Skalenussyndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. Oktober 2017
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Das Skalenussyndrom ist ein Nervenkompressionssyndrom, das zu den Thoracic-outlet-Syndromen zählt. Bei dem Syndrom verklemmt sich der Plexus brachialis in der Skelenuslücke zwischen den Muskeln Musculus scalenus anterior und medius. Bei neurologischen Defiziten erfolgt eine chirurgische Befreiung des komprimierten Nervs.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Skalenussyndrom?

Die sogenannten Engpasssyndrome sind eine Gruppe aus Kompressionssyndromen. Unter den Kompressionssyndromen versteht die Medizin Erkrankungen, die auf die Verklemmung einer anatomischen Struktur in einem bestimmten Engpass des Körpers zurückgehen.

Das Skalenussyndrom ist ein Nervenkompressionssyndrom, bei dem sich das Armnervengeflecht Plexus brachialis in der sogenannten Skalenuslücke verklemmt. Der Musculus scalenus anterior ist ein Muskel zwischen den Halswirbeln und den Rippen, der das Armnervengeflecht unter bestimmten Umständen in seinem Verlauf einengen kann. Das Skalenussyndrom wird auch Halsrippensyndrom oder Naffziger-Syndrom genannt.

Mittlerweile wird das Krankheitsbild unter die umfassendere Bezeichnung Thoracic-outlet-Syndrom zusammengefasst. Diese Syndrome sind neurovaskuläre Kompressionssyndrome am oberen Thorax. Andere Nervenkompressionssyndrome aus dieser Krankheitsgruppe sind das Hyperabduktionssyndrom, das Pectoralis-minor-Syndrom, das Paget-von-Schroetter-Syndrom und das Kostoklavikularsyndrom. Eine genaue Prävalenz für das Skalenussyndrom ist nicht bekannt. Die Thoracic-outlet-Syndrome gelten insgesamt allerdings als relativ verbreitet.

Ursachen

Die Ursache für das Skalenussyndrom ist eine Kompression des Plexus brachialis. Dieses Nervengeflecht des Arms verläuft entlang der Arme, der Schultern und der Brust. Der Musculus scalenus anterior verläuft zwischen den Halswirbeln und den Rippen. Der Bereich zwischen Musculus scalenus anterior und dem Musculus scalneus medius wird auch als Skalenuslücke bezeichnet.

Diese Stelle ist für den Plexus brachialis vor allem dann ein Engpass, wenn der Patient eine zusätzliche Halsrippe besitzt. Zusätzliche Halsrippen gelten damit als eine der häufigsten Ursachen für das Skalenussyndrom. Die Ursache des Syndroms muss aber nicht zwingend an einem überzählig knöchernen Element liegen, sondern kann auch mit dem Muskel selbst in Zusammenhang stehen. Der Muskel kann zum Beispiel von einer Muskelhypertrophie betroffen sein.

Die so entstehende Übergröße des Muskelgewebes kann das Armnervengeflecht ebenfalls in die Enge zwingen. Eine andere Ursache ist ein Steilstand oder eine Exostose der oberen Rippen, die eine stark eingeengte Skalenuslücke zur Folge haben können. In letzterem Fall sind neben den Strängen des Plexus brachialis auch Stränge der Arteria subclavia von einer Kompression betroffen. Unter bestimmten Umständen kann die Kompression auch mit einem übermäßig ausgeprägten Bänderapparat assoziiert sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Der Plexus brachialis innerviert die Schulter- und Brustmuskulatur motorisch und ist außerdem an der motorischen und sensiblen Innervation von Arm und Hand beteiligt. Aus diesem Grund leiden Patienten mit Skalenussyndrom typischerweise an belastungsabhängig neuralgiformen Schmerzen im Bereich der Schulter und des Arms, die sich vorwiegend im Bereich des ulnaren Unterarms manifestieren.

Da die sensible Innervation der Hand aufgrund der Nervenkompression gestört ist, treten im Bereich der Hand Hypästhesien oder Parästhesien auf. Diese Gefühlsstörungen sind in manchen Fällen mit intermittierenden Durchblutungsstörungen vergesellschaftet, so vor allem bei gleichzeitiger Kompression der Arteria subclavia. Den Betroffenen schläft aufgrund dieser Durchblutungsstörungen immer häufiger der betroffene Arm ein.

Zum Teil tritt ein Taubheitsgefühl und Schweregefühl hinzu. Im späteren Stadium eines Skalenussyndroms kann der Patient über Lähmungen der Arm- und Brustmuskulatur klagen, da die Muskeln in diesem Bereich von dem komprimierten Plexus brachialis motorisch innerviert werden. Denkbar sind ab einem bestimmten Stadium auch lähmungsbedingt zunehmende Atrophien der Muskulatur, so vor allem der kleinen Handmuskeln.

Durch eine Verengung der Arteria subclavia treten im fortgeschrittenen Stadium des Syndroms außerdem kleinste Blutgerinnsel auf, die unter Umständen die Fingergefäße verschließen und so zu einer Verfärbung der Finger führen können.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose auf ein Skalenussyndrom wird vom Arzt meist mittels Provokationstest gestellt. Auch eine Bildgebung des Thorax kann als diagnostisches Instrument erforderlich sein. Differentialdiagnostisch muss der Arzt das Syndrom von anderen Thoracic-outlet-Syndromen abgrenzen. Die Prognose für Patienten mit Skalenussyndrom ist grundsätzlich günstig.

Komplikationen

Patienten mit Skalenussyndrom leiden typischerweise an belastungsabhängigen Schmerzen im Bereich von Schulter und Arm. Diese sind meist mit Gefühlsstörungen und Durchblutungsstörungen verbunden, welche zum Beispiel zu Bewegungseinschränkungen und selten auch zur Entstehung von Blutgerinnseln führen können. In den späteren Stadien der Erkrankung können Atrophien der Muskulatur hinzukommen.

Betroffen sind vor allem die kleinen Handmuskeln, die aufgrund des Gewebeschwunds weniger leistungsfähig sind und den Betroffenen bei den täglichen Aufgaben erheblich einschränken. Im weiteren Verlauf der Erkrankungen stellen sich gelegentlich auch neurologische Defizite wie Lähmungen und Bewegungsstörungen ein. Bleiben diese Beschwerden unbehandelt, können am komprimierten Nervengeflecht dauerhafte Schäden zurückbleiben. Zudem kommt es zu Thrombosen, die die Fingergefäße verschließen und zu einer Verfärbung der Finger führen.

Bei der Schmerztherapie können die einzelnen Arzneimittel Nebenwirkungen und unter Umständen auch größere Komplikationen hervorrufen. Werden Lokalanästhetika gespritzt, kann es theoretisch zu einer Vergiftung des umliegenden Gewebes kommen. Damit verbunden sind Nervosität, Schwindel und Krampfanfälle. Auch Blutdruckabfall und Herzrhythmusstörungen können sich in seltenen Fällen bemerkbar machen. Ein chirurgischer Eingriff birgt die üblichen Risiken: Infektionen, Blutungen, Nervenverletzungen und Wundheilstörungen.

Behandlung & Therapie

Bei Skalenussyndromen milder Ausprägung ist häufig keine weiterführende Therapie von Nöten. Die Behandlung konzentriert sich in diesem Fall primär auf die Abmilderung der Schmerzsymptomatik. Eine solche Abmilderung kann durch konservativ medikamentöse Versorgung des Patienten erreicht werden. Meist gilt es aber vor allem, die schmerzauslösenden Belastungen zu vermeiden. Der Patient muss so nicht unnötig mit Schmerzmitteln behandelt werden.

Bei ausgeprägten Schmerzsymptomatiken erfolgt die Reduktion der Schmerzen meist mittels Schmerztherapie. Als solche kommt zum Beispiel die lokale Infiltration des betroffenen Muskels mit einem Lokalanästhetikum infrage. Diese therapeutische Lokalanästhesie kann unter Umständen auch mithilfe eines Implantats stattfinden, das regelmäßig Lokalanästhetika in den Muskel abgibt.

Wenn zusätzlich zur Schmerzsymptomatik Symptome vorliegen, reicht eine Schmerztherapie zur Behandlung des Skalenussyndroms nicht aus. Das gilt vor allem dann, wenn sich neurologische Defizite wie Lähmungen einstellen. Um die Bewegungsfähigkeit des Patienten wiederherzustellen, kann eine chirurgische Intervention angezeigt sein. Die Intervention sollte unbedingt erfolgen, bevor am komprimierten Nervengeflecht bleibende Schäden entstehen.

Bei der chirurgischen Intervention wird die primäre Ursache der Kompression behoben. Oft entspricht dieser Therapieschritt zum Beispiel der operativen Entfernung einer zusätzlichen Halsrippe.

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Vorbeugung

Dem Skalenussyndrom lässt sich im engeren Sinne nicht vorbeugen, da das Syndrom mitunter am häufigsten aufgrund von überzähligen Halsrippen entsteht. Solche überzähligen Halsrippen sind angeboren und lassen sich durch aktive Schritte nicht vermeiden. Allerdings kann der Schmerzsymptomatik des Syndroms insofern vorgebeugt werden, als dass schmerzgenerierende Belastungen vermieden werden.

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Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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