Skapulohumeralreflex

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. Februar 2017
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Der Skapulohumeralreflex ist ein Eigenreflex der skapulohumeralen Muskulatur. Durch einen Schlag auf den medialen Rand des Schulterblatts kommt es zu einer reflektorischen Adduktion und Außenrotation des Arms. Veränderungen der Reflexbewegung verweisen auf zentrale oder periphere Nervenläsionen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Skapulohumeralreflex?

Die skapulohumeralen Muskeln verbinden den Humerus mit der Scapula. Die Muskelgruppe besteht aus insgesamt sieben Muskeln der Schulter- und Schultergürtelmuskulatur. Neben dem Hakenarmmuskel (Musculus coracobrachialis), dem Deltamuskel (Musculus deltoideus) und dem Untergrätenmuskel (Musculus infraspinatus) zählen der Unterschulterblattmuskel (Musculus subscapularis), der Obergrätenmuskel (Musculus supraspinatus), der kleine Rundmuskel (Musculus teres minor) und der große Rundmuskel (Musculus teres major) zur skapulohumeralen Gruppe.

Der Skapulohumeralreflex ist ein monosynaptischer Eigenreflex dieser Muskelgruppe. Der Reflex entspricht einem Dehnungsreflex, dessen afferente und efferente Bahnen im gleichen Organ angesiedelt sind. Ein Schlag auf den medialen Schulterblattrand löst die automatische Bewegung aus. Unter Vermittlung der Rückenmarksegmente C4 bis C6 kommt es über den Nervus axillaris und den Nervus suprascapularis zu einer Adduktion und Außenrotation des Arms im Schultergelenk. Sowohl die Schultergürtel-, als auch die Schultermuskulatur der skapulahumeralen Muskelgruppe sind an der reflektorischen Bewegung beteiligt.

Funktion & Aufgabe

Jeder Reflex beinhaltet einen Reflexbogen. Diese Bögen sind aus einem sogenannten Affektor und einen Effektor aufgebaut. Der Affektor ist die sensible Bahn des Reflexbogens. Sie registriert die Reize, die die reflektorische Bewegung auslösen. Der Effektor ist eine motorische Bahn, die die Bewegung umsetzt. Bei Muskeleigenreflexen liegen die beiden Bahnen im selben Organ. Der auslösende Reiz wird so an der selben Körperstelle detektiert, wo am Ende des Reflexbogens die Bewegung ausgeführt wird.

Affektor und Effektor des Skapulohumeralreflexes sind der Nervus axillaris und der Nervus suprascapularis. Beim Nervus axillaris handelt es sich um einen gemischten Nerv, der am Plexus brachialis dem Fasciculus posterior entspringt. Der Nervus axiliaris ist über Fasern an die Rückenmarkssegmente C5 und C6 angebunden. Er verläuft zusammen mit der Arteria circumflexa humeri posterior und der Vena circumflexa humeri posterior nahe der Gelenkkapsel am Collum chirurgicum des Humerus.

Über die seitliche Achsellücke ist er an der Seite vom Oberarmknochen durch den langen Trizepskopf eingefasst und kreuzt dabei den Musculus teres major, um den Musculus deltoideus zu erreichen. Bevor der Nerv die Achsellücke durchquert, gibt er durch die Faszie in das subkutane Gewebe der lateralen Schulter den sensiblen Nervus cutaneus brachii lateralis superior ab. Motorisch innerviert der Nerv die Schultermuskeln Musculus deltoideus und Musculus teres minor. Die Haut der lateralen Schulterregion innerviert der Nervus axiliaris sensibel.

Der Skapulohumeralreflex ist ein Eigenreflex der skapulohumeralen Muskulatur.

Auch der Mischnerv Nervus suprascapularis ist für den Skapulohumeralreflex bedeutend. Er entspringt am Plexus brachialis aus dem Truncus superior und ist durch Fasern an die Rückenmarkssegmente C4, C5 und C6 angebunden. Von der Vereinigungsstelle des Zervikalnervs läuft er seitlich unter dem Musculus trapezius und dem Musculus omohyoideus. Durch Incisura scapulae der Scapula tritt er in die Fossa supraspinata ein. Dabei kreuzt er das Ligamentum transversum scapulae superius und setzt sich unter dem Musculus supraspinatus fort. An diesen Muskel gibt er mehrere Äste ab und erreicht von dort aus den seitlichen Rand der Spina scapulae. Den Muskel der Fossa infraspinata, den Musculus supraspinatus, den Musculus deltoideus und den Musculus teres minor innerviert der Nerv motorisch. Seine sensiblen Äste verlaufen um das Schultergelenk herum und liegen in der Haut der seitlichen Schulterregion.

Beim Skapulohumeralreflex nimmt der afferente Nerv an der kontraktilen Mitte der Muskelspindelfasern eine Dehnung wahr. In den afferenten Ia-Fasern wird so ein Aktionspotential erzeugt, das über den Spinalnerv ins Rückenmarkhinterhorn wandert. Dort wird das Signal monosynaptisch auf die α-Motoneuronen übertragen, die die Skelettmuskelfasern der skapulohumeralen Muskelgruppe einleiten. Durch die negativen Rückkopplungen wird während des Dehnungsreflexes eine konstante Muskellänge aufrechterhalten.

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Krankheiten & Beschwerden

Medizinische Relevanz hat der Skapulohumeralreflex als Symptom von Läsionen im peripheren und zentralen Nervensystem. Im Rahmen der Reflexuntersuchung überprüft der Neurologe die Unversehrtheit der Nervenleitbahnen und bestimmt gegebenenfalls die Lokalisation einer neurologischen Läsion. Eine solche liegt zum Beispiel bei Lähmungen der skapulohumeralen Muskeln vor, wie sie durch Schädigungen der Rückenmarksegmente C4, C5 und C6 oder der Nerven Nervus axillaris und Nervus suprascapularis vorliegen können.

Als monosynaptischer Eigenreflex hat der Skapulohumeralreflex eine nur kurze Latenzzeit und lässt sich nicht ermüden. Wenn er nicht mehr oder nur stark verzögert auslösbar ist, muss also eine Nervenverletzung vorliegen, die vorzugsweise das periphere Nervensystem betrifft. Polyneuropathien können den Reflex zum Beispiel zum Erliegen bringen. Solche Erkrankungen betreffen das periphere Nervensystem und können sich als Folge von Mangelernährung, Infektionen, Vergiftungen oder zurückgelegenen Nervenverletzungen einstellen. Eine Lähmung des Nervus axiliaris oder suprascapularis kann andererseits auch traumatisch bedingt sein oder durch eine Neuritis verursacht werden.

Wenn dagegen Läsionen in den Rückenmarksegmenten C4 bis C6 vorliegen, ist der Skapulohumeralreflex in der Regel übersteigert. Bei Schädigungen des 1. Motoneurons im pyramidalen System treten Eigenreflexe wie der Skapulohumeralreflex in Muskeln auf, in denen sie eigentlich nicht zu beobachten sind. Ein übersteigerter Skapulohumeralreflex wird daher als Pyramidenbahnzeichen interpretiert und kann sich im Rahmen von Erkrankungen wie ALS oder Multiple Sklerose einstellen, die beide das zentrale Nervensystem betreffen.

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