Schmerzen können hierbei die Bestimmung der geeigneten Dosis unterstützen, da diese als Indikator für das Ausmaß der Entzündungsaktivitäten dienen. Akute Entzündungen können bei ausgeprägten Schmerzen mit Corticosteroiden (u.a. Prednisolon) systemisch therapiert werden. Bei Wirkungslosigkeit dieser Medikation bzw. Vorliegen ausgeprägter Nebenwirkungen kann die Therapie angepasst und auf nichtsteroidale Immunsuppressiva wie Cyclosporin A, Methotrexat oder Azathioprin ausgewichen werden.

Bei nekrotisierender Skleritis werden standardmäßig Immunsuppressiva (v.a. Cyclophosphamid) und initial gegebenenfalls peroral oder intravenös applizierte Steroide angewandt. Bei Betroffenen mit rheumatoider Arthritis und diffuser oder nodulärer Skleritis werden nichtsteroidale Antirheumatika empfohlen, wobei bei nodulären Skleritiden gegebenenfalls auf Methotrexat umgestellt wird.

Liegt eine fortschreitende Nekrotisierung der Sklera mit erhöhtem Risiko für eine Bulbusperforation vor, ist ein chirurgischer Eingriff (Skleratransplantation) mit peri- bzw. postoperativer immunsuppressiver Therapie angezeigt. Darüber hinaus sollten mögliche Begleitinfektionen der Skleritis durch Antibiotika (bakteriell induziert) bzw. kalte Auflagen und/oder synthetische Tränen (viral induziert) therapiert werden.

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Vorbeugung

Einer Skleritis kann durch eine konsequente und adäquate Therapie der rheumatischen, autoimmunologischen oder infektiösen Grunderkrankungen vorgebeugt werden. Gegen idiopathische Skleritiden existieren hingegen aufgrund der unbekannten Ätiologie keine prophylaktischen Maßnahmen.

Bücher über Augenerkrankungen

Quellen

  • Augustin, A.J.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2007
  • Dahlmann, C., Patzelt, J.: Basics Augenheilkunde. Urban & Fischer, München 2014
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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